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Die Wahrheit · 1929-04-05 · Heft 14 (5.4.1929) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 14 (5.4.1929)
Date
1929-04-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT flW^fflra,fflÄJ™ Seite 3 UNEROL ist reines Kofcosnnßfett and wird anter streng rfta* ellerAufsidit des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld suMattersburg erzeugt. Daher können es alle Streng* gläubigen zur Osterspeisea-Zubereitunf verwenden. kannt worden ist, können sich besonders diejenigen deutschen Juden nicht entziehen, die nicht wünschen, daß das Palästinawerk einseitig in die Bahnen deir zionistischen Organisationsarbeit gelenkt wird. Rechtsanwalt Alfred Lichtenberg (Hannover) führte als Korreferent etwa aus: Die Frag« unserer Stellungnahme zur Jewish Agency sei keineswegs e%e Frage der Taktik, sondern betreffe die Grundlagen des Centralverernes. Nach § 1 der Satzungen sei der Zweck des Central Vereines, die den deutschen Juden duirch die Emanzipation gegebenen verfassungsmäßigen Rechte* zu verteidigen und auszubauen. Mehr als ein Vierteljahrhundert sei dieses allem seine wesentliche Aufgabe gewesen, und alle Beschlüsse, die er in deir langen Reihe der Jahre zur Palästinanolitik in den verschrtedenen Hauptversammlungen gefaßt habe, härten immer wieder diesen Charakter des Centraivereins und seimeir Arbeit bestätigt. Nach seiner Ansicht würde das Betreten der von Bernhard gewiesenen Bahn einen Wendepunkt in der Geschichte und in der Arbeit des Centralvereines bedeuten. Deshalb sei nach seiner Ansicht der Hauptvorstand überhaupt nicht kompetent, in diesen« Falle einen entscheidenden Peschluß zu fassen, weil ein solcher gegen die grundlegendem Beschlüsse der Hauptversammlungen verstoßen würde. Eine Mitarbeit an der Jewish Aeencv unterhöhle m>ch dar Ueberzeugun-g des Redners dr'te Basis unserer ganzen Bewegimg. Denn allein entscheidend sei der Wortlaut des Art. 4 Abs. 1 des Mandates, wonach eine geeignete indische Vertretung als eine öffentliche Körperschaft geschaffen werden solle, um der Verwaltung Palästinas Rat und Mitarbeit zu gewähren bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte: des Abs. 2 des Art. 4 des Mandatstextes betonte demeemäß. dnß im Einvernehmen mit der englischen Regierung d'e zionistische Organisation d>:le Mitarbeit aller Juden sichern solle, die gewillt sind, bei' der Errichtungder jüd'schnarionalen Heimstätte zu helfen. Damit würde alo ein Eintreten des Centraivereines, bzw. seiner führenden Persönlichkeiten nichts anderes alsdie Beteiligung an einem jüdtechen Parlament bedeuten. Er würde also mitverantwortlich und mitgairantierend sein für den Aufbau dieser jüdischnationalen Heimstätte unter der Oberherrschaft Englands. Es sei! etwas ganz anderes, wenn die nichtzionistischen englischen und amerikanischen Juden in die Jewish Agency einzutreten sich entschlossen hätten, denn sie wahren damit gerade die nationalen Belange Englands und Amerikas. Für die englischen Juden bedürfe das keiner weiteren Begründung. Aber auch die amerikanischen Juden hätten bei dem weltpolitischen Gegensatz zwischen England und Amerika als Amerikaner das Interesse daran, zu verhindern, daß England allein entscheidend in dem für die Weltpolitik so wichtigen Palästina werde. Ganz anders läge die Sache für uns. Wir könnten unsere Entscheidung nur nach der augenblicklichen Konstellation der Welt treffen. Danach müsse aber heute festgestellt werden, daß die weltpolitische Geltung Deutschlands besonders gegenüber England und Amerika noch so gemindert sei, daß wir irgendeine Bedeutung als Deutsche in einer solchen Vertretung unmöglich gewinnen könnten. Auf der einen Seite übernähmen wir also für die Gesamtiudenheit gleichsam einte Garantie gegenüber England, während auf der anderen Seite die praktische Bedeutung dieser großen Verantwortung ganz verschwindend sein müsse. Es sei dem Redner bekannt, daß gerade die auf dem Boden des Centraivereines stehende Jugend aus ihrem iüdischen Idealismus heraus ein Eintreten des Centralvereines in die Jewish Agency zu einem sehr großen Teil wünschet. Niemand aber könne mit Sicherheit sncen, wie schon in