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Die Wahrheit · 1929-03-29 · Heft 13 (29.3.1929) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT iuuui«iuuiuuiuu«iaHH«tiifl Seite 5 <t? KUNEROL Ist reines Kokosnnßfctt und wird anter streng ritu* «HerAufstdit des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld ruMattersburj; erzeugt. Daher können es alle Streng* gläubigen zur Osteispeisen-Zubereitung venrenden. -C£=Z2Ztt~iK^^::^ Unter den Themen, die das besondere Interesse der Konferenz erweckten, befand sich auch die Frage der j ü d ischen Studenten, die durch den Numerus clausus ins Exil getrieben werden. Aus einem hierüber erstatteten ausgezeichneten Referate des Dr. L. Szabolcsi erfährt man, daß 1400 im Auslande studierende jüdischer Jünglinge aus Ungarn in den letzten Jahren ihre Studien vollendeten und das Diplom erhielten. Die meisten haben auch eine Stellung im Auslande gefunden. Infolge der antisemitischen Universitätsunruhen in Deutschland mußten im Jahre 1922 mehrere hundert jüdische Studenten andere Universitäten aufsuchen. Damals hat Mussolini eine eigene Verordnung in ihrem Interesse erlassen, durch welche ihre Aufnahme an italienischen Universitäten ermöglicht wurde. Der Abgeordnete G6za D 6 s i erklärte, daß er in dieser Versammlung nicht als Politiker, sondern nur als treuer Sohn seines Glaubens, als Jude spreche. Aber er müsse gestehen, daß sein Herz tief bewegt durch die Rede des Staatssekretärs P e t r i wurde, der es anerkannte, daß wir Juden nicht um der Belohnung willen, sondern aus der treuen Ueberzeugung dienen, die unsere Väter uns als Erbe hinterlassen und die wir unseren Söhnen überliefern werden. Die Erklärung des Staatssekretärs ist um so wertvoller, als sie von offizieller Stelle erfloß und als Regierungserklärung gelten kann. Ich als ein im politischen Leben stehender Mann kann nicht mehr sagen, als ich sagen darf, aber ich spreche es aus: Seien wir Optimisten, denn es naht der Frieden, es kommt die Erlösung. Dr. Alexander M e z e y stellt den Antrag zur Errichtung eines Fonds, der zu Erziehungszwecken im nationalen Geiste und zur Unterstützung von interkonfessionellen Wohltätigkeitsinstitutionen dienen soll. Der Antrag fand lebhafte Unterstützung und Baron A. Kohner erklärte, er werde für seine Person die Sammlung von Spenden mit dem Betrag von 10.000 Pengö eröffnen. Kurz vor Schluß der Konferenz gab es noch einen Höhepunkt zu verzeichnen. Dies war die Rede des Ministerialrates Dr. G e r 1 o c z y, aus der eine „im Namen des Kultusministers abgegebene Versicherung" festgehalten werden soll: „Wenn auch die Zukunft da und dort vielleicht dunkel erscheinen mag, so glauben und hoffen wir doch zuversichtlich, daß es dank dem Zusammenwirken aller eifrig tätigen Faktoren gelingen wird, unser geliebtes Vaterland und darin auch die jüdische Konfession einer schöneren Zukunft zuzuführen." Die Konferenz, die mit einem Gebete begonnen, wurde auch mit einem außerordentlich schönen, tief ergreifenden Gebete geschlossen, das Oberrabbiner Dr. Arnold Kisch sprach. Als er darin der jüdischen Heldensöhne gedachte, die den Tod für das Vaterland gestorben, vernahm man plötzlich, daß der Präsident Baron A. Kohner schluchzte. Sein einziger Sohn war auch in den Karpathen gefallen .... Es war ein Moment, der keinen der Anwesenden ungerührt ließ. Man weinte mit ihm. Wer gedachte nicht der 10.000 jüdischen Soldaten, die Ungarn in der offiziellen Liste seiner Toten feststellen mußte, ohne daß damals offiziell der Versuch gemacht wurde, diese Helden vor antisemitischen Schmähungen zu schützen. ff ■! IN KleiderkreditZaMbar $䣣alb otoe* Sämtliche Herren- und Damenklelder 5 Nur Qualitätsware! nach Maß sowie fertig lagernd. 