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Die Wahrheit · 1929-03-22 · Heft 12 (22.3.1929) · page 17

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 12 (22.3.1929)
Date
1929-03-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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!iH«^^ Seite 17 S. Griiners 3*2 Restaurant ll.9 Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1-60 VorzQgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend Menü nach Wahl. Erstklassige Getränke. Der Bethausverein „Talmud-Thora" veranstaltete Samstag, den 16. d. M. im Restaurant Wienea eine Begrüßungsfeier für Herrn Rabbiner Schenk anläßlich seiner Rückkehr aus Palästina, welche Veranstaltung wegen ihrer besonderen Herzlichkeit dem Vereine nur zur großen Ehre gereicht. Nach Begrüßungsworten des Obmannes Hirsch nahm Rabbiner Schenk das .Wort, um seine Eindrücke im Heiligen Lande zu schildern. Der Anlaß der Reise war die für ihn so ehrende Berufung zur Besichtigung der unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Sonnenfeld stehenden palästinensischen Mazzothfabrik der „Grand Molino Palestine" über Veranlassung des österreichischen Generalrepräsentanten Nathan Brodetzki (über seine Wahrnehmungen bei dieser Besichtigung berichten wir an anderer Stelle). Rabbiner Schenk nahm vor allem die Gelegenheit wahr, den greisen Führer der Orthodoxie, Rabbi Sonnenfeld, der erst vor kurzem anläßlich seines 80. Geburtstages wider seinen Willen Gegenstand überaus herzlicher Ehrungen war, in Jerusalem aufzusuchen, und spricht begeistert über die eindrucksvolle Persönlichkeit dieses Mannes, der die Interessen der Orthodoxie trotz seines hohen Alters so mannhaft zu verteidigen versteht. Die Schilderung der Verhältnisse im Heiligen Lande wirkte auf die Zuhörer so überzeugend, daß sie alle den Eindruck hatten, daß hier ein Berufener spricht, der das Land mit jüdischem Herzen und jüdischen Augen gesehen hat. Besondere Rührung löste der Redner mit der Schilderung seiner Besuche beim Rahel-Grab und den Gräbern unserer großen Vorfahren in Jerusalem, Hebron und anderen Städten aus. Rabbiner Schenk kritisierte in scharfer Weise die Irreligiosität gewisser Kreise, deren unjüdisches Verhalten an diesen heiligen Stätten geradezu aufreizend wirken. Der interessante Vortrag wurde von den Anwesenden mit großem Beifall aufgenommen und dankte zunächst Rabbiner Weiß (Storchenschul) dem Referenten namens der anwesenden orthodoxen Rabbiner für seine überaus lehrreichen Ausführungen. Für die Adas Jisroel sprach Wolf Pappenheim, der zugleich in Vertretung der Kultusgemeinde erschienen war. Dr. Pinchas K o h n, der namens der Agudas Jisroel das Wort ergriff, führte in seiner geistreichen Rede aus, daß es überaus notwendig sei, zunächst die Jugend im Geiste der Väter zu erziehen, bevor man ihr Gelegenheit gebe, an den heiligsten Stätten des Judentums tätig zu sein. Die Erlebnisse des Redners sind unsere Erlebnisse, aus denen wir lernen können und müssen. Ein von Herrn Schreiber arrangiertes Festbankett vereinigte die zahlreichen Teilnehmer bis in die späte Nachtstunde und hatte man Gelegenheit, manche gute und geistreiche Rede im Sinne der Tradition zu hören. Das Merores-Waisenhaus für israelitische Mädchen (XIX., Bauernfeldgasse 40) veranstaltete Sonntag, den 17. d. M. in seinem schönen Heim einen überaus gelungenen musikalischen Nachmittag, der sich eines sehr guten Besuches erfreute. Man bemerkte u. a. den Präsidenten der Kultusgemeinde Prof. Dr. A. P i c k mit Gemahlin, den Vizepräsidenten Dr. J. 0 r n s t e i n, die Kultusvorsteher Emil Engel und Börserat I. Glück, die Amtsdirektoren Regierungsräte Doktor E. Adler und Guido Fuchsgelb, Medizinalrat Dr. H. Haase, Sekretär Oskar H i r schf e 1 d u. v. a. Das reichhaltige, mit vielem Geschmack zusammengestellte Programm bot dem begeisterten Publikum viel Genuß, so die Violinvorträge von Kurt Fuchsgelb, die Gesangsvorträge der Frau Staatsopernsängerin Anne Michalsky und der Opernsängerin Sophie Munteauu, die