Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 13 (29.3.1929)
- Date
- 1929-03-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DÜB WAHRHEIT iMnÄiniMiiÄ S#tte 7 Der Heinebund. Von Dr. Willy Cohn, Breslau. Die Kenntnis, daß unter dem obigen Namen nun schon seit einer Reihe von Jahren eine jüdische Buchgemeinde existiert, ist noch lange nicht genug in alle dafür in Frage kommenden Kreise gedrungen. Nichts aber kann so sehr den Zusammenhang mit dem Judentum in den Kreisen, die ihm entfremdet sind, fördern, als die Beschäftigung mit solchen jüdischen Büchern, die auch dem modernen jüdischen Leser die Möglichkeit geben, sich in jüdische Werte zu vertiefen. Um unseren Lesern ein Bild davon zu geben, was der Heinebund in den letzten Bänden der Leserwelt gegeben hat, wollen wir einzelne seiner Bände näher schildern: Aime Palliere's „Unbekanntes Heiligtum" ist ein Buch von Aufsehen erregender Bedeutung. Es schildert, wie ein nichtjüdischer Mensch vom Jomkippur-Gottesdienst derartig erschüttert wird, daß er den Weg zu unserem Glauben sucht, und gar mancher Jude, der selbst an diesem Tage unseren Andachtsstätten fern bleibt, müßte nach dem Lesen jener Erzählung beschämt die Augen niederschlagen. In einem anderen Bande stellt Arnold Zweig die Leistung der Juden auf der deutschen Bühne zusammen. Mit Stolz können wir feststellen, daß alle die großen Namen des gegenwärtigen Theaters wie Alex. Granach, Elisabeth Bergner, Emanuel Reicher, Irene Trietsch, Schildkraut, Fritzi Massary, Max Pallenberg, Maria Orska, Paul Graetz, Ernst Deutsch, Fritz Kortner jüdische Namen sind. In einem ähnlich angelegten Bande schildert Karl Schwarz den Anteil der Juden an der Kunst. Man hat uns so oft vorgeworfen, daß wir ein Volk ohne Kunst sind. Aber wenn man nur die Bilder des Bandes betrachtet, wenn man etwa jene Holzsynagoge in Zabludowo betrachtet oder die galiläische Synagogenruine und den langen Weg jüdischer Kunst über das Mittelalter bis zur Gegenwart verfolgt, über Moritz Oppenheim, Lesser Uri bis zu Samuel Friedrich Beer und Erich Mendelssohn, dann weiß man, daß das jüdische Volk auch, auf dem Gebiete der Kunst hervorragende Leistungen aufzuweisen hat. Der . Roman von Opatoschu: „Der letzte Waldjude" zeigt uns einen Typ jüdischer Menschen, wie er heule im Aussterben begriffen ist und bewahrt somit eine Form jüdischen Lebens der Nachwelt auf, von der diese sonst kaum etwas Näheres erfahren wür-4a Der jüngste Band ist der von Marcus Ehrenpreis: „Das Land zwischen Orient und Occident." Der Verfasser hat all die Stätten in Spanien und Portugal aufgesucht, die uns durch das Leben Gabirols, Jehuda Halevis, Moses Maimonides nicht weniger heilig geworden sind als auch durch die Tatsache, daß hier Tausende unserer Glaubensbrüder in den Zeiten der Verfolgung maßlos gelitten haben. Nun aber wächst aus jenen Städten ein neues jüdisches Leben heran. Marannen, die Hunderte von Jahren im Geheimen das Judentum bewahrt haben, kehren heute, nachdem auch auf der Pyrenäenhalbinsel der Geist der Duldung wieder eingekehrt ist, zum Glauben der Väter zurück. Wenn heute Spanien in erheblichem Maße in den Touristenverkehr einbezogen wird, so wird dieses Buch dem jüdischen Reisenden ein Führer sein zu den Stätten seiner eigenen Geschichte. Alle diese Köstlichkeiten kann man als Eigentum in seine Bibliothek erwerben, wenn man dem Heinebund, Berlin W 57, Pallasstraße 10/11, beitritt, und gegen eine vierteljährliche Beitragszahlung von Mk. 3.75 oder eine jährliche von Mk. 14.