Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT mamm HI8IHHHMH) Seite 15 Einstein besuchten, dessen Name der großen Oeffentlichkeit noch nicht vertraut war, erlebten wir beide eine große und freudige Ueberraschung. Wir fanden einen Mann, der uns in der ersten Unterhaltung durch seine eigenartige Menschlichkeit, durch die tiefe Naivität seines Wesens bezwang, und wir fühlten beide, daß die Qewinnung Einsteins für uns ein Beweis für die Kraft und die Echtheit der zionistischen Idee sein werde . . . Man fragte ihn, warum er als Verfechter aller internationalen Interessen, als Gegner aller nationalistischen Bestrebungen die jüdische nationale Sache zu seiner eigenen mache. Er erklärte seinen Standpunkt durch ein Gleichnis: Wer einen rechten Arm hat und davon spricht und immer davon spricht, ist ein Narr. Wem aber der rechte Arm fehlt, der darf alles tun, um sich das fehlende Glied zu ersetzen. Daher sei er in einer Welt, in der jedes Volk die Bedingungen des nationalen Lebens hat, ein Feind des Nationalismus, als Jude aber ein Anhänger der jüdischnationalen Idee, weil den Juden die notwendige und natürliche Voraussetzung ihres nationalen Lebens fehlt. Der „skandalöse" Nathan. Ein Beschluß' des Bürgermeisters der Goethe-Stadt Frankfurt aus dem Jahre 1779 verdient anläßlich des Protestes der dortigen katholischen Priester gegen Lessings Drama „Nathan der Weise" besondere Beachtung: „Resolutum coram Deputatiorte ord. Brachte der ältere Herr Bürgermeister mündlich vor, was maßen in letzter Leipziger Messe von dem Gotthelf Ephraim Lessing ein Drama unter dem Titel „Der weise Nathan" erschienen seye, welches den skandaleusesten Inhalt in Rücksicht der Religion enthielte, weßhalben Er anheim stellen wollte, was gegen dieses verdächtige Buch vorzunehmen seye. Committatur dem älteren Herrn Bürgermeister sogleich bei allen hiesigen Buchhändlern herum zu schicken und dieses Drama nachdrucksamst zu verbieten. — Ausgeführt 28. Mai 1779 laut beigefügten Berichts des Kanzlisten Heinrich Bernard Beil ermann." Und 150 Jahre später ist man in der Goethe-Stadt nicht klüger. Das ernsteste Problem Palästinas. Rev. Dr. John Haynas Holmes, der Hauptgelstliche der Gemeindekirche von Nesw York, der im Auftrage von Nathan Straus zur Einweihung des Nathan- und Lina-Straus-Gesundheitszentrums in Palästina geweilt hat, ist soeben nach New York zurückgekehrt und äußerte sich gegenüber einem Vertreter der Jüdillschen Telegraphen-Agentur dahin, er habe den Eindruck, daß die Palästina-Regierung Interessen der Araber in Palästina in erster Reihe in Erwägung zieht und zu der jüdischen Bewegung eine gewfsse Distanz hält; dies weil sie von der Zukunft der jüdischen Arbeit anscheinend noch nicht voll überzeugt ist. Das ernsteste Problem in Palästina ist eben das Problem der Beziehungen zwischen Juden und Arabern. Pogrompropaganda in Litauen. In mehreren Provinzstädten Litauens wurden in den letzten Tagen in immenser Zahl antisemitische Flugblätter verbreitet, in welchen die Bevölkerung aufgefordert wird, unter der jüdFlschiem Bevölkerung ein Blutbad anzurichten. Die Flugschriften haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Namentlich in den Städten des Kreises Schaki wird die jüdische Bevölkerung von den aufgehetzten christlichen Massen sehr terrorisiert. Antizionistische Propaganda in — Palästina. Die palästinensischen Kommunisten haben in der letzten Zeit ihre Propaganda unter den arabischen Fellachen bedeutend verstärkt. Diesmal richtet stich die Propaganda insbesondere gegen Bodemerwerb seitens der Zionisten. In einer soeben verbreiteten Flugschrift werden die arabischen FeMachen aufgefordert, eine allpalästinensische Konferenz einzuberufen, die dem Bodenproblem gewidmet sein und die über Maßnahmen gegen Erwerb von palästinensischem Boden durch Juden beraten und beschließen soll. Armer Student bittet um Stundenunterricht im Hebräischen, Ungarischen und Deutschen, nimmt auch andere Beschäftigung für halbe Tage ohne Samstag. B. Grünfeld, IL, Franz Hochedlingergasse 20, 2. Stock, Tür 20. Kumt und Literatur Der Verein