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Die Wahrheit · 1929-04-05 · Heft 14 (5.4.1929) · page 16

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 16)
Language
German
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16 «ggminmH^ DIE WAHRHEIT ThnlBffckezu IDcxke Das Kultuspräsidium der Wiener Kultusgemeinde beim Bundespräsidenten Miklas. Der Bundespräsident Dr. Miklas empfing die Mitglieder des Präsidiums der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, die ihm anläßlich seiner Wahl zum Bundespräsidenten die Glückwünsche der Gemeinde entboten und dabei den Wunsch aussprachen, der Bundespräsident möge sich bei der Bundesregierung dafür einsetzen, daß den Forderungen der Kultusgemeinde betreffend eine Staatsdotierung für die kulturellen und religiösen Bedürfnisse der Kultusgemeinde stattgegeben werde. Sie wiesen darauf hin, daß, während die jüdische Religion übergangen wird, die Posten für die katholische und die evangelische Kirche im Staatsbudget erhöht worden sind. Bundespräsident Miklas erkannte die jüdischen Forderungen, die sich auf der Basis des Gleichberechtigungsprinzips bewegen, als berechtigt an, erklärte aber, der österreichische Bundespräsident sei auf Grund der Verfassung außerstande, in die Regierungsmaschine einzugreifen. Er sei nichtsdestoweniger bereit, sich bei den zuständigen Ministern dafür einzusetzen, daß die berechtigten Wünsche der Israelitischen Kultusgemeinde erfüllt werden. Auszeichnung. Dem langjährigen Präses der israelitischen Kultusgemeinde in Klagenfurt und Ehrenmitglied verschiedener Wohlfahrtsvereine Herrn Max S t ö ß 1, der sich wegen seines lauteren Wesens allgemeiner Beliebtheit erfreut, wurde das goldene Ehrenzeichen der österreichischen Republik in Anerkennung der Verdienste .,um die Interessen des Kultus- und Gemeindewesens in Kärnten" verliehen. Die israelitische Kultusgemeinde Klagenfurt, wohl eine der Jüngsten und kleinsten im Bundesstaate Oesterreich, hat es dank der hervorragend umsichtigen Leitung ihres Präses auf ein so Achtung gebietendes Niveau gebracht, daß heute die Interessen ihres Kultus- und Qemeindewesens seitens der Landesregierung und Obrigkeiten in jeder Weise bestens gefördert werden. Da Präses Max Stößl derzeit leider krank und eine offizielle Feier erst nach seiner hoffentich bald erfolgenden Genesung geplant ist, überbrachten ihm Herr Vizebürgermeister Baron Rokytansky und Herr Stadtsekretär Obermagistratsrat Dr. Gratzhofer in seinem Hause die hohe Auszeichnung, wobei Herr Baron Rokytansky in Anwesenheit der Familienmitglieder und des versammelten Kultusrates eine überaus herzliche Ansprache hielt und gleichzeitig die Bitte aussprach, den offiziellen Akt gelegentlich einer zu veranstaltenden Feierlichkeit vor der versammelten Gemeinde ausüben zu dürfen. Herr Stößl dankte tief gerührt und gab der Hoffnung Ausdruck, daß er bald im Kreise seiner Klagenfurter Glaubensgenossen sich der ihm erwiesenen hohen Ehrung werde erfreuen dürfen. Der Israelitische Bethausverein „Chewra Beth Hatfilah" im IX. Bezirk (Müllnertempel) hielt am 21. März l .T. im Zcremoniensaale unter dem Vorsitz seines Obmannes Herrn Börserat Ignatz Glück die 61. ordentliche Generalversammlung ab, weJcher außer den zahreich erschienenen Mitgliedern als Delegierter der israelitischen Kulitusgeme/inde Herr Vizepräsident Dr. Jakob Ornstein, Delegierte der meätstai TempelveT^he. darunter der Senior der Tempelvereins-Obmänner Herr A. Hof mann, ferner die Herren Kultusvorsteher Kommeirzialrat B. Buchwald und Kommerzialrat Moritz geif, sowie der Chefredakteur deT ..Wahrheit". Herr Ludwig nirschfeld als Gäste beiwohnten. Nachdem der Vorsitzende die Anwesenden begrüßt hatte, erstattete der Schriftführer Herr Max Eisner den Rechemschaftsber.icht, aus welchem hervorging, daß das Vereinsiahr — ebenso wie bei den anderen Tempelvenennen — trotz erhöhter Einnahmen infolge des Ansteigens'der Ausgaben mflt einem ansehnlichen Gebarungsabgang geschlossen habe, mit welchem angesichts der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse auch für das lau- EDERABENDE, Am 