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Die Wahrheit · 1929-04-05 · Heft 14 (5.4.1929) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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keiten zu suchen und neue Wege zur Erlangung wirtschaftlicher Sicherheit zu beschreiten. Der Berufsumschichtungsprozeß, der in den letzten Jahren im Judentum eingesetzt hat, ist der jüdischen Oeftentlichkeit viel zu wenig bekannt, er wird deshalb auch nicht mit jener Aufmerksamkeit beachtet, die hier zweifellos geboten ist. Wichtiger aber als die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit ist die Tatsache, daß jene, die es angeht und die von der Umschichtung selbst am stärksten erfaßt werden, die jüdische Jugend, den Fragen des Berufes größtes Interesse entgegenbringt. Während in Versammlungen und Zeitungen noch Wege und Möglichkeiten der Umschichtung diskutiert werden, sind zwei Faktoren herangewachsen und zu Trägern der Umschichtung geworden, die jüdische Jugendbewegung und die jüdische Berufsberatung. Es liegt im Wesen unserer Zeit und in der Stellung, die die Jugend sich erobert hat, daß die Fragen der Berufswahl nicht mehr wie früher von Eltern und Vormündern allein entschieden werden. Die Jugend, deren Schicksal und Zukunft oft durch die Berufswahl bestimmt werden, wirkt mit an der Wahl des Berufes und der Entscheidung für diesen. Der Jugendbewegung aller Richtungen hat sich hier ein breites Feld fruchtbarer Arbeit eröffnet. Ihr obliegt es, den Jugendlichen die innere Einstellung zu Arbeit und Beruf zu vermitteln. Sic hilft mit an der Gestaltung des Willens der Jugend und macht sie frei von tradionellen Vorurteilen gegen bestimmte Berufe. Sie erweckt in ihr Achtung und Verständnis für jede schaffende Arbeit, die durch den Menschen, der sie leistet, erst ihren eigentlichen Wert und ihre Bedeutung erhält. Die Berufsberatung ist Helfer der Eltern und der Jugend. Mit ihnen zusammen stellt sie Eignung und Neigung der Jugendlichen fest, prüft sie die wirtschaftlichen Voraussetzungen der Ausbildung und die späteren Existenzmöglichkeiten im gewählten Beruf. Ihre Aufgabe kann nur im Zusammenwirken mit den Eltern, der Schule und der Jugend ganz erfüllt werden. Es geht in allen Fällen nicht darum, einen „guten" Beruf zu suchen oder einen „schlechten" abzulehnen, sondern darum, für jeden jungen Menschen den Beruf zu finden, der seinen individuellen Anlagen entspricht, und dann dafür zu sorgen, daß er in diesem Beruf eine möglichst gute Leistungsfähigkeit erlangt. ~=5=ä3ä=»355^«5^«^w^! «SÖSSSäiiSä" Wegzeichen. Im Nachstehenden geben wir zwei Abschnitte aus dem Werke von Isaak Breuer „Wegzeichen" („Lehre, Gesetz und Nation" Verlag Kaufmann, Frankfurt a. M.) auszugsweise wieder, die geeignet erscheinen, das thoratreue Judentum in seiner scharfen, geistigen und seelischen Erfassung zu zeigen: . . . Nun ist das Judentum ohne Zweifel auch Lehre. Es will gewisse Gedanken, Gesinnungen in seinen Bekennern erwecken und wachhalten. Ohne Zweifel will das Judentum auch eime Ueb&rzeugung bestimmter Art unter seinen Bekennern verbreiten. Allem das Judentum ist weit davon entfernt, sein Schicksal von der jeweiligen Ueberzeugung der einzelnen abhängig zu machen . . . Das Judentum ist zwar Lehre, aber diese Lehre ist göttliche Lehre. Keines räumlich und zeitlich bedingten Menschen. Haupt hat diese Lehre ersonnen und ihr mit seinen Vorzügen auch seine Irrtümer mitgegeben. Das Judentum als göttliche Lehre ist die absolute Wahrheit für die es keine Entwicklung gibt und keine Abänderungsmöglichkeif. Die Lehre des Judentums ward am Sinai dem ganzen Volke mit vollkommener Klarheit demonstriert. Die der Lehre zugewandte Ueberzeugung der ganzen Sinaigemeinde war keine bloß subjektive, innerlich erworbene. Es war vielmehr die auf eigener Anschauung beruhende unmittelbare Selbstgewißheit. Die Sinaigemeinde hat die Lehre des Judentums am Sinai erlebt. Herren^ und Damenkleider nach Maß sowie fertig lagernd, nur Qualitätsware, billigste Preise. 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Das von jeder Ueberzeugung der Einzelnen abstrahierende jüdische Gesetz in seiner absoluten Verbindlichkeit dient d izu. das jüdische Volk der Jüdischen Lehre für alle Zeit zu erhalten! * * * . . .Von der Erziehungsweisheit des Allmächtigen lernt auch Ihr. Wie Er die Lehre zum Gesetze werden ließ und also die Reinheit der Lehre für alle Zeiten verabkehrte zugleich aber für Persönlichkeitsentwicklung zur Lehre hinan Raum schuf, also verfahret auch Ihr. Die Lehre verkündet Euren Kindern: Lasset die Glut Eurer Begeisterung der Kinder Her/, erwärmen, lasset ihr Herz höher schlagen, ihre Wangen sich röten bei der Kunde von Israels Idealen, helft ihnen so viel Ihr könnt m ihrem Kampf um die Persönlichkeit. Aber vergesset den König nicht in Israel, des Gesetzes Gehorsam verlangendes Herrscherwort, lehret Eure Kinder Israels tausendjährigen Gesamtheitswillen achten den unverjährbaren Anspruch der Nation an jedes einzelne ihrer Glieder. Denn als Glieder einer Nation müßt Ihr sie frühzeitig sich erkennen lassen. Müsset innen zeigen, wie der Einzelne als solcher nichts ist, wie er aliles ist durch die Nation. Müsset sie mahnen, daß die Nation nur so lange besteht, als sie wollen kann, daß ihr Untergang gewiß ist mit der Stunde, da die Kunde ihres Willens ans Ohr dringt ihrer GI.:,eder und nur Selbstlinge findet, nur eigenwillige Monaden. Gönnet ihnen, daß sie sich selber Wege bahnen zur sturmgesicherten Ueberzeugung, aber Achtung, unendliche Achtung bringt ihnen bei vor der beispiellosen Hoheit unserer Nation, die unter Sinais Wettern des Allmächtigen Willen zu ihrem eigenen gemacht, die des Staates Untergang, die Volksverbannung, der Haß der Feinde, das Dräuen einer Welt nicht hat beirren können, unentwegt des Allmächtigen Wffllen zu wollen, lasset sie in Ehrfurcht erschauern vor diesem Willen der Nation, der die Jahrtausende bezwungen, lasset sie Verachtung fühlen für die erbärmlichen Wichte, die welken Jünglinge, die der spielerischen Laune des Augenblicks das heiligste Anliegen der Nation ohne Zögern hinopfern, lehret sie sich wegwenden von der anmaßlichen Ueberhebung, die sich erkühnt, aus Mangel an

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