Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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feier veranstalten. Auch der Oesterreichische Bühnenverein wird die letzte Ruhestätte seines ersten Präsidenten mit Blumen schmücken. Sein zwanzigster Todestag wäre der günstigste Zeitpunkt darauf hinzuweisen, was dieser j üdische Künstler zum Aufblühen des Burgtheaters und zur Hebung des Ansehens von Wien als Kunststadt beigetragen hat. Insbesondere wäre es am Platze — wir wiederholen eine vor zwei Jahren gemachte Anregung —, einer kunstbegeisterten jüdischen Jugend den jüdischen Künstler Adolf S o n n e n t h a I durch Herausgabe einer Biographie näherzubringen. Centraiverein und Jewish Agency. Arn 23. und 24. März fand in Berlin eine wichtige Tagung des Hauptvorstandes des Centralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt, die sich auch mit der Jewish Agency beschäftigte. Es handelte sich dabei um die Entscheidung, ob der Centraiverein als die Organisation der nichtz'ouistlschen deutschen Juden Vertreter in die Jewish Agency entsenden solie. Der Haupt vorstand nahm zunächst darüber die Vorträge des Reichstagsabgeordneten Professor Georg Bernhard und des Rechtsanwaltes Alf med Lichtenberg (Hannover) entgegen. Professor Geor.g Bernhard faßte seine Ausführungen in folgenden Sätzen zusammen: 1. Die Voraussetzung für die Mitarbeit im C. V.. die grundsätzlich allen deutschen Juden, ohne Unterschied ihrer Stellung zu den religiösen und politischen Problemen offensteht, ist das Bekenntnis zu Deutschland als Heimat und zu deutscher Kultur als Heimatkultur. 2. Deshalb können die im C. V. organisieren deutschen .luden auch nicht der Wiedererrichtung der Heimat eimes jüdischen Volkes in Palästina zustimmen, von dem alle in den übrigen Ländern der Welt lebenden Juden Teile darstellen. 3. Wenn trotzdem sich den Hauptvorstand bereit erklärt, an dem Aufbauwerk in Palästina im Rahmen der zu er- Napoljen Bombe. Die Geschiebte eines Unglücklichen. Von Josef Kaplan, Fulda. (Schluß.) Wenige Tage nach diesem Vorfall war ich wieder hergestellt: und wieder nach einer Mahlzeit nahm mich Mendel beiseite — Gitel fehlte natürlich auch nicht — und wieder wurde eine Flasche Bier herbeigeholt und wieder begann Mendem mit einem langsamen: „Panje Bombe". Was blieb mir anderes übrig, als „Ja" zu sagen? Ich sagte also: „Ja." Mendel fuhr fort: „Wenn Ihr, Panje Bombe, vor einigen Tagen nicht so mir nichts dir nichts vom Stuhl gerutscht wäret, dann wären wir heute schon viel weiter. Also, was gesagt werden muß, muß gesagt werden und was geschehen muß, ist ein Ding, das keinen Aufschub duldet. Ihr mögt sechsmal ohnmächtig werden — einmal müßt Ihr es erfahren, ob Ihr wollt oder nicht! Tja! Nun — also bleibt es dabei: wie, mein Teurer?" Diesmal sagte ich nicht mehr „ja", sondern fragte: „Was. Reb Mendel, meint Ihr damit?" „Was heißt was ich meine? Die Sache ist fix und fertig: sogar Eure Eltern, Gott erhalte sie lange, wissen davon. Ihr könnt' ganz beruhigt sein: zur Hochzeit werden sie da sein." Ich riß die Augen weit auf. „Hechzeit? Wer — was — wieso? Hah?" weitarnden Jewish Agency gemeinsam mit den andleren nichtzionistischen Juden der übrigen Länder mitzuarbeiten, so sind für diesen Entschluß die folgenden Erwägungen maßgebend: a) Die Balfour-Deklaration vom 2. November 1917 und das auf ihrer Grundlage am 16. September 1922 an England durch den Völkerbund erteilte Mandat hat die „Errichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina", die bis dahin das Ziel Hinerjüdischer Parteibestirebungen war, zu einer Tatsache der internationalen Politik gemacht b) Durch die im Jahre 1922 erfolgte amtliche Interpretation der Balfour-Deklaration durch das biitische