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Die Wahrheit · 1929-03-29 · Heft 13 (29.3.1929) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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geite 14 H«ffli«i««^^ DIE WAHRHEIT 'kund und Literatur Dr. A. J. Brawer Hoorein, Geographie Palästinas. (Verlag Dewir Tel Awiw 5688.) Wir haben es hier mit dem ersten Versuch einer wissenschaftlichen Geographie des heutigen Palästina zu tun. Dieser Versuch ist ganz vortrefflich gelungen. Brawer's Buch ist ausgezeichnet. Die bereits vorhandene, reiche Literatur, die in einem bibliographischen Anhang dem Buche beigegeiien ist, zeigt, daß Brawer das ganze Gebiet souverän beherrscht und kritisch benützt hat Stil und Darstellung sind bei aller wissenschaftlichen Sachlichkeit und Verläßlichkeit geschmackvoll schön. Das Hebräische ist das eines Gelehrten, dem die Sprache unseres Volkes wieder Muttersprache geworden ist Es ist eine wahre Freude, das Buch zu lesen und zu studieren. Es gibt dem Kenner unendlich viel und dem Lernenden in gedrängter Zusammenfassung alles, was er über Erez Israel wissen soll und will. Und für Lernende, Lehramtskandidaten. Maturanten und gebildete Menschen ist das Buch geschrieben. Es wird seinen Zweck ohne Zweifel erreichen. Theoretiker und Praktiker werden reichliche Kenntnisse daraus schöpfen. Es muß ganz besonders hervorgehoben werden, daß Brawer alle Quellen auf das gewissenhafteste befragt un<f benützt und alle Ergebnisse kritischer Forschung auf allen einschlägigen Gebieten berücksichtigt, ohne ihnen sklavisch zu folgen. Angefangen von Bibel, Mischnah, Talmud und Midrasch bis auf die Ergebnisse der Grabungen und Inschriften neuester Zeit ist alles wohl erwogen und geprüft. In 23 Abschnitten wird eine Beschreibung Palästinas nach seiner geologischen Gestaltung geben; daran schließen sich Klima, Flora und Fauna: die Geschichte des Landes, die jetzigen Bewohner; wirtschaftliche Verhältnisse, die heutigen Siedlungen, schließlich eine Bibliographie und instruktive Bemerkungen, Register. Alles mit Sorgfalt und Vorsicht geleitet. Eine große Anzahl von Tabellen über Klima, Statistik, Wirtschaft, Industrie und Handel gibt genauen Aufschluß. 81 Abbildungen illustrieren das Buch. Ohne Zweiüeä wird Brawer's Buch in den hebräischen Schulen und Lehranstalten eingeführt werden, überall Anklang finden und beste Erfolge erzielen. Rabbiner Dr. David Feuchtwang. Jüdisches Jahrbuch 1929. (Scherbel & Co., Verlag, BerKn-CUarlottenburg 4). Der I. (literarasche) Teil des Jütdischen Jahrbuches wird wieder durch einen Aufsatz eingeleitet, der das verflossene Geschäftsjahr der Berliner; Jüdischen Gemeinde behandelt. Es folgt aus berufener Feder eine ausgezeichnete informatorische Darstellung über den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden: a) Gründungsgeschichte, b) Verfassung, c) bisherige Tätigkeit Ein Aufsatz über „Die jüdische Frau in der Wohlfahrtspflege" bietet wertvolles Material. In ediner erschöpfenden Abhandlung über „Die Mischehe" beleuchtet UniV.-Prof. Dr. Hanauer, Frankfurt a. M., in acht Teilen dieses für die Gegenwart und Zukunft der jüdischen Gemeinschaft so wichtige Problem. Diese Abhandlung erhält besonderen Wert durch bisher unveröffentlichte Tabellen sowie durch ein außerordentlich umfangreiches Quellenmaterial. Des 200. Geburtstages Moses Mendelssohns (6. September 1929) ist durch Wort und Bild gedacht worden. Der I. (literarische) Teil des Jüdischen Jahnbuches 1929 schließt mit einer Würdigung des zu früh verstorbenen Sanitätsrates Dr. Gustav Bradt, des Mitbegründers und Vorkämpfers der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Der II. Teil „Organisationen und Vereine" hat gegenüber dem vorigen Jahngang insoferne eine Verbesserung erfahren, als die Adressen von Vorstandsmitgliedern, die sich häufig ändern, fortgelassen sind. Dieser Tecl gewinnt hierdurch an Uebersdchtlichkeit Der III. Teil behandelt wie in den früheren Jahrgängen die „O r g a n e" u r. d Einrichtungen den Berliner jüdischen, Gemeinden." Durch den (neuen) IV. Teil erfährt das Jüdische Jahrbuch 1929 ein© wesentliche Bereicherung. Hier sind in alphabetischer Reihenfolge die wichtigsten Adressenangaben der jüdischen Gemeinden in ganz Deutschland zusammengestellt. Wir können das Jüdische Jahrbuch 1929 das wieder vorzüglich ausgestattet ist und auch schöne* Abbildungen enthält, bestens empfehlen. Paneuropa-Zeitschrift, Heft 2, V. Jahrgang. Panenropa Venlag. Wien-Leipzig-Paris. Preis: Mk. —.90, ö. S L50. Das vorliegende Heft der Paneuropa-Zeitschrift bringt einen großangelegten Artikel des Herausgebers Coudenhove-Kar?T%2?ber Afrika» der weiteste Aufmerksamkeit verdient. Das Problem Afrika wird von der europäischen Oeffentlichkeit