Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 12 (22.3.1929)
- Date
- 1929-03-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Dr. Bauer erklärte wohl, daß ihn Dr. Spitzer in seiner Ehre nicht beleidigen könne und er das Parteischiedsgericht nur deshalb angerufen habe, weil die Beschimpfungen in einer größeren Versammlung gefallen seien. Wäre dies in einer Ausschußsitzung geschehen, so hätte er sich nicht weiter aufgehalten, denn da war ein derartiger vornehmer Umgangston von Seite der P o a 1 e - Z i o n i s t e n n i c h t so selten. Doktor Spitzer aber versuchte einen Wahrheitsbeweis, der sich hauptsächlich darauf stützte, daß Berichte verschiedener Ortsgruppen in der damals von Dr. Ernst Bauer verantwortlich redigierten „Jüdischen Volkszeitung" nicht den Tatsachen entsprachen. Dr. Bauer führte dagegen wohl mehrere Zeugen, die die Unstichhältigkeit dieser Vorwürfe beweisen sollten, das Parteischiedsgericht sah aber den Wahrheitsbeweis als erbracht an und — nun kommt das Interessanteste — verurteilte den Kläger zu Funktionsverlust auf zwei Jahre. Sein Rekurs an den Parteivorstand hatte den Erfolg, daß dieses merkwürdige Urteil zum Teil aufgehoben wurde, insbesondere bezüglich des famosen Funktionsverlustes. Dr. Spitzer glaubte aber, auf Grund der Entscheidung des Parteischiedsgerichtes, also einer seiner Meinung nach allerhöchsten Instanz das lebenslängliche Recht erhalten zu haben, Herrn Dr. Bauer angreifen zu dürfen. Er tat dies insbesondere in einer Wählerversammlung in der Brigittenau am 19. November 1928, wo er an der Spitze von Versammlungsstörern poalezionistischer Couleur in den Versammlungssaal eindrang und den Referenten der „nichtzionistischen Werktätigen", eben Dr. Bauer, maßlos beschimpfte. Er ging so weit, Herrn Dr. Bauer wieder Lügner und Fälscher zu nennen und ihn sogar als „größten Schurken im ganzen Land4' zu qualifizieren. (Man sieht, der „vornehme Umgangston" ist nicht nur in Ausschußsitzungen, sondern auch in den Wählerversammlungen der „Werktätigen Juden" erster und zweiter Güte gebräuchlich.) Das war nun Herrn Dr. Bauer zu bunt und er klagte diesmal Dr. Spitzer auf Ehrenbeleidigung vor dem ordentlichen Gericht. In dieser charakteristischen Ehrenbeleidigungsklage fanden, wie eingangs erwähnt, bereits zwei ergebnislose Verhandlungen vor dem Bezirksgericht Leopoldstadt statt. Der von Dr. Saul Sokal verteidigte Angeklagte führt ganz denselben Wahrheitsbeweis wie vor dem Parteigericht, es wird also mit Hinblick darauf interessant sein, wie das ordentliche Gericht urteilen wird. Die Schlußverhandlung, für die der durch Dr. S. R. Landau vertretene Privatkläger Gegenbeweise eingebracht hat, wird auch für die Beurteilung der sozialdemokratischen Parteigerichte von Wichtigkeit sein, denn man wird sich da ein Bild über deren Judikatur machen können. Vorderhand kann schon gesagt werden, daß das, was man bisher vor dem Bezirksgericht darüber gehört hat, mehr als sonderbar ist. DER HEINE-BUND EINE JÜDISCHE BUCH GEMEINDE Die dritte Jahresreihe (1929) enthält: NICOLO PECCAVI oder die Dreyfus-Affäre in Curpentras. Von Armand Lunel. Aus dem Französischen. Dichterische Verwertung politischen Themas; wie weltgeschichtliche Vorgänge im Parteikampf eines Provinznestes aussehen. — Erscheint Ende März. J. OPATOSCHU: 1863. Roman aus dem Jiddischen. Fortsetzung des „Letzten Waldjuden", des Romans vor dem Sturm. Hier der „Sturm": die Zeit des Polenaufstands, an dem viele Juden teilnehmen und den die Russen blutig niederschlagen. — Erscheint im Juni. MOSES MENDELSSOHN. Der Mensch und sein Werk Aus seinen Schriften, Briefen, Gesprächen. Herausgegeben von Bertha Badt-Strauss. Umgang mit Juden und Nichtjuden, Freundschaften, Religiosität, öffentliche Betätigung, abgeklärtes Menschentum, gütige Weisheit — kurz Mendelssohns Persönlichkeit. — Erscheint zum Mendelssohn-Jubiläum im | August. I JULIUS KALISKI x JUDEN IN DER DEUTSCHEN j POLITIK. Fortsetzung der Serie: Juden in der deutschen \ Literatur, Juden auf der Deutschen Bühne, Die Juden in j der Kunst. Von den großen jüdischen Figuren des ■ Liberalismus und Sozialismus ausgehend, behandelt aus- Jährlich die letzten 20 Jahre — von Riesser bis Rathenaul \ Erscheint im November. \ m Spezialprospekt auf Wunsch — Beste Ausstattung — j Jahresbeitrag: 25Schilling. Postscheckkonto: Wien D 114.792 ■ (Dr. Aron Eliasberg) l DER HEINE-BUND/BERLIN W57/ pallassi r. ic h j I I »BMEl ■flBBBBBsUMBBBBBBBsUBMBBBBBBBBBBBBBBBr: i Das Beste vom Guten sind die im Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassig - altrenommierten SdunldlManolh 9 welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wien hergestellf werden. Die Maz2olh 5 werden aus dem feinsten ungarischen Mehl erzeugt. Seit vielen Jahren genießen die „Schmidl-Mazzoth" das beste Renommee. " Zentrale: N. Brodetzkö, 11., leopoltisgasse 43, ™. r 4«mo, a 4o* o* FILIALENi M. WIMmann, I., BätkerstraBe 16 - Jakob WelB, II., Untere Augarf ersireBe 25 - S. Sihntldcr, ll.f Mlesbacbgesse 12 u. II., Novarasasse 12 — David Raab, II., Schilfa mtssasse 7 — M. Iplcftl, m IH., Radetskystraße 4 — Sabine Binder, IX., Hahnseste 33 — Nax Stlbetbarc, IX.» Rctcmtiwf n> I gasse 8 — ignaz Flnkelstein, XX., KlösterneuburgcrstraBe 9 — M. Luwfscn, XX., Hanno vergär $e 90 ■ Jakob Wasser mann, XX«, UfallenstelitslraBe SB I IMBBBBBBBBBBMBBBBBBBBBBBBBCTattl