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Man wird hierbei selbstverständlich bis zum Studium der Gemarah in weiterer Folge vordringen können und wird auch Erfolg haben, wenn man von dem Prinzip ausgeht, das gesamte Studium unter dem Gesichtspunkt zu betreiben, zu ergründen, was das Gesetz im einzelnen menschlich und natürlich auch jüdisch bezwecke. Dann ist die Möglichkeit gegeben, die großen leitenden Gesichtspunkte der talmudischen Diskussionen herauszuarbeiten und die einzelnen Leitsätze jüdisch-menschlicher Grundeinstelhing und Betätigung so scharf und klar herauszuschälen, daß der suchende junge Jude von heute aus ihnen selbsttätig auch für seine einzelnen Lebensprobleme allmählich die Stellungnahme logisch abzuleiten lernt, die das legitime Judentum sinngemäß auf Grund seiner allgemeinen und speziellen menschlichen Zielsetzungen einnehmen würde. Und das scheint mir das Wesentliche und eigentlich Lebensvolle der gesamten religiösen Erziehung zu sein. UhtlndJlbcnitmtenßu^Dk Wahrkeit! Ein Religionsunterricht wird erfahrungsgemäß erst dann etwas Nachhaltiges und Bleibendes erreichen und die Schüler über das rein Pflichtgemäße und bald wieder Verfliegende hinaus zum Nachdruck anregen, wenn sich in Erkenntnis der Tatsache, daß der jüdische Religionsunterricht etwas völlig anders Geartetes sein soll, als eine der üblichen Schulstunden, zwischen Lehrer und Schülern ein engeres menschliches Band anspinnt. Erst wenn der Unterrichtende es fertig bringt, daß der wertvollere Teil seiner Schüler sich eine Freude daraus macht, in seiner Wohnung mit ihm über das Unterrichtspensum hinaus jüdische Bücher zu lesen, jüdische Studien zu machen, Freitagabende zu feiern, hat der Lehrer reso. hat die Lehrerin ihre außerordentlich schwere Pflicht, jüdische hinge Menschen aus ganz entfremdetem Milieu zu interessieren, richrg aufgefaßt und erfüllt. Ich wäre deshalb dafür. dr:ß die Jüdische Gemeinde die dszu geeigneten Lehrer durch spezielle Re'hilfen in den Stand setzt, seinen Schülerkreis an Freitagabenden und Festtagabenden in ihren Wohnungen einzuladen, um ihnen UkTsches Leben vor Aucen zu führen Des weiteren sollte ein Vorschlag weiter verfolgt werden, der von dem Pegensburger Distriktsrabbiner Harry Levy herrührt, der als akademischer Religionslehrer in Berlin zum ersten Male mit etwa 15 seiner Schüler aus Gymnasialoberklassen eine ..Ferienreise in das alte jüdische Deutschland" gemacht hat und den Juneen Frankfurt a. M.. Worms, Speyer usw. in eindrucksvoller Weise gezeie' und ihnen so ein ganz anderes historisches Rild verschafft hat, als es allein Rücherstudien vermögen." Auch Wien hat Preßburg. E'senstadt. Kittsee. Mattersburg vor seinen Toren und auf manch empfängliches Gemüt eines jungen Juden oder einer iungen Jüdin würde es nachhaltigen Eindruck machen, die ragenden Denkmäler alten Kehillalebens anzusehen mit Augen, die noch im Feuer der Jugend leuchten und mit Herzen, die durch unsere europäische Kulturzwangsjacke noch nicht blasiert sind.

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