Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1929-03-22 · Heft 12 (22.3.1929) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 12 (22.3.1929)
Date
1929-03-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064197-3064209--17035-3087122
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 14 fHnmiiiiiiüimmimHüiiHimflHiiünimnrtiin .....i.....iiuuuuiimiiiiiiiiiiiiiiiiiHiitiiiiii DIE WAHRHEIT I Hof rat Aladär Kaszab | An das Bibelwort „Die Wege der Vorsehung sind unerforschlich", wird man erinnert, wenn man die traurige Tatsache ins Auge faßt, daß die große Pester israelitische Religionsgemeinde innerhalb kurzer Zeit zwei Führer von ganz besonderem Format verloren hat Erst vor kaum anderthalb Jahren hatte sie den schmerzlichen Verlust ihres hervorragenden Präsidenten Dr. Alexander Lederer zu beklagen und nun steht sie an der Bahre des Mannes, der ihm in diesem craenvollen Amte gerade vor einem Jahre nachfolgte und ein ebenso würdiger als zielbewußter Fortsetzer des Werkes, das Dr. Alexander L e d e r e r geschaffen, gewesen ist. Hofrat Aladär Kaszab, der am 15. d. M. im 61. Jahre seines segensreichen Lebens verschieden ist, war ein Menschenfreund im wahrsten Sinne des Wortes, sein Herz schlug in Liebe für alles was edel und schön war. Wir glauben das Andenken dieses großen Mannes nicht besser würdigen zu können, als indem wir hier die pietätvolle Ansprache wiedergeben, die der Vizepräsident der Pester israelitischen Religionsgemeinde, Herrenhausmitglied Doktor Samuel Glückstahl, in der imposanten Trauerversammlung der Gemeinde zum Gedächtnis des dahingegangenen überaus verdienstvollen Präsidenten hielt und die von der zahlreich besuchten Versammlung in tiefer Ergriffenheit stehend angehört wurde. „Ich verkünde allen, die es angeht: Aladär Kaszab ist tot. Ich melde euch, die es zu allernächst betrifft, daß der müde Körper unseres Führers die letzte Ruhe gefunden hat. Ich rufe euch Menschen zu, daß der verdienstvollste Mensch nicht mehr unter uns weilt, euch Herzen aber, daß das edelste Herz zu schlagen aufgehört hat. Worin bestand die Kraft, die Aladär Kaszab über uns alle erhob? Jede seiner Taten, jeder seiner Gedanken, jeder seiner Herzschläge galt der Humanität. Es gibt auch andere, die Wohltätigkeit walten lassen; es gibt auch andere, die der Menschenliebe opfern; er war aber einer unter den Wenigen, die ihre gesamte Persönlichkeit, jede Minute ihres Lebens, jede Faser-ihrer Energie diesem edelsten und schönsten Ideenkreise widmen. Auch heute noch höre ich den führenden Satz seines vor einem Jahre verkündeten Präsidentenprogramms widerballen: „Die Thora kennt das Wort Bettler nicht!" Der Psalmsänger ruft den Verlassenen und den Verzagenden zu, daß Gott den Notdürftigen aus dem Staube hebt. Aladär Kaszab opferte seine gebrechtliche Kraft und sein krankes Herz den Aermsten und Verlassensten, den ungarischen Juden. Die Arbeit war aber allzu gewaltig. Ein einziges Herz erwies sich als zu schwach und unterlag dem Kampfe. Also auf mit den Herzen, mit allen Herzen, die zu schlagen fähig sind, zur Fortsetzung der angebahnten Arbeit. Es gibt Versuche, es gibt auch Wissenschaften, die die Verlängerung des Lebens bezwecken. Eitle Träumerei! Es gibt nur einen einzigen Weg zur Verlängerung, ja Verewigung des Lebens: das Schaffen, das dem Wohle der Menschheit geweiht ist. Die Schöpfungen überleben ihren Meister und viele Generationen und wirken bis ins Unendliche. In unserer schweren, kampfreichen Arbeit, wird uns auch in seiner Unsichtbarkeit Aladär Kaszab immerwährend zur Seite stehen. Wollen wir ein neues Krankenhaus erbauen und steht die Mittellosigkeit der Verwirklichung im Wege, so wird sich die ewige Kraft des Aladär Kaszab erheben, um immer neue Krankenasyle zu schaffen und den Kranken den Balsam der Heilung zuzuführen. Wenn die Schulkinder vor Hunger zittern und vor Kälte frieren, so wird es dieselbe unsichtbare Hand sein, die ihnen Brot und Kleidung reicht. Wenn der wißbegierige Jüngling im Auslande vor Entbehrungen seine Kräfte schwinden fühlt, so verleiht ihm dieselbe unversiegbare Quelle die wiederaufrichtende Kraft: Er wird zum Mäzen AOUDA8 JISBOEL JÜGE NDGRtJPP E IX., Obere Donaustraße 69 EINLADUNG zu der am Montag, den 26. März 1929, punkt 7,9 Uhr abends, im Festsaale des „Hotel Post", I., Fleischmarkt 24, . _ (Eingang' I., Drachengasse 3) stattfindenden PURlM-irCRANSrAEfUNQ Karten (Damen und Herren) sind, allabendlich im. Lokale der Jugendgruppe, IL, Floßgasse 1, Telephon R 45.