Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 12 (22.3.1929)
- Date
- 1929-03-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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die Wahrheit iiuiHiiHi«iHiümiiiÄ , Seite 7 ches, an dem Mangel einer kräftigen Reichsmacht in dieser Aufgabe gescheitert wäre. Der historisch wichtige Einfluß Englands auf Spanien und Portugal während des 18. und 19. Jahrhunderts stammt gleichfalls aus der vorangegangenen kommerziellen Beherrschung durch die englischen Kaufleute und die englische Industrie. Aehnliche Beispiele bringt die Wirtschaftsgeschichte aus jeder Zeit. Nichtsdestoweniger hatte der Kaufmann von jeher mit einer gewissen gegen ihn gerichteten Animosität, hatte er von jeher um seinen Rang zu kämpfen. Im Evangelium heißt es: „Es ist schwer, daß der Kaufmann sich vor Unrecht hüte." Nun, diesen Satz möchte ich sicherlich nicht unterschreiben. Es spricht aus ihm noch die ökonomische Naivität, die glaubt, daß der eine nur gewinnen könne, was der andere' verliert. Der Satz trifft nicht ins Schwarze, sondern daneben. Der Kaufmann steht vielmehr unter einem bestimmten Drucke, wird von ihm viel mehr bedrängt, als die anderen ökonomischen Hauptberufe. Ich meine damit die . „Konkurrenz". . Die Konkurrenz erweckt neben der höchsten Anstrengung des Geistes die häßlichsten Eigenschaften des Charakters und der Seele. Sie ist ein Krieg, in welchem auf die vollständige Vernichtung des Gegners hingewirkt, nie Pardon gegeben wird. Ihr ist der Kaufmann am meisten ausgesetzt. Er hat nicht wie der Getreidebauer eine Ware, welche für alle, die sie besitzen, den gleichen Charakter hat; die, wenn sie gebraucht wird, sich sozusagen von selbst verkauft und die keine Anstrengung des Besitzers verkäuflich macht, wenn der allgemeine Bedarf dafür fehlt. Er hat auch keine individuelle Ware wie der Fabrikant, welche, wenn sie gefällt, gesucht wird, er hat überhaupt nur das, was auch jeder andere Kaufmann haben kann. Er kommt nur vorwärts, wenn er den anderen verdrängt, ihn und seine Ware aus dem Wege räumt. Er führt einen Kampf Person gegen Person, Leib gegen Leib, und da dieser Krieg nicht etwa um die höchsten Güter der Menschheit, sondern um Geld und Gewinn geführt wird, so erzeugt er eine Atmosphäre, die in der Tat nicht immer vornehm ist. . Natürlich will ich damit keineswegs gesagt haben, daß der Handel, der kaufmännische Beruf, die Vornehmheit ausschließt. Die Handelsgeschichte und meine eigene Erfahrung haben mich wahrhaft vornehme Kaufleute kennen lernen lassen; „der große Kaufmann, der mit tiefem Ernst auf die weitesten Fernen die beiden wirtschaftlichen Hauptursachen, die des Bedarfes und der Produktion miteinander verbindet, sie. ausgleicht, ist ein. Kulturarbeiter höchsten Grades und ein geistig vornehmerer Mann als der Produzent." Gewiß sind die vornehmen Kaufleute eher unter den obersten Schichten des Standes, namentlich unter jenen, die in ihrer Tätigkeit am weitesten ausgreifen, wie beispielsweise den Exporteuren von Beruf, zu finden, als in den unteren begrenzteren; denn offenbar müssen die schlfmmen Seiten des Konkurrenzkampfes desto schärfer hervortreten, je enger der Raum ist, in welchem er geführt wird. Und ein engerer Raum als das Ghetto gewesen, ist wohl nicht leicht denkbar. Es fehlten darum diese vornehmen Kaufleute dort ganz gewiß nicht! Ich brauche hier nur an meinen eigenen Vater zu denken; er arbeitete später in RICHARD HERZOG, Wien I., Adlergasse 5 Telephon R 23-4-90 ||., Kl. Pfarrgasse 28 Telephon A 41-6-24 Jüdische, hebräische und original englische Tanzscblager-Platten zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Soeban eingetroffen die neuen COLUMBIA Schlager: 25 cm............. . . 8 6.— ü 30761 Aus »Friederike*: O Mädchen, mein Mädchen; — Liebe, seliger Traum D 30760 »Er ist nur Barspieler«, Radetzky-Fox. O 30759 »Kennst Du das kleine Haus am Michigansee« »Wenn der weifle Flieder blüht« D 30758 » Trink, trink, Brüderlein trink, — »Mascha« (Bubliczki). D 30765 Aus »Hochzeit in Hollywood«: Im Schönbrunnerpark, Sei lieb zu mir, sei nett zu mir. D 30756 »In Paria, bei der Uhr Madeleine« — »Casanova, ich lieb' Dich« D 15791 »Mein Engel« (Angel Mia> — >Mascba« (Bubliczki). 25 cm................8 7.SO 5161 Eine neue Whiteman-Platte! »Roses ot Yesterday« >Get out and get under the Mon 5122 »Jeannine, I dream of Lilac Time, Grieving« 5116 »Layton and Johnstone * — »In the Evening, Chiquita« 4958 »The Toy Town Artillery« — »In oid Vienna, Mississippi Melody« 14197 »Angela Mia* (Mein Engel) — »Dolores* Ausschließlich elektrische Aufnahmen, vollendet in der Wiedergabe! Wien nämlich in größeren Kreisen, aber in Preßburg bewegte er sich nur in kommerziell mittleren Verhältnissen; nichtsdestoweniger war er auch schon damals ein in seiner Art stolzer, wahrhaft „vornehmer1' Kaufmann. Worin besteht denn diese Vornehmheit? Doch nicht darin, daß man zahlt; Ehrlichkeit wird von jedem Menschen gefordert. Gewiß auch noch darin nicht, daß man seine Kunden reell bedient. Der Kaufmann, der sie betrügt, ist ein Dummkopf. Zur „Vornehmheit" des Kaufmannes gehört vor allem anderen, daß er setner Erwerbslust nach einer Seite hin eine bestimmte Grenze setzt; er muß jedes Geschäft, das nicht ganz fair ist, ablehnen. PuritriK Von Binjamin S c g c l. Purim ist das einzige jüdische Fest — richtiger nur ein Halbfest — an dem ein besonderes biblisches Buch, die Esther-Rolle, populär „Megillah", zweimal vorgelesen wird - am Vorabend nach Maariw und am Morgen nach der Thoravorlesung,- eingerahmt von drei, respektive zwei Berachoth. Purim hat hierin eine Analogie nur mit seinem Widerpart, dem Trauertag der Zerstörung des Tempels am 9. Aw, an dem die Klagelieder des Jeremias vorgelesen werden, aber natürlich ohne Berachoth. Das eigentliche Purim, nämlich der erste Tag, also der 15. des -Monats Adar, kann kalendermäßig nur auf einen Sonntag, Dienstag, Donnerstag oder Freitag, in einem Schaltjahr, also im Adar II, nur auf einen Mittwoch, nicht auf Donnerstag fallen. Der Gottesdienst am Purim zeichnet sich vor dem alltäglichen, abgesehen von der Megillah und einigen Pijutim, die nicht gerade zu den ') Aus dem Berliner Jüdischen Gemeindeblatt.