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Die Wahrheit · 1929-03-29 · Heft 13 (29.3.1929) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 m^fMMt^HtoHifflii^ WcdirkeMmvoniTcigQ Albert Einstein. Emil Ludwig schreibt über Albert Einstein zu seinem 50. Geburtstag im „Berliner Tageblatt": „Von jungen Leuten läßt er sich, da er selber so lange verkannt blieb, am liebsten stören: natürlich müssen sie Einfälle haben. Und so konnte man ihn im letzten Sommer, als er krank lag, von drei armen Studenten umgeben finden, die im gebrochenen Deutsch der polnischen Juden mit ihm in Zahlen und Formeln sprachen, die er auf ein Blatt der Bettdecke aufzeichnete. Ueberhaupt gilt seine Toleranz den Unterdrückten. Rathenau erzählte, wie Einstein, ermüdet von endlosen Gesprächen über Entente- und Friedensprobleme, ihm auf die Frage, was ihn denn in der Welt draußen besonders interessierte, mit einem Lächeln erwidert habe: „Die Juden". Die hat er in Palästina besucht. Seine pazifistische Gesinnung, ganz auf Vereinigung der Völker und gar nicht aui die altertümliche „Vormacht" eines einzelnen Volkes gerichtet, befremdete unsere Nationalisten so sehr, daß sie einen eigenen Verein gründeten, um Einstein zu „entlarven". Sternbahnen, die eine Beugung machen, anstatt grade ausgerichtet zu parieren, passen nicht ins Weltbild eines strammen Preußen und daß ein Jude Deutschlands Namen weiter tragen sollte, als ihre Könige und Generale, machte sie wütend. In einer Versammlung in Berlin, wo 1920 Professoren auftraten, um Einstein zu widerlegen, und er selber in einer Loge zuhörte, drangen antisemitische Studenten zu ihm vor und drohten ihm mit den Fäusten. So schändeten freche Jungen den deutschen Namen, während zu gleicher Zeit der Erdball von Einsteins Ruhm widerhallte, und er die alte Glorie des deutschen Geistes gleich nach der Niederlage des deutschen Militarismus so bewies, wie Pasteur die des französischen Geistes im Jahre 1873." Ritualmordzeit In Boskowitz in Mähren kam es infolge einer Ritualmordhetze zu einem Zwischenfall, der leicht zu ernsten Folgen für die jüdische Bevölkerung der Stadt hätte führen können, aber dank dem schnellen Eingreifen der Polizei rechtzeitig beigelegt wurde. Das Dienstmädchen des Boskowitzer Rabbiners war an den Folgen einer Leuchtgasvergiftung gestorben. Antisemitische Hetzer verbreiteten das Gerücht, das christliche Mädchen sei, jetzt vor den Pessach-Tagen, zu rituellen Zwecken getötet worden. Eine erregte Menge belagerte das Haus des Rabbiners und nahm eine drohende Haltung ein. Die rechtzeitig benachrichtigte Polizei zerstreute die Menge. Gegen die Urheber der Demanstration wurde die gerichtliche Verfolgung eingeleitet * Wie alljährlich in der Zeit vor den Pessach-Tagen ist auch in diesem Jahre in Polen die Ritualmordlegende aufgetaucht. Diesmal war W i 1 n a der Schauplatz. Eine christliche Frau, namens Wojtowicz ließ ihr kleines Mädchen in dem Laden des jüdischen Kaufmannes Gerszkorn, in der Dominikanergasse, zurück- Gerszkorn führte das weinende Kind, um es zu beruhigen, vor dem Laden hin und her. In der Umgebung verbreitete sich das Gerücht, daß Juden ein Kind verschleppen wollen, um es zu Ritualzwecken zu Schächten. Eine große Menschenmenge versammelte sich vor dem Laden und schickte sich an, denselben zu stürmen. Dabei wurde ein Jude, Abeäowicz, schwer mißhandelt. Auch der inzwischen zurückgekehrten Mutter des Mädchens gelang es nicht, die Menge zu beruhigen. Erst die herangekommene Polizei, die ein Protokoll aufsetzte, konnte die Menge zum Auseinandergehen bewegen. Trotzkis Vater. Wie aus Stambul telegraphiert wird, empiing Trotzki im Hotel Tokafcldan, wo er jetzt wohnt, sechs Vertreter der deutschen Presse. Die Erwähnung der Selbstbiographie, dk Trotzki schreibt, veranlaßte die Frage, ob