Kolonialamt is^ ausdrücklich und klar festgestellt worden, daß nicht Palästin« als Ganzes in eins i.idische nationale Heimstätte umgev andelt, sondern daß in Palästina die „bereits bestehende jüdisjlie Gemeinschaft mit Hilfe der Juden in allen Weltteilen so weiterentwickelt werden soll, daß sie zu einem Zentrum wird, an welchem das jüdische Volk in seiner Gesamtheit aus -religiösen und stammesgemäßen Gründen mit Interesse und Stolz teilnehmen kann", c) Die neue Siedlungs- und Aufbauarbeit in Palästina auf der Grundlage der Balfour-Deklaration knüpft schon deshalb an die Traditionen früherer jüdischer Siedlungsbestrebungen an, die stets von den deutschen nichtzionistischen Juden unterstützt worden ist, weil es auch heute noch Millionen von Juden im Osten gibt, die entweder völlig schutz- und heimatlos sind, oder die ihre staatsbürgerlichen Rechte nur dadurch zu wahren vermögen, daß sie sich als jüdische Volksminorität <ün die Parteiengefüge ihrer Heimatstaaten eingliedern. Diesen Juden eine Heimstätte oder ein nationales Zentrum zu schaffen, bedeutet eine moralische, kulturelle, «religiöse und staatsbürgerliche Sicherung von großen Massen jüdischer Menschen, d) Die Ansiedlung solcher Juden im gelobten Lande der Bibel, an der Geburtsstätte, der jüdischen Religion, in dem Lande, auf dessen Boden sich durch viele Jahrhunderte ruhmreiche jüdische Geschichte abgespieilt hat, ist für jeden Juden ein Akt der Ehrfurcht vor den großen Ueberlieferungen seiner Religion. Die Uebarführumg der Verfolgten und Gedemütigten nach Erez Jisroel bedeutet eine symbolische Wiederholung der Hinausführung aus dem Lande Mizrajim. e) Das neue Aufbauwerk in Palästina auf der Grundlage der Balfour-Deklaratö'on und des englischen Mandats hat eine jüdische Gesamtverantwortung für das geschaffen, was in Palästina geschieht. Der Zusammenbruch der jüdischen Siedlungsainbeit muß auf die internationale Wertung der produktiven Fähßgkröilt aller Juden zurückwirken. Positive Leistungen der Juden in Palästina werden allen Juden der Welt zugute kommen. Dieser jüdischen Gesamtverantwortung, die besonders von den Juden Britanniens und der Vereinigten Staaten aner- Mendel sprang auf. „Gott, seid Ihr, Juugermann, mit Dummheit geschlagen! Hochzeit? Wer — was — wieso? Seid Ihr denn erst jetzt aufgewacht? Habt Ihr denn in den letzten vier Wochen in meinem Hause geschlafen — wie? Wo, frage ich, habt Ihr Euren Verstand?" „Nun" antwortete ich, „regt Euch nicht auf. Aber wollt Ihr mir nicht sagen, wer Hochzeit machen soll? Mendel wurde noch erregter. „Was heißt wer? Ihr natürlich, Panje Bombe! Außerdem werde ich Euch von jetzt ab Napoljen nennen. Also, J h r werdet heiraten, Reb Napoljen!" „Ich? Irrt Ihr Euch nicht, Reb Mendel?" „Nein, ich irre mich nicht; I h r sollt heiraten!" „So? Und mit wem?" „Mit wem? Mit meiner Tochter, Basje heißt sie. leben soll sie!" Mir wurde es wirr im Kopf. „Basje? Heißt sie nicht vielleicht auch Sulamith. wie?" „Wie kommt Ihr auf Sulamith? Meine Tochter heißt Basje und wird morgen zurückkommen. Alles andere wird sich schon geben." Mendel setzte sich hin, goß sich ein Glas Bier ein und trommelte einen Marsch auf dem Tisch, daß die Flasche hin und her tanzte. „Also heiraten?" sagte ich. „Aber ich will gar nicht heiraten. Vor etwas, das ich ich nicht kenne, fürchte ich mich, so wahr ich lebe. Ich habe schon die Masern gehabt und Scharlach und Bauchschmerzen und Zahnweh und Ohrenreißen und die Cholera, aber — das Heiraten habe ich noch nicht gehabt, Reb Mendel, das dürft Ihr mir glauben. Und dann, lieber Panje Mendel, bin ich so komisch von Natur; das heißt, es ist mir schon so mitgegeben, schon von de-r Wiege — ich bin nämlich so ängstlich und fange gleich zu zittern an. Und dann