keineswegs in seiner vollen Bedeutung erfaßt Und doch ist es heute das einzige Gebiet, das dem in allen übrigen Kontinenten verdrängten Europa offensteht, das ihm wie' Coüdehhöve sagf. „Rohstoffe für seine Industrie, Nahrungsmittel für seine Bevölkerung, Siedlungsraum für seine Ueberbevölkeruhg, Arbeitsmöglichkeit für seine Arbeitslosigkeat, Märkte für seinen Absatz" bieten, könnte. Das Heft ist schon um dieses Aufsatzes willen besonders lesenswert; es enthält außerdem einen überaus interessanten politischen Briefwechsel zwischen dem ehemaligen italienischen Minister Francesco Crispi und dem französischen Rechtsgelehrten Desmarest über die Vereinigten Staaten von Europa, ferner die Pressechronik von Walter Schläger und den vom Zentralbüro herausgegebenen Bericht: Die Paneuropa-Bewegung. Ludwig Lewisohn. , JDer Fall Herbert Crump". Drei Maskenverlag A. G., München, Berlin. Aus dem Englischen übersetzt voii Anna Kellner. Mit einem Vorwort von Thomas Mann, 475 Seiten. Broschiert Mk. 6.50, Ganzleinen Mk. 8.50. Herbert Crump, ein junger, hochbegabter Musiker, vierundzwanzigjährig, geht einer zwanzig Jahre älteren Frau, die ihm reife Weiblichkeit und Verständnis für sein Menschentuni und seine Kunst vorheuchelt, ahnungslos ins Netz, in die. Ehe. Die Geschichte dieser „Ehe" macht den Inhalt des Buches aus — eine Hölle voll Sklaverei, Erniedrigungen und Häßlichkeiten, deren satanische Fürchterlichkeit mit unnachahmlicher dichterischer Kunst und Wahrheitsliebe geschildert wirdi Wir blicken in die finstersten Abgrunde der menschlichen Seele. Als Herbert schließlich dieser Frau, die nach außen hin ein fast untadeliges Leben zu führen weiß, das Scheidungsversprechen abringt, da will sie gegen ihn einen Presseskandal inszenieren, um sich selbst vor der Oeffentichkeit in der Glorie der edlen Dulderin hinzustellen, ihn aber moralisch zu vernichten. Da kann Herbert Crump nicht anders — er schlägt sie tot. Kommt nun die Freiheit? Herbert Crump wird zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt, ein Wiederaufnahmeverfahren wird verhindert, er gilt nach wie vor als der Schuldige. So mußte denn aus dem Geiste einer ausgleichenden Gerechtigkeit dieses Buch der Menschlichkeit geschrieben werden. Paul von Schönaich. Die Peitsche des August Schmidt. Fackelreiter - Verlag, Hamburg - Bergedorf. Dieses Buch des bekannten Generals und Kriegsgegners scheint uns schwächer als seine bisherigen Werke, weil es uns, obwohl wirtschaftspolitisch tief schürfend, doch zu utopisch ist. Dieser Optimismus, der aus dem recht interessanr ten Buche spricht, ist doch gerade in dem Deutschland der Jetztzeit zu groß, als daß man ihn für realisierbar hielte. Immerhin ist das Buch schon des Autors wegen lesenswert. r. d. Reiigionsgesch. Lesebuch, herausgegeben von A. Bertholet. Verlag J. C. Mohr, Tübingen 1928/29. H. Kees, Aegypten (Mk. 2.80) und K. A. G e 1 d n e r, Vedismus und Brahmanismus (Mk. 8.—), M. W i n t e r n i t z, Der ältere Buddhismus (Mk. 7.50). Kees bemüht sich, in diesem beschränkten Rahmen Proben zu bieten, die allen den zahlreichen Kulten Aegyptens gerecht werden. Besonders interessant sind für die Gegenwart die Texte Tutanchamons, die seinen Gegensatz zur Reform seines Vorgängers kennzeichnen. Aus den Texten bei Geldner verzeichnen wir, weil für den jüdischen Theologen besonders beachtenswert: Die Götter schlafen nicht. Das Jahr ist für die Götter nur 1 Tag. Indra, der den Drachen erschlug (und die Wasser dadurch befreite). Wenn dir, Indra, auch 100 Himmel und 100 Erden wären — nicht 1000 Sonnen, nicht die ganze Welt kam dir gleich. Mit den Winden zusammen fährt der Gott auf einem Wagen, er, der König dieser ganzen Welt. Auch die Wasser fügen sich seinem Gebote. Für den Sohnlosen ist die Welt nicht da. Die Rede mißt vier Viertel, ein Viertel reden die Menschen. In eine dem modernen Empfinden naturgemäß weit näher liegende Gedankenwelt führt uns Winternitz ein. Man lese nur die Kapitel: „Der Buddha ist gleichgültig gegen Lob und Tadel und predigt Duldsamkeit", oder die Schilderung des Abschiedes Buddhas aus diese Dasein, „Die vier edlen Wahrheiten, die Heilsbräuche, die Buddha empfiehlt, von denen es dann im 9. Felsenedikt von Kalsi heißt: so erlangt der Mensch seinen Zweck in diesem Leben und endloses Verdienst im Jenseits. Vieles, was mit jüdichen Lehren übereinstimmt, wenn auch im Kern die Resignation des Buddhismus sich nicht mit der Aktivität des Judentums verträgt Diese Textbücher sind in ihrer Bedeutung für die vergleichende Religionsgeschichte mit Recht längst anerkannt Q Ledroit, Joseph. E. Roth. Gießen, 1927. Ein annehmbarer Versuch, die biblische GescWchte von Josef den Kindern näher zu bringen.

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