24. und 25. April werden Im Restaurant Salomon GrUner Wien II., Zirkusgasse 30, (Telephon R43-1-60) Sederabende abgehalten. Reichhaltiges Festmahl. Anmeldungen rechtzeitig erbeten. ieude Vereinsjahr gerechnet werden muß. Der Vorsitzende wies anschließend darauf .hfiin, daß die Tempelvereine, welche der Kuiltusgenieiinde die Aufgabe, für die Erhaltung eines würdigen Gottesdienstes in den 'einzelnen Bezirken zu songen, abnehmen, auf deren HMe durch Subventionen, bzw. Darlehen rechnen müssen, daß aber die Kultusgemeinde, soweit es eben ihre eigene finanzielle Situation ermögliche, den Tempelvercinen stets hilfr&ibh beispringen wird. Heirr Vizepräsident Dr. J. O r n s t e i n beleuchtete an der Hand einiger Ziffern des Kultusbudgets, daß es nur der Zwang der Not sei, wenn die Kultusgemeinde den Tempelvereincn nicht in so ausgiebiger Weise helfen könne, als sie es selbst wünschen würde, daß aber die Kultusgemeinde ährer moralischen Pflicht stets eingedenk biieiiben werde. Sie wisse aber auch den Männern Dank, welche so wie Herr Börserat I. Glück und die anderen Vorstandsmitglieder des Tempelvereines im IX. Bezirk all ihre Kräfte in den Dienst der guten Sache stellen und der Kultusgemeinde die Sorge für die kulturellen Bedürfnisse erleichtern. Nachdem im Sinne des Antrages der Revisoren Moritz Ocsterreiclicr und Simon Weiner dem Vorstand efrisfrrmmag das Absohttorium erteillt wurde, erfolgten die Ersatzwahlen in den Vorstand und' die Neuwahl des Ausschusses. Die statutengemäß ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Max E i s n e r, Ignatz Glück, Friedrich Kraus und Adolf Moser, sowie die bisherigen Ausschußmitglieder Hermann Davi d. Rudolf Hendl, Siegmund Kornmehl, Salomon O e s t e v r e i c h e r, Ignaz Walzer und Michael Max Weis wurden wieder- und Herr Josef Fuchs in den Ausschuß neugewählt. * B. Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom". Sonntag, den 14. April 1929, präzise 2410 Uhr vormittags, findet im Giebelsaale des Tempelgebäudes IL, Pazmanitengasse 6, die diesjährige 53. ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Adass Jisroel (Schiffschul). Wien IL, Große Schiffgasse 8. Kanzlei: IL, Große Schiffgasse 1. ZI. 253 ex 29. Zur Vermeidung von Irrtümern wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die Restauration im Hotel „New York", Wien IL, Kleine Sperlgasse 5, in anderen Besitz übergegangen ist und der Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Adas Jisroel nicht mehr untersteht. Wien, am 31. März 1929. Der Vorstand. Kundmachung. Verschiedene Umstände haben uns veranlaßt, von der Leitung des streng koscheren Restaurant Hotel „New York", Wien IL, Kleine Sperlgasse 5, zurückzutreten. Indem wir dies hiermit der jüdischen Oeifentlichkeit bekanntgeben, betrachten wir es als unsere Pflicht, allen unseren Gönnern und Freunden für das uns jahrelang entgegengebrachte Vertrauen unseren herzlichsten Dank auszusprechen. Wien, am 1. April. Mina und Nändor Nagel. Nachwort der Redaktion. Die obige Kundmachung gibt zu der Betrachtung Anlaß, daß leider in Wien streng orth. Restaurants vom internationalen Rufe immer seltener werden. Speziell das Restaurant Nagel, das von Josef Nagel sei. A. vor Jahrzehnten begründet wurde, war eine jüdische Gaststätte im wahrsten Sinne des Wortes, wo auch bedürftige Glaubensgenossen stets weitgehende Berücksichtigung fanden. Todesfälle. Vorige Woche starb nach langer Krankheit im 34. Lebensjahre Herr Egon Weiß, Sohn des Herrn Samuel W e? ß, eines Angestellten der Wiener Isiraeüäitischien Kultusgemeinde. Der älteste von drei Brüdern, von denen der eine sich als Lustspieldichter einen bedeutenden Namen im In- und Auslande erworben und der jüngste erst vor wenigen Tagen zum Arzt promoviert wurde, war er an Geist und Intelligenz ungewöhnlich hervorragend.Dabei zeichnete ihn ungewöhnliche Güte und Liebenswürdigkeit gegen jedermann aus, die er trotz seines Leidens stets bewahrt hatte. Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. M. J. Bach hob diese Eigenschaften an seiner Bahre her-

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