für jüdische Geschfchie und Literatur in Wien UL, Ferdinandstraße 23/8) veranstaltet Monitag, den 8. Apri' 1929. im Klubsaale der „Hakoah", I.. Wipplingerstraße 24—26 (Cafe Altes Rathaus, Eingang durchs Haustor) einen Vortrag des Herrn Finanzrat Dr. James Herbert: „Dte Juden Prags". Bei Torsperre Eingang durch das Kaffeehaus. Beginn %S Uhr abends. Eintritt frei. Gäste willkommen. .Das neuü Europa" (Zürich-Wien- Berlin). Ausschaltung der nationalen Gegensätze, Eindämmung der w'irtschaftspolitischen auf dem publizistischen Kampfgebtete, das sind die Losungsworte der immer mächtiger und weltumspannend werdenden Friedenspresse, die mit energischer Tatkraft den Weg zur Völkerversöhnun« und zur Friedenskortsolidierung ebnet. Dite von Dr. Paul Hohenau. Wien, herausgegebene Zeitschrift dient dieser Mission mit unentwegter Beharrlichkeit und Gewandtheit; tn der zweiten Ausgabe ihres XV. Jahrganges begegnen wir wieder bedeutsamen Aeußerungen von Staatsmännern, politischen und wirtschaftlichen PersöreLichkeitten beider Kontinente. Zur bevorstehenden Tagung der Abrüstungskonferenz sprechen sich einige hervorragende Mitglieder des englischen Oberhauses, wie Lord Ulliswater. Lord Newton, Lord Sydenham of Combe, über den Geist der Versöhnung, der den Einschränkungen der Rüstungen vorangehen und den der Völkerbund mit Energie verteidigen müs&ei. in überzeugender Weise aus, ebenso wie Dr. James T. Shortwell, einer der Leiter der bekannten Carnegie-Friedensstiftung. Was der Minister des Aeußern und ehemalige Botschafter Japans in England. Baron Keishiro Matsui über Japan als Stütze des Weftfriedens sagt, ist von hoher Bedeutung, ebenso sind es die Aeußerungen von Louis E. Pierson. Präsidenten der amerikanischen Handelskammer über dne internationalen wirtschaftlichen Zusammenhänge. Sie sind gedankenreich und1 erfüllt von dem Verantwortlichkeitsgefühl jener, die an der Entwicklung und der Organisation des Da/uerfriedens mitzuarbeiten berufen sind. Höchst interessant sind auch die Artikel von Leopold Mandl, Wien, und der Gräfin Hetta Treuberg, Rom, die über die Vorgeschichte der Versöhnung Italiens mit dem Papste manches Neue zu berichten wissen. Allgemeine Beachtung dürften auch die Ausführungen des Dr. Josip Wilfan, Präsidenten des Kongresses der nationalen Minderheiten, finden. Auslieferung: Wien IX., Türkensrraße 9. Aeschkolv-Weintraub A. Le Hassidisme. Paris 1928, Geuthner, Rue Jacob 13. Soviel über diesen Gegenstand auch schon geschrieben worden ist, diese kritische Studie bringt ganz neues Material herbei und eröffnet neue AsDekte. Sie schöpft unmittelbar aus dem fließendem Leben. Auf breitester Grundlage aufgebaut, gelangt sie zu Ergebnissen, die eine Bereicherung unserer Kenntnis des jüdischen Sektenwesens bedeuten. G. Grünfeld M. Mährige Dorfjuden. Jüdischer Kunstverlag, Brünn 1928. Es ist nicht oft und nicht eindringlich genug zu betonen, daß solche Materialiensammlungen zur jüdischen Kulturgeschichte unentbehrliche Vorarbeiten bedeuten, die jeder zu leisten verpflichtet ist. der an Geschichte überhaupt und an jüdischer im Besonderen innerlichen Anteil nimmt. Auch diese harmlosen Erinnerungen aus dem mährischen Ghetto der Uebergangszeit im vorigen Jahrhundert bieten, von ihrem gesunden Humor ganz abgesehen, für die Kenntnis der Trachten. Speisen, Sitten. Volkslieder. Redensarten der Juden<rasse manche Bereicherung, für die wir dankbar sind. Neues Jüdisches Theater (Praterstraße 60). WochenspieJplan: Von Freitag, den 5. April, bis Montag „Die Sederna c h t". Schauspiel in 4 Akten von J. L a t a j n e r, Musik von A. Golomb. — Dienstag: „Starker als die liebe". — Mittwoch. ..Mojsche, wie krichste!" — Donnerstag: „Kreutzer- Sonate", Lebensbild in 8 Akten von J. Gor dir*. JAC. MAYER Kleider- und GummimSnteMndustrle Export nach allen Ländern Wien ll.9 GlOCkengaSSe 24 Telephon R 48-4-79 Auch Detailverkauf zn Fabrikaprelsen! Herrenanzug nach Bf aß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ „ „ 15©.— Herrenhose „ „ 43.— feinst ausgeführt ZeltgemSBe Zahlungsbedingungen! Kein Kaufzwang! Freie Besichtigung!