— das Recht erwirbt, vier solcher Bände zu erhalten. Jeder, der diesem Kulturbund im wahrsten Sinne des Wortes beitritt, nützt nicht nur sich, sondern auch der Gemeinschaft und erhöht auch die Leistungen des Bundes, der bei steigender Mitgliederzahl immer mehr zu bieten in der-Lage ist. Es soll noch erwähnt werden, daß die Zeitschrift des Bundes, die Blätter des Heinebundes, kostenlos den Interessenten zur Verfügung stehen. Lassen wir es also hier nicht an uns fehlen. Und wenn wir, was durchaus zu begrüßen ist, auch anderen Buchgemeinschaften angehören, fördern wir vor allem unser eigenes Schrifttum. Wiener Bank-Verein. Die 59. ordentliche Generalversammlung des Wiener Bank-Verein findet am 16. April 1929, um 11 Uhr vormittags, im Aristaltsgebäude statt. Gegenstände der Tagesordung: Jahresbericht des Administrationsrates, Bericht der Zensoren, Beschlußfassung über die Verwendung des Rdnerträgnisses des Jahres 1928, statutenmäßige Wahlen. Je 5 Aktien ä Nominale S 2ft^- geben das Recht auf eine Stimme. Die Deponierung der . Aktien hat bis spätestens 10. April 1929 zu erfolgen! E IM« b Laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners SIMON SCHREIBER aus Erlau verlttOllch "ICO Erzeugt von HEINRICH FRANCK SÖHNE A. G. Kaffeemittelfabrik, Linz a. d. D. Bei ied f m « I* o I» « ■»? Ueber Hermann Cohen aus Anlaß der Sammlung seiner „Schriften"l\ Von Professor Dr. Robert Arnold Fritzsche. Gießen. „Das höchste Maß der Objektivität, das erreichbar scheint, liegt in dem Grade der Läuterung, den wir durch möglichst unbefangene Aufnahme des Fremden und strenge Durchbildung des Eigenen unserer Subjektivität geben können" (I, 272). Dieser Satz des jungen Cohen (1870) enthält knospenhaft den Mann in seiner Ganzheit. So wäre uns also die reine, die unbedingte Objektivität verriegelt? Ja, aber die in sich befriedigte, Subjektivität nicht minder. Mit dem Objekt kommen wir nimmer zum Abschluß, und ein Ende der Läuterung des Subjekts ist auch nicht absehbar, denn wir wissen nie, ob deren höchstes Maß schon erreicht sei. Wem eignet denn das Subjekt? Dem Einzelnen doch nur, sofern er das Objektive sucht und also Uebereinstimmung anstrebt mit den Anderen, die auf der gleichen Fährte sind. Daran vollzieht, dadurch beaufsichtigt sich die Läuterung. Das Subjekt ist nicht das Ich, es ist vielmehr das Denken, und sofern dieses Denken an einen Menseben gebunden bleibt, scheint es zunächst eingeschränkt. Aber bedeutet denn diese Schranke bloß, bedeutet sie überhaupt eine Verneinung? Das Denken heißt „Erkennen", wenn es des Objektes an einer *) Hermann Cohens Schriften zur Philosophie und Zeitgeschichte. Herausgegeben von Albert Görland und Ernst Cassirer. Mit zwei Bildnissen Cohens nach Zeichnungen von Karl Doerbecker. Berlin: Akademie-Verlag 1928. (Veröffentlichungen der Hermann Cohen-Stiftung bei der Akademie für die Wissenschaft des Judentums) Bd. 1. XVIII, 570 S.: Bd. II. XIII. 503 S. — 28 RM. Leinw. Um die Drucklegung hat sich der nun heimgegangene Sanitätsrat Dr. Gustav Bradt hochverdient gemacht, mit der Darbietung legt der junge Verlag Ehre ein. Nachdem 1924 (bei Schwetschke in Berlin) die „Jüdischen Schriften" in drei Bänden erschienen waren, ist nunmehr Cohens gesamtes Schrifttum unter Dach und Fach.