Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 12 (22.3.1929)
- Date
- 1929-03-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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ill|j|j|||||lllilllIlltllMllllUlUUIUIIl!IM Seite 11 darauf hinweisen könnte, daß sie aus dem — Irrenhaus kommen. Und sie gehören auch nicht dahin. & Vor einem Schöffensenat unter dem Vorsitz des Oberlandesgerichtsrates Dr. Birke hatten sich vor einigen Tagen fünf „akademisch gebildete" junge Herren wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit zu verantworten. Die Sache hatte damit begonnen, daß sie als Hakenkreuzler in vorgerückter Morgenstunde im Gasthause Gäste mit provozierender Nase als „Saujuden" titulierten. Dieser harmlose Spaß endete jedoch mit einer ernsteren Auseinandersetzung, bei der zwei Wachmänner, die mit ihrer Klage vor dem Richter erschienen, übel zugerichtet wurden. Einer der Angeklagten wurde freigesprochen, drei bedingt zu Arrest verurteilt. Nur dem Studenten Geist, der sich offenbar als radikaler Vertreter hakenkreuzlerischen Geistes bewährt hatte, wurde unbedingt ein Monat Arrest zuerkannt. Das Verdikt mag ja im großen und ganzen als milde erscheinen. Es dürfte aber doch unbedingt hakenkreuzlerische Studenten darüber belehren, daß es einen wesentlichen Unterschied bildet, welche Lokale man zum Schauplatze hakeiikreuzlerischer Exzesse wählt. Die Immunität, deren sie sich so oft in den der Wissenschaft geweihten heiligen Hallen der Universität erfreuen, kann nicht in jedem beliebigen Wirtshauslokal seine Geltung behalten. Unter dem Titel „Besser der frühere Scheiterhaufen als der jetzige Weltbrand" veröffentlichte in einem klerikalen Blatte ein Basler Professor einen das Mittelalter verherrlichenden Artikel. Darin werden den „freigeistigen und zweideutigen Universitätsprofessoren, Künstlern, Schriftstellern" usw. die Leviten gelesen und der erschrockene Leser, durch den blutrünstigen Titel irregeführt, zittert bei dem Gedanken, daß der mittelalterliche Schwärmer schließlich den Wunsch äußern werde, daß für diese ihm unsympathischen Zeitgenossen demnächst der Scheiterhaufen angezündet werde. Aufatmend, entzückt erfährt man aber alsbald, daß die Angst unbegründet war. Der Fanatiker entpuppt sich in gewissem Sinne als gütiger, hilfsbereiter Menschenfreund. Er wünscht bloß, daß die Genannten in den Staatsgefängnissen — wohlgemerkt auch bei guter Verpflegung — interniert werden! Viele hungernde Künstler und Schriftsteller werden durch diesen Vorschlag erkennen, wie weit wir es doch schon Anfang April 1929 erscheint in meinem Verlage: EllSCHbE JRKOB Gleichnisse und Erzählungen. Zeitgemäße Betrachtungen zu allen Feiertagen von Dr. felis Konter, Rabbiner in Zwittau (Mähren) Preis Kc. 28 - Rm. 3.50 Buchhändlern üblicher Rabatt Der Name des aus seinen früheren Werken bestbekannten und beliebten Homiletikers bürgt für die Gediegenheit und Vortrefflichke t dieses neuen Bandes. Bei der starken Nachfrage ist sofortige Bestellung geboten, damit die Besteller das Buch noch vor dem ': " Passatitest erhalten. -Einzelbestellungen und anfällige Vorauszahlungen einschl. Porto ~ :sind.zu lichten an: - - Vertag Dp. R. Färber, Hiltr.-Ostrau (rsMosiowakH) Union deutschösterreichischer Juden Wien IX., Berggasse 4 Tel A 19-2-77 HUT»——-— Der f. sprediabend der „Holen" findet ISamstag, den %%. Marz 1929, 8 unr abends, im Souterrainlohale des Arhaden-Caie,!., Unlversitats- Straße 3, statt, wozu hiemit die höfliche Einladung an alle Freunde der „Union", sowie an die Mitglieder, insbesondere auch an die Damen ihres Familien- und Bekanntenkreises ergeht. Tagesordnung: Dr. Karl Stelner: Das Strafrecht der Bibel Anschließend Dlshusslon GÄSTE WILLKOMMEN! Für die „UNION DEUTSCHÖSTERREICHISCHER JUDEN* Der Präsident: Dr. Jakob Ornstein m. p. _ seit den mittelalterlichen Zeiten gebracht haben. Der Andersdenkende wird nicht mehr verbrannt, sogar gut verpflegt, und nur ein bißchen eingesperrt. Welcher Fortschritt! Ego. Parteifeme. Vor dem Bezirksgericht Leopoldstadt (Oberiandesgerichtsrat Dr. N e u d e c k) wurden kürzlich zwei Verhandlungen durchgeführt, die ein mehr als grelles Licht auf die Verhältnisse in der „Verein igung werktätiger Juden" werfen. Es handelt sich um eine Ehrenbeleidigungsklage, die Doktor Ernst Bauer, ehemals verantwortlicher Redakteur der „Jüdischen Volkszeitung", jetzt der „Neuen Jüdischen Volkszeitung", gegen Dr. Fritz Spitzer, früher Zionist, jetzt Poale-Zionist, erhoben hat. Die Vorgeschichte dieses Prozesses ist interessant genug, um in Kürze hier wiedergegeben zu werden. Am 11. September 1928, also zu einer Zeit, da bei den „Werktätigen Juden" der bekannte Kampf zwischen Poale-Zionisten und Nichtzionisten besonders heftig tobte, nannte Dr. Spitzer in einer Versammlung der Ortsgruppe XVI—XVII in Ottakring Herrn Dr. Bauer einen Lügner und Fälscher. Wie aus den Ausführungen Dr. Spitzers vor dem Bezirksgericht hervorging, waren diese Beschimpfungen nun Gegenstand einer Verhandlung vor dem sozialdemokratischen Parte ige-., rieht. Dieses hat eine unerhörte Kompetenzüber-; schreitung begangen, um Dr. Bauer politisch auszuschalten.