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Die Wahrheit · 1929-04-05 · Heft 14 (5.4.1929) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 MiimimfliMiuimtHianmuiiiiiittm^ DIE WAHRHEIT tritt die politische Einheit des Gesamtjudentums bejahen würden. Das Vorhandensein eines solchen politischen Gesamtjudentums habe aber der Centraiverein stets verneint. Wenn er letzt einen anderen Standpunkt einnehme, so würde damit vor allem unser Kampf gegen die nationalsozialistische Bewegung auf das höchste gefährdet. Der Kampf um die Wahrung der Rechte der deutschen Juden müsse die Grundlage und das alleün wesentliche Arbeitsfeld unserer Bewegung bleiben. Das Wort unseres Führers Holländer, „das Entscheidende müsse auch als das Entscheidende anerkannt werden", müsse uns hier leiten. Danach müsse die Entsendung von Delegierten seitens des Centraivereines in die Jewish Agency und die Mitainbeöt unserer Führer in ihr als nicht zu unserem Aufgabenkreis gehörig abgelehnt werden. Die Aussprache berührte folgende Möglichkeiten einer Stellungnahme. Ein Teil erklärte den Centraiverein seinem Wesen und seinem Aufgabenkreis nach als unzuständig, sich mit einem außeirdeutschen jüdßschen Problem zu befassen. Eine zweite Richtung wünschte aus gesinnungsmäßiger Ablehnung jedes Palästina-Aufbaues auf national-jüdischer Grundlage die ausdrückliche Feststellung, daß der Betritt an die Jewish Agency mit der Arbeit im Centralvereiii unvereinbar sei. Dieser Ansicht entgegengesetzt forderte eine dritte Gruppe die Beteiligung des Vereines als solchem an der Jewish Agency durch Entsendung von Vertretern im geeigneten Zeitpunkt. Zwischen ihnen stand eine in ihrer Abstufung zwar unterschiedliche, im Grundsätzlichen jedoch übereinstimmende Anschauung, die die offizielle Beteiligung des Vereines ablehnte, jedoch den Eintritt von Vereinsmitgliedern als Privatpersonen «in die Jewish Agency freistellte. Nach einer von starkem Verantwortungsgefühl getragenen vielstündigen Auseinandersetzung, in der Vertreter aller Richtungen ausführlich zu Worte kamen, lehnte der Hauptvorstand mit 47: 27 Stämmen den Antrag ab: „Der CentraJverein kann seinem Wesen und seiner Organisation nach die Vertretung der deutschen Juden in einem internationalen jüdischen Komittee nicht übernehmen", ab, wobei darauf hingewfesen wurde, daß es auch Fälle insbesondere humanitärer Art geben könne, in denen eine solche Mitwirkung auch im Rahmen der Central Vereinsarbeit liegen könne. Darauf nahm der Hauptvorstand in namentlicher Abstimmung mit 48:35 Stimmen folgende Entschließung Lichtenberg und Genossen an: „Für den Centraiverein ist die satzungsmäßige wesentliche Aufgabe die Vertretung unserer Ideale und unserer Interessen in der deutschen Heimat Allem voran steht uns deshalb die Wahrung der Geschlossenheit der deutschen Juden für diese Ziele. Die Tatsache allein schon, daß das Palästinawerk im Kreise der deutschen Juden nicht einheitlich beurteilt wird, und daß weite Kreise die Mitarbeit hieran seiner nationaljudischen Bedeutung und Wirkung wegen ablehnen, — diese Tatsache allein schon bestimmt den Hauptvorstand, unbeschadet aller anderen Grunde, von einer Entsendung von Vertretern in die Jewish Agency abzusehen." Weitere Entschließungen, die sich für eine Mitarbeit an dar Jewish Agency aussprachen, waren damit abgelehnt. Bei der Begründung der angenommenen Entschließungen war erklärt worden, zur Frage, ob einzelne Mitglieder für * h r e Person