einigen Jahren d'ese Jugend sich zum Pnläst'Mnoroblem siteHen werde. Wir könnten und dürften in dieser Grundfrage nur so entscheiden, wie es die Geschichte und Arbeit des Centralvereines nach des Redners Ansicht klar fordere, in der eben erschienenen Schrift P*- Holländers: ..D'"itschiüdische Probleme der Gegenwart" habe dieser ausgeführt, daß Komrircrryisse in unseren Hauoffragen niemals geschlossen werden könnten. Um eine Hauotfrage aber gehe es hier. Vor allem auch um deswillen, weil wir durch unseren Bei- — wie kann ich mit einer fremden Frau heiraten? Sagt es selber, teurer Reib Mendel. Und dann — weiß ich? Sagt, wie — wenn — was — wie, sagt, äh. sieht Eure Tochter, leben soll sie, ans?" Mendel strich sich den schütteren Bart grade. „Aha. Jungermann, also so — na, hm, sososo! Also Ihr wollt — wollt also — es unbedingt wissen? Na, meine Gitel kann sut schildern — soll sie Euch schildern." Gitel sah mich sanft an. „Meine Basje? Und da fragt Ihr noch? S o groß ist sie und so breit und solche Augen hat sie und solches Gesicht — ei, meine Basje! Da fragt Ihr noch? Außerdem — schickt «'s sich nicht für einen Jungenmann, solche Fragen zu stellen. Es gehört sich nicht, sag* ich Euch. Ueber so was redet man rrcht in guten Hänsern. Was heißt Schönheit? Man fragt das nicht, lieber Napoljen! Eure Eltern sollten das erfahren — sie würden sich schämen, so wahr ich lebendig hier sitze. Aber nun — wenn Ihr es eben wissen wollt — es ist kein Geheimnis: meine Basje, leben soll sie. ist eine Schönheit — ja. eine Schönheit, wie sie im Buche geschrieben steht." Da fiel ihr Mendel ins Wort. „Schweig, Gitelschi, red' mit ihm nicht über solche Sachen; ich habe schon alles mit seinen Eltern besprochen. Wer fragt nach ihm? Er ist doch noch ein halbes Kind. Nicht wahr. Napolienche?" Dabei fuhr er mir liebkosend über die Wange. Alsdann reichte er mir ein Glas Bier. Er merkte aber nicht, daß ich schon die ganze Zeit gezittert habe. Ja. Jungermann, so ist es im Leben. Die Tat, zu der einem das Herz nicht treibt, bringt selten Gutes und nur allzu spät erkennt man. daß man sich mit eigenen Händen ein Grab gegraben hat. Und in neunundneunzig von hundert Fällen, kommt die Erkenntnis, die den notwendigen Widerstand schafft, zu spät. Ach — ja! Und so kam es, Basie, die Tochter des Ehenaare«; Gitel und Mendel — Gott verzeihe es ihnen — wurde mein Weib. Wozu soll ich Euch noch Einzelheiten erzählen? Ihr seid dreh ein Schreiber und habt Phantasie — malt Euch auch die Einzelheiten aus. Aber bitte, mit schwarzen Farben. Die Schönheit Basjes. von der mir Gitel so begeistert gesnrochen hatte — wo war sie? Aber ein Jid wie ich fragt nicht danach. Nicht das ist es, was den Menschen glücklich macht. Es gibt noch andere Dinge, beständigere Dinee, die notwendiger sind für einen Mann. Nämlich: eine Frau mit einem Herzen. Ja, das ist es. Und Basie hat kein Herz, keinen Char"kter. or-T nichts. Könnt Ihr Euch ausmalen, was das für eine Hexe ist? Sage ich T?e\ sagt sie Nacht: sage ich heute, sagt sie morgen: sage ich das. sagt sie ieneswill ich etwas. wiH sie das Geeenteil — also eine Hexe, ein Teufel, eine üble Zusrhickuncr. Und vierzig Jahre nun dauert mein Leiden — vierzig Jahre erleide ich tägHch alle Martern der Hölle — vieraV Jahre. Juneermnnn — Ihr versteht das? Vierzig .fahre, tagtäglich, ohne Ausnahme — vierzig lange Jahre! Wahr ist. daß sie mir fünf Kinder zur Welt gebracht hat. Fünf schöne, gesunde, feine Kinder, die jetzt schon erwachsen sind und längst unter Dach und Fach. Geboren, erzogen, weg- ^eflop-en. Und ich. armer Mensch, leide, leide unsäglich unter einer tyrannischen Herrschaft. Ma.n sollte mir hundert Orden cr,henke" und ebensoviel ^ed^'Uen und alliährlich sollte man »""'"r zu F^r.pn ein nrunkvolles Bankett veranstalten, denn ich b?n ein Held, ein Kämnfer. der vierzig Jahre lang ohne Rast n-vi Ruhe e'ren mächrie-en Feind abzuwehren hat. Aber sagt: f:;Ut nicht ^uch d^s festeste Gemäuer zusammen, wenn der ~^Feind unablässig dagegen rennt? Oh, ich bin ein Held! Aber sagt, .hin^ermann, wie ist das im heutigen Gesetz: ist e'ne Frau ohne Herz ein —- Scheidungsgrund, hah?"

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