die Behauptung eines deutschen reaktionären Organs. Trotzkis Vater lebe als Synagogenküster (Schammes) in dem Harzdorf Seesen, zutreffend sei. Trotzki antwortete, sein Vater sei vor sechs Jahren an Typhus gestorben. Er habe zuletzt die Staatsmühle bei Moskau geleitet Sein Vater sei vorher Gutsbesitzer gewesen, habe dann aber fliehen müssen. . Die „Weißen" hätten ihn als Trotzkis Vater, die „Roten" als Gutsbesitzer verfolgt, Lernet vom Gegner! Franz Auer ist Weinhauer in Döbling. Sein Nachbar ist der Hauer Alois Maly. Zwischen beiden schwebten seit längerer Zeit Streitigkeiten. In einer dieser mußten beide vor dem Bezirksrichter Dr. Gabriel erscheinen. Bei der Verhandlung kam hervor, daß beide Nationalsozialisten sind. Was in vielstündigen Verhandlungen nicht gelang, war durch das gleiche Bekenntnis erreicht worden. Alois Maly bezahlte zur Förderung der Hakenkreuzpresse einen Betrag von S 30.--, worauf beide sich die Hand reichten und erklärten, im Sinne der nationalsozialistischen Idee weiter jeden Streit und Hader zu lassen. Genug von Hitler. Der seltene Fall, daß ein nationalsozialistischer Senator seine Partei verläßt, weil sie in ihrem antisemitischen Impetus über die Strenge schlägt, ist in der Tschechoslowakei eingetreten. Hier hat der Senator der deutschen nationalsozialistischen Arbeiterpartei, Dr. Fahrner, der die Partei mitbegründet hat und ihr Mandat seit dem Jahre 1911 Innehat, seine Partei verlassen und mit diesem Austritt in der politischen Oeffentlichkeit großes Aufsehen erregt. In der Begründung, die er zu seinem Austritt gibt, heißt es. daß es „einigen Personen gelungen sei, die Partei immer mehr in die Hitlerbeweigung und in faszistische Gedankengänge hineinzutreiben und durch all das einen immer schärferen Gegensatz zu den anderen nationalen Gruppen heraufzubeschwören". Die Nationalsozialisten erklären nun natürlich, daß diese Begründung nicht zutreffe. Lob der Leistung. Der Führen der „Krassin"-Hrifsexpedition flüir Nobile, Professor Lazare Samoilowitsch, weilte auf der Rückreise von Italien, wo er von dem Untersuchungsausschuß über die „Italia'-Katastrophe als Zeuge vernommen worden war, mit seinem Fahrtgenossen, dem Flieger Tschuchnowski. dieser Tage in Beriih, Auf besondere Einladung sprach er im Aeroklub von Deutschland über sein Rettungsuntermehmen. Da steht der Mann, dessen Kenntnissen der Arktis und dessen zäher Energie es zu danken ist, daß es gelang, zu denn „Roten Zelt" der seit Wochen Verschollenen vorzudringen und seine Insassen zu bergen. Und wie nun der Professor Samoilowitsch in fließendem Deutsch mit der Sachlichkeit des Gelehrten und der Bescheidenheit des Großen seinen gespannt lauschenden Zuhörern die atemberaubende Geschichte der Leute dem deutschen Dampier „Monte Cervantes", der, mit stürmischem Beifall, der. sich noch steigert, als bei den Lichtbildern der Vortragende selbst auf der Leinwand erscheint. Daran sollte eigentlich gar nichts Seltsames sein. Jedoch es [DasDcsiS m welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wien hergestellt werden. Die Mazzoth 8 a werden aus dem feinsten ungarischen Mehl erzeugt. Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl-Mazzoth" das beste Renommee. 5 1 Zentrale: N. Brodetzki, II., LeopoMsgasse 43, t*. r 46 i * 40*6$ § 2 FILIALEN* | ■ M. Wlldmann, I., BackerstraSe 16 - Jakob Weift, II,, Untere AugarfenstraSe 25 - S. Schneider, S ■ li-t Hleabachgaase 12 u. II., Novarasasso 12 — David Raab, II., Schiffemtssasse 7 - M. Spregal, ■ ■ III., Radetzkystrafte 4 - Sabine Binder, IX., Hahngasse 33 - Max Stütelberg, IX.» RcttniCwen- I I gasse 8 - Ignai Pinkelsfein, XX., Klostar neu burgerstrafie 9 - M. Lu wisch, XX., Hannovcrgeue 80 I I Jakob Wesse» mann, XX., Walle nstelnstrafte 58 I

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