-7-47, zu haben. Besilldie Karten an der AbendKassa! der an materiellen Kräften so armen ungarischen Wissenschaft und Literatur werden. Und wenn zwischen Menschen und Menschen widernatürliche Scheidemauern erhoben werden, so v/ird seine unsichtbare starke Hand es sein, die diese Scheidemauern, sowie sie durch blinde Kräfte erbaut wurden. Stein für Stein wieder abträgt. Meine Brüder! Morgen geben wir der Erde zurück, was an Aladär Kaszab sterblich war, und morgen erheben wir auf eine für die Ewigkeit bestimmte Säule das, was an Kaszab unsterblich ist. Und wenn wir in diesem heiligen Saale, der das Andenken an unsere Großen wahrt, die Gemäldegalerie mit dem Bilde der gütigen Gesichtszüge unseres Aladär Kaszab ergänzen werden, so wird dieses Bildnis nicht nur die Traditionen der Vergangenheit symbolisieren,- sondern schier aus dem Rahmen treten und an unserer täglichen schaffenden Arbeit seinen Anteil nehmen. Darin besteht seine Unsterblichkeit." * * * Das Leichenbegängnis fand vom großen Tempel in der Tabakgasse aus, am 17. d. M., unter einer Beteiligung statt, wie sie nur ganz großen Männern zuteil wird, die sich solche Ehrungen durch ihr edles Wirken und gutes Tun wahrhaft verdient haben. :«: Wie wir erfahren, hat Hofrat Aladär Kaszab einen beträchtlichen Teil seines großen Vermögens für wohltätige und kulturelle Zwecke vermacht. Unter anderem hat er testamentarisch die Errichtung einer Stiftung von 300.000 Pengö verfügt, deren Jahreszinsen durch die ungarische Akademie der Wissenschaften Gelehrte^ Schriftstellern oder Dichtern, ferner in jedem dritten Jahre Personen zugesprochen werden sollen, die sich um die Zustandebringung der Einigkeit der ungarischen Gesellschaft und die Beseitigung der konfessionellen Scheidemauern das größte Verdienst erworben haben. Er hat ferner für ungarische Studenten, die wegen des in Budapest bestehenden Numerus clausus ihrem Studium im Auslande obliegen müssen, 20 Prozent des Einkommens seiner Grundstücke und Zinshäuser vermacht. Dieser Betrag geht, an die Budapester Universität zur Errichtung von Stipendien über, sobald der Numerus clausus in Ungarn abgeschafft wird. Dieses Testament bildet einen stummen Protest des Toten gegen die Schmach des Numerus clausus. l*at^g***tMqW??Tf iT^' - *■ ^IMK teste I Charlotte Königswarter I Ein treues Mutterherz hat zu schlagen aufgehört. Wer die Verblichene, die ein Alter von über 88 Jahren erreicht hat, gekannt, der wird es erfassen, wie heute nach ihrem Scheiden in so vielen Wohlfahrtsinstitutionen unserer Gemeinde aufrichtige Trauer eingezogen ist. " Dem Wöchnerinnenverband, der vor 30 Jahren über Anregung des Übermedizinalrates Dr. Krüger gegründet wurde und dessen Sitzungen bei der Verblichenen stattfanden, half sie. Seit nahezu 60 Jahren wirkte sie als Vorstandsdame in der Kinderbewahranstalt. Als Ehrenpräsidentin des Schutzdamenkomitees des Mädchenwaisenhauses in der Ruthgasse, an dessen Errichtung durch die Brüder Wilhelm und David Guttmann sie großen Anteil hatte, kümmerte sie sich um alle Vorkommnisse der Kinder auch noch lange nach deren Entlassung aus dem Waisenhaus. Sie war auch seit 55 Jahren mit ganzer Hingebung die führende Präsidentin des Frauenvereines im 1. Bezirk, der ihr besonders ans Herz gewachsen war. Als sich späterhin die Vereine zusammenschlössen, war es wieder diese gütige und edle Dame, die nach Möglichkeit mitarbeitete, so im großen Verband der Frauenvereine, die in der v/eiblichen Fürsorge vereinigt sind, und im Altersfürsorgeverband. Auch die Institutionen, welche von ihrem Schwiegervater, bzw. von ihrem Gatten errichtet wurden, das jüdische Blindeninsiitut auf der Hohen Warte und das Heim für jüdischen Lehrlinge in der Grünentorgasse wurden von ihr gefördert. Segensreich war auch ihr Wirken als Vizepräsidentin der Gesellschaft vom Roten Kreuz und als Kuratorin des Rudolfinerhauses. Unzählig sind die Subventionen, welche sie Studierenden aller Künste zuteil werden ließ, und es dürfte in den abgelaufenen 50 Jahren keine Aktion in Wien zum Wohle der Armen veranstaltet worden 'sein, wo nicht der Name K ö-ui g-s-wa*r*t e r än* erster Stelle stand. Bei" den verschiedensten Konzerten, Bällen u. dgl., für die eine oder andere Institution, wie Rettungsgesellschaft, Poliklinik u. dgl., war

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.