der Jewish Agency beitreten können, sei damit nicht Stellung genommen. Es bedeutet wohl einen weiteren Schritt zur Befriedung des deutschen Judenrums, daß der Centralverein diese neutrale Resolution angenommen hat, die ihn als Gesamtheit noch nicht festliegt, wohl aber seinen Mitgliedern ermöglicht, ihrem Gewissen und ihrem Herzen zu folgen. Berufswahl und Berufsberatung. Von S. Adler-Rudel, Berlin. In diesen Wochen, in denen tausende junger Menschen die Schule verlassen und ins Leben treten, stehen Eltern und Erzieher vor der folgenschweren Entscheidung, die Berufswahl ihrer Kinder zu bestimmen. Wenn auch die Entwicklung der letzten Jahre, der Ausbau der öffentlichen Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung die Berufsentscheidung der Jugendlichen erleichtern, so ist doch die Verantwortung der Erhtf Ufc-Ztt i Laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners SIMON SCHREIBER| aus Erlau verlttOHcIa TfcO Erzeugt von HEINRICH FRANCK SÖHNE A. G. Kaffeemittelfabrik, Linz a. d. D. Bei fedem auf m u m n e zu hoben! ziehungsberechtigten nicht geringer geworden. Die jüdischen Eltern stehen der Frage der Berufswahl ihrer Kinder noch mit ganz besonderer Sorge gegenüber. Zu den an sich schon vorhandenen Schwierigkeiten, die im Wesen dieser Frage begründet sind, gesellen sich jene Erschwernisse, die aus der eigenartigen jüdischen Wirtschaftssituation resultieren. Die durch die historische Entwicklung bedingte Berufsschichtung der Juden, die mehr als die Hälfte aller jüdischen Erwerbs-' tätigen in den kaufmännischen Berufen zusammendrängt, hat im jüdischen Bürgertum auch eine besondere Auffassung vom sozialen Wert der verschiedenen Berufe gezeitigt, die ihren Ausdruck gefunden hat in der in den jüdischen Familien gepflegten Berufstradition, die seither von dem Bestreben der Eltern getragen war, ihren Kindern den Weg zum Aufstieg zu ebnen. Auf diesem Boden erwuchsen die Vorurteile gegen bestimmte Berufe, die Minderbewertung der manuellen Arbeit, die im Handwerker und gewerblichen Arbeiter einen gesellschaftlich nicht vollwertigen Menschen sah. Der seit Jahrzehnten versuchten Berufsumschichtung der Juden mußte ein wesentlicher Erfolg versagt bleiben, weil sie nicht von den Erfordernissen der wirtschaftlichen Lage des einzelnen getragen wurde, sondern von diesem im Interesse des Ansehens der Gesamtheit die Wahl von Berufen forderte, deren Träger von derselben Gesamtheit mit schlecht verhohlener Geringschätzung behandelt wurden. Die Not unserer Zeit hat auch hierin bereits in manchem Wandel geschaffen. Die Verarmung des jüdischen Mittelstandes hat innerhalb desselben frühere soziale Gegensätze ausgeglichen und mit veralteten Vorurteilen aufgeräumt, die schaffende manuelle Arbeit setzt sich allmählich auch bei den Juden durch und erlangt jene Achtung und Wertschätzung, die ihr bei anderen Völkern schon längst entgegengebracht wird. Der Wandel der sozialen Verhältnisse läßt im Judentum eine innere Umstellung in der Bewertung der Arbeit heranreifen, durch die die Berufsentscheidung der heranwachsenden Generation tiefgehend beeinflußt.wird. Im Gegensatz zu den Umschichtungsbewegungen früherer Jahrzehnte, die künstlich hervorgerufen wurden, ist die gegenwärtig sich vollziehende Umschichtung die logische und natürliche Folge der wirtschaftlichen Lage der Juden, die den einzelnen und die Gesamtheit zwingt, nach neuen Möglich'

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