Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 15 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 **** DIE WAHRHEif Kaufet rvttö tow» p* Kaufet die In Qualität und Geschmack unübertroffenen, weltberühmten Polo§linaonioEioih Die Herstellung erfolgt — wovon sich Sr. Er.rw. Rabbiner Schenk (Rsw der „Talmud Thora'») persönlich überzeug! hat — unter streng ritueller Autsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Josef Chalm Sonnenfeld, Jerusalem, und des „Chief-Rabbi" von Eres Israel, Sr. Ehrw. Kenn A. I. Kock, Jerusalem Generalrepräsentanz für ganz Oesterreich: athan Brodetzki, Wien II., ttSEKTOSn M „mj _ FILIALEN: M. Wildmann, I. Bäckerstraße 16 #4. Spiegel, III. RadefzkystraBe 4 Jakob weift, II. Untere Atigartenstrafie 25 Sabine Binder, IX. Hahngasse 33 S. Schneider, II. Miesbachgasse 12 Max Silbe rfcerg, IX. Rotenlöwengasse 8 _ . II. Novaragasse 12 Ignaz Finkelstein, XX. Klostetnebburseistr. 9 David Raab, Ii. Schiffamtsgasse 7 ta. Luwisch, XX. Hannovergasse 90 ,__Jaicob Wassermann, XX. Wallensteinst»afte 58 miüsmus etwas mager ausgefallen. Immerhin ist die Charakterisierung der vier Haupttypen, die der Bearbeiter unterscheidet, fein und scharf. Alle vier Auffassungen stellen das Diaspora-Schicksal der Judenheit als einen fiauptposten in ihre Rechnung. Für die 0 r t h o d o x i e ist der Antisemitismus eine Folge der Abneigung, die die nichtjüdischen Völkerschaften gegen das auserlesene Gottesvolk empfinden. Nach der Meinung der strengen Orthodoxie wird erst die messianische Zeit ein Ende des Judenhasses herbeiführen. Der die Gleichberechtigungsideee vertretende Liberalismus erkennt zwei Wurzeln des Antisemitsmus an: einmal die UnVollkommenheit in der flumanisierung und Zivilisation der nichtjüdisehen Umwelt und sodann die Unvollkommenheit in der Assimilation der jüdischen Einwohner. Sobald jene Unvollkommenheit behoben ist, wird auch der Judenhaß schwinden. Im Gegensatz hierzu erblickt der Zionismus in dem Antisemitismus einen tragisch notwendigen Umstand, der sich aus der verloren gegangenen Staatlichkeit und nationalen Einheit des jüdischen Volkes herleitet. Der Judenhaß wird dadurch erklärlich, daß die andersgläubigen Wirtsvölker in den Juden fremde Bestandteile befehden. Der jüdische Sozialismus sieht dagegen entsprechend dem sozialistischen Parteiprogramme in der Konkurrenzfurcht der bürgerlich-kapitalistischen Wirtschaft eine Triebfeder der judenfeindlichen Gesinnung. Jene vorherrschenden Auffassungseinrichtungen unterliegen natürlich dem Einflüsse der nicht jüdischen Umgebung; nur die streng orthodoxe hält sich von ihm frei. Daneben treten die zahlreichen Aeußerungen einzelner Persönlichkeiten über den Antisemitismus, von denen in der vorliegenden Monographie leider nur wenige berücksichtigt sind. QI erre ix. Herr Dr. Preßburger, der in der ersten Verhandlung in Innsbruck Halsmann vertrat, hat es im Interesse der eigenen Sicherheit für geraten gehalten, die Verteidigung in der zweiten Verhandlung einem bodenständigen Innsbrucker Rechtsanwalt zu überlassen. Es gibt nämlich dermalen in Oesterreich offenbar zweierlei „Mordprozesse": Solche, in denen überwiesene Mörder nichts für ihre Sicherheit zu befürchten haben, und dann aber auch solche/ die auch für den jüdischen Verteidiger nicht ganz gefahrlos sind. * . * •k Kulturhistoriker werden vielleicht in kommenden Zeiten sich die Köpfe über die rätselhaften Rechtsverhältnisse zerbrechen, die einst in Oesterreich herrschten und die es ermöglichten, daß geständige Mörder nicht wegen des Verbrechens des Mordes, sondern bloß wegen Ueberschreitung des Waffenpatentes verurteilt wurden. Die Frage, weshalb die Ueberschreitung des Waffenpatentes offenbar als das größte Verbrechen angesehen wurde, neben dem z. B. ein Mord, selbst im Gerichtssaale verübt, als eine unbedenkliche Kleinigkeit erschien, ist in der Tat eine sehr schwierige. * * * Berliner Blätter berichten über hakenkreuzlerische Versammlungen in Nürnberg und zahlreichen kleineren Städten, in denen mit Hinblick auf die bevorstehenden jüdischen Ostern ein in Wien verübtes, gerichtlich als Lustmord festgestelltes Verbrechen als jüdischer „Ritualmord" ausgeschrien wird. Antisemitische Blätter in Bayern hetzen nunmehr in sensationeller Aufmachung gegen die Juden als „Ritualmörder" und die bayrischen Behörden schweigen zu all dem. Mancher wird dieses Schweigen vielleicht unerklärlich finden, aber man wird zugeben, daß es die gesprochenen und geschriebenen Hetzreden reichlich erklärt. * * * Die schöne blonde Simon Böske, die im Auslande so vielfache Ehren für Ungarn einheimste, wurde in ihrem Heimatsort Keszthely eines durch Musikbegleitung verzierten Empfanges gewürdigt. Es war aber eine Katzenmusik, die ihr die Elite der dortigen antisemitischen Jugend, die Jünger der landwirtschaftlichen Schule, unter antisemitischen Schimpfrufen darbrachten. Das blonde Mädchen hatte die Gemeinheit begangen, sich von einer ungarischen Jury als das — schönste Mädchen wählen zu lassen, obwohl sie wußte, daß sie eine Jüdin ist. Freilich darf man nicht vergessen, daß man an der landwirtschaftlichen Schule in Keszthely sicherlich vieles über Viehzucht lernt, aber daß man dort nicht die Aufgabe hat, vornehme, auf geistiger Höhe stehende Menschen zu züchten. * - . * * In Mateszalko, einem kleinen ungarischen Städtchen, wurde dieser Tage unter großer Beteiligung der Direktor der dortigen Sparkasse, Herr Desider Friedmann zu Grabe getragen. Trauerreden bilden selten auch nur eine kleine politische Sensation, aber der Nachruf, der diesem Manne von einem der beiden geistlichen Redner, die an seinem Grabe spra-