Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 12 (22.3.1929)
- Date
- 1929-03-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT niiiMuinnniiiuiinM^ Seite 15 sie immer bereit, ihre Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. Zwei besondere Vorkommnisse sollen hier besonders angeführt werden. Als Anfang der Achtzigerjahre die ersten Nachrichten von Pogromen in Rumänien nach Wien gelangten und die Schrecknisse und Greuel geschildert, wurden, die dort an Juden erfolgten, da errichteten einige jüdische Damen Wiens, unter den Vorsitz der Frau Baronin Sophie Todesko ein Komitee, an welchem auch die Verblichene tätigen Anteil nahm und sammelte außer Geld in großen Mengen Kleider und Wäsche, welche sodann durch die Israelitische Allianz in Rumänien zur Verteilung gelangten. Ein zweiter Fall führt in das Jahr 1914. Als nach Kriegsbeginn die vielen Flüchtlinge aus dem Osten nach Wien kamen, haben Frau Baronin Königswarter, gemeinsam mit dem Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, den Schreiber dieser Zeilen mit der Einleitung einer Sammlung betraut, welche so viel Geld einbrachte, daß zu Chanukah etwa 1000 Flüchtlingskinder vollständig bekleidet werden konnte. Die damals erstandene weibliche Fürsorge sorgte auch für die Kinder. Diese adelige Dame war von einer tiefen Religiosität und hielt unentwegt am Judentum und dessen religiösen Gebräuchen fest. Diesen Wohltätigkeitssinn, den "sie von ihren Eltern und Schwiegereltern und weiter zurück von ihren Ahnen übernommen, hat sie immer weiter mit ihrem guten Herzen ausgebaut. Ihr schönster Lohn ist der gute Name, den sie sich durch ihr Schaffen und Wirken im Leben für dauernde Zeiten erworben hat; das Andenken an solch edle Frauen ist und bleibt ein Segen. * Am 13. d. M. hat diese edle Verklärte ihr Leben beschlossen. Sie wußte, daß an demselben Tag. einige Stunden früher, ihre einzige Tochter, Frau Josephine Paul-Schiff, die Gattin des in der Wiener Judenschaft einst führenden Herrn Maximilian Paul-Schiff, nach langem, schweren Leiden verschieden war. An ihrem Begräbnisse nahmen nebst den Angehörigen und den Abordnungen der vielen Vereine auch eine große Anzahl Armer teil, denen sie die geliebte Wohltäterin war. Nach dem Vortrage des Hazur Tomim, welches Herr Oberkantor Gerson Margulies in ergreifender Weise rezitierte, trat Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t an den Sarg und hielt folgenden Nachruf: Im Laufe von drei Tagen befinde ich mich mit dieser trauernden Familie zum zweitenmal an dieser den Toten geweihten Stätte. Wenige Stunden, nachdem die Tochter ihre Seele ausgehaucht, hat die Mutter ihre Augen für immer geschlossen. Diese beiden Seelen waren wohl so gleich gestimmt, und so innig miteinander verknüpft, daß sie nun auch gemeinsam in das Reich der Ewigkeit einziehen. Am Sarge der Frau Charlotte Königswarter bedarf es wohl keiner weit ausgreifenden Rede, denn der Name, ihr Leben, ihr Wesen, ihr Wirken ist unserer Gemeinde, ja unserer ganzen, großen Stadt wohl bekannt. Frau Charlotte Königswarter war eine wahrhaft adelige Frau. Das Judentum hatte seit jeher einen Adel. Dieser jedoch war nicht von einem Titel abhängig, durch das Wesen und die Lebensführung des Trägers kam er zum Ausdruck. Einer solchen adeligen Familie entstammte diese Verklärte. Ich denke an ihren Urahn, der vor Jahrhunderten in unserer Stadt gelebt hat, Samson Wertheimer, den kaiserlichen Oberhoffaktor, den Vertrauensmann der Regierung, den Fürsprecher seiner Glaubensgenossen, den großen Finanzmann und Rabbiner für Wien, Böhmen und Ungarn. Ein in der weiten Welt durch seine Gelehrsamkeit und Wohltätigkeit berühmter und hochverehrter Mann. Wie dieser Frau die Ahnen eine Zierde gewesen, so hat sie ihren Ahnen zur Ehre gereicht. Die tiefe Frömmigkeit, die reinen Gefühle, die hohen Ideale, die im Ablauf der Zeiten in diesen Geschlechtern lebten, waren auch in ihr lebendig. Die frommen, schönen Traditionen wärmstens pflegend, hatte sie auch die Begeisterung für alles Große und Erhabene und die regste Anteilnahme an den Bewegungen der Zeit bis zum letzten Augenblicke ihres Lebens sich bewahrt, ebenso ihren beweglichen Geist und ihr bestrickendes, alle Herzen gewinnendes Wesen. Sie hat dem Hause Königswarter Glanz verliehen» es zum Mittelpunkt edler Geselligkeit gemacht, sie war ihrem Manne, der schon lange in Frieden ruht, eine verständnisvolle Gattin, ihren Kindern eine gütige Mutter, ein herrliches Vorbild. Hierauf sprach der Präsident der Kultusgemeinde Herr Professor Dr. Alois Pick Worte des Gedenkens und des Dankes an die Verblichene für ihr soziales Wirken im Namen der Gemeinde und der zahlreichen Wohlfahrtsinstitutionen, in denen sie gewirkt. Sodann wurde der Sarg zu Grabe getragen. Der einzige Sohn. Heinrich Königswarter, verrichtete das Kadischgebet. Amtsleiter Rudolf Kraus, t M 6 .• 1' IM \fi Wni-. m, Uk ERÖFFNUNGSANZEIGE Z ' Ich gebe dem p. t Publikum bekannt, daß ich in 1*1 ARIEN BAD das altbewährte Restaurant „Goldener SdUQSSei" (vormals Gotth. Leitner) gepachtet und unter meiner persönlichen Leitung mit streng orthodoxer HP3 Küche im Pffll eröffne a •' *l Vi i-n Im f? v M r4*-* ix m Das Orand-Restaurant „rorSteBlIOl", streng orthodoxe ~m Küche, in m FRANZENS II AD steht ebenfalls unter meiner Leitung SIMON RAAB Schwiegersohn des bestbekaonten Reatauratears Josef Nagel, Wien ti\ Ii i t