Klaviervorträge von Robert Goldsand und die Vorlesungen aus der Bibel von Oskar B e r e g i. Die herzigen Zöglinge sangen und tanzten, mit einem Wort, ein wirklich schöner Nachmittag, dessen sich alle Besucher herzlich freuten. Das Arrangement der vorzüglichen Veranstaltung lag in den bewährten Händen der rührigen Vizepräsidentin des Damenkomitees des Waisenhauses, Frau Ottilie Politzer, die auch die Begrüßung der Gäste vornahm und die Conference innehatte und sich durch ihre hingebungsvolle Tätigkeit große Verdienste um die schöne Sache erworben hat. Es steht zu erwarten, daß die Akademie auch einen hübschen Reingewinn für den edlen Zweck brachte. Die 25. Generalversammlung des Hietzlnger Tempelvereines wurde abgehalten am Sonntag, den 17. März 1929, 10 Uhr vormittags, unter dem Vorsitz des Präsidenten Hermann K u n e r. Die Feier des 25. Bestandstages dieses großen und angesehenen Tempelvereines wird zugleich mit der Schlußsteinlegung des neuen Tempels, die wahrscheinlich Ende Juli 1929 stattfinden wird, vor sich gehen, denn dieser Bau bildet seit 25 Jahren das Ziel und das Streben des Vereines. Nun ist das Werk dank der Opferwilligkeit und der Tatkraft der Vorstände der Erfüllung nahe. Es bedarf freilich noch der Anstrengung weitester Kreise, um zum Ziele zu gelangen. Natürlich war das Hauptthema der jetzigen Generalversammlung der Bau des Tempels. Mit Beifall wurde der Rechenschaftsbericht über das Jahr 1928, den Herr Rechtsanwalt Dr. Josef Feingold, der Schriftführer, mit schwungvollen und für die Vereinstätigkeit entflammten Worten vortrug, und ebenso der Kassabericht des Herrn Kommcrzialrates Bruno Weiß der den verhinderten verdienstvollen Kassier, Herrn Karl Kohn, vertrat, entgegengenommen. Nachdem noch der Jahresbeitrag auf mindestens S 10.— festgesetzt worden war, wurde die Neuwahl des Vorstandes mit Akklamation durchgeführt. Sie ergab folgende Namen: Kultusvorsteher Bernhard Altmann, Maurus Bäny a i. Julius Beer, Richard Epstein, Dr. Josef Feingold, Salomon Friedmann, Hofrat Dr. Wilhelm H e r z k a, Josef 111 n e r, Karl Kohn, Artur Kohn, Abraham Kran n e r, Hermann Kuner, Generaldirektor Siegfried K u b i e, Direktor Wilhelm Müller, David P ä c h t, Eduard Schipper, Direktor Alois S t a s s n y, Salo Viertel. Kommerzialrat Bruno Weiß und Philipp Weil. Ersatzmänner wurden die Herren Hermann D 6 n e s, Max W e i t z n e r, Egon F i e h 1, Armin Fleischmann, Wilhelm Fisch, Dr. Mautner, Siegfried S o f f e r. Revisoren wurden: Isidor Altkorn, Hermann Grün und Adolf Philipp. Dann wünschte der Gründer und jetzige Ehrenpräsident des Vereines, Regierungsrat Dr. S. Krenberge r, dem Vorstand unter vielem Dank für seine bisherige Tätigkeit Glück und weiteren Segen. In glänzender Rede feierte der Vizepräsident des Vereines und Obmann des Baukomitees, Herr Generaldirektor Siegfried K u b i e, die Errichtung des Tempels, insbesondere mit Rücksicht auf die Bildung und Erziehung der Jugend und aui die Erhaltung unseres segensreichen und die Welt beglückenden Glaubens. Herr Dr. Feingold pries die Tätigkeit der Herren Kuner. Generaldirektor K u b i e und Kassier Karl Kohn. Herr Viertel sprach für die Einigkeit im Verein und rühmte den Arbeitseiter aller Vorstände, Herr Hof rat Dr. H e r z k a dankt unter allseitigem Beifall dem Damenkomitee des Vereines, das so viel Geld sammelt, und begrüßte die zum erstenmal gewählten Vorstände, von denen Herr Kranner versprach, seine ganze Arbeit dem Vereine zu widmen, und die geistvollen und mit wertvollen Worten der Bibel geschmückten Worte des ehrwürdigen Rabbiners Professor Moritz L e w i n bildeten den Abschluß der würdigst verlaufenen 25. Generalversammlung des Hictzinger Tempelvereines, die wieder zeigte, daß in Hietzing gute, begeisterte und opferbereite Juden wohnen. Dr. S. Kr. Infolge Raummangels entfiel in dieser Nummer die Fortsetzung des Feuilletons „Napolien Bombe" von Josef Kaplan. Fulda, die in der nächsten Nummer erscheinen wird.

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