Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 12 (22.3.1929)
- Date
- 1929-03-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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anmrnnnnmmmumHHwmHimnroM bemerkte aber im Hüttenbuche nur die Eintragung der beiden Halsmanns, während die Eintragung des Herrn Weil, welche, wie gesagt, in Gegenwart der beiden Halsmanns erfolgte, nicht mehr im Buche verzeichnet war. Die beiden Halsmanns kehrten um V2I2 Uhr im Furtschagelhaus ein, aßen ein Mittagmahi und gingen um 12 Uhr 20 in der Richtung Dominikushütte weiter. Der angebliche Weil kam laut Aussage des Furtschagelhaus-Wirtes und dessen Kellnerin einige Stunden später nach den Halsmanns im Furtschagelhaus an, nahm einen kleinen Imbiß und ging sofort gegen die Dominikushütte weiter. Bevor er aber weiter ging, war bereits der Unfall im Furtschagelhausbekannt geworden. Es entsteht nun folgende Frage: Wann ist Herr Weil im Furtschagelhaus eingetroffen? Da derselbe sich nur kurze Zeit im Furtschagelhaus aufgehalten hat, der Unfall vor seinem Weggehen bekannt wurde, dieser aber frühestens um V26 Uhr nachmittags durch einen Touristen dort bekannt gemacht werden konnte, so kann Herr Weil frühestens um 5 Uhr nachm. im Furtschagelhaus eingetroffen sein. Wo war also Herr Weil in der Zeit von 10 Uhr 15 vorm. bis 5 Uhr nachmittags. Der Abstieg vom Schönbichlerhorn zum Furtschagelhaus dauert höchstens eineinhalb Stunden. Wenn nun Herr Weil vom Schönbichlerhorn um eine halbe Stunde später abgestiegen wäre wie die beiden Halsmanns — er hatte auch die Absicht geäußert, nach kurzer Rast aufzubrechen — so müßte er längstens um 12 Uhr im Furtschagelhaus eingetroffen sein und die beiden Halsmanns noch beim Mittagessen angetroffen haben, in Wirklichkeit kam er JiHmrTm.lim..nmmmmnfi.ni,nmrmtTill»mmimin)nMnm.nnmln,n Dffi WAHRHEIT aber erst frühestens um 5 Uhr, also fünf Stunden später, dort an. Wenn nun Herr Weil um M26 Uhr das Furtschagelhaus verließ, also in einer Zeit, nachdem der Unfall bereits im Furtschagelhaus bekannt war, wäre die Frage zu klären, wo hat Herr Weil übernachtet, da er unmöglich Mayrhofen erreichen konnte. Sein Uebernachtungsort wurde bisher n i c h t f e s t g e s t e 111, es ist bis jetzt nur die eine Tatsache bekannt: Ungefähr um ^6 Uhr ging Weil vom Furtschagelhaus weiter. Wohin? Wer ist nun „Dr. Josef Weil aus München"? Es wurde wohl ein Dr. Josef Weil, Rechtsanwalt in München, der tatsächlich in München existiert, befragt, wann er im Zillertal war; er gab ausdrücklich an, daß er im Jahre 192$ überhaupt nicht in Tirol gewesen wäre. Es bleibt also die Frage offen, wozu sich der Begleiter der beiden Halsmanns eines falschen Namens bediente, als er sich ihnen vorstellte, warum er sich eines falschen Namens bei seiner inzwischen verschwundenen Eintragung ins Hüttenbuch bediente. Weshalb meldet sich dieser Herr nicht? Es wäre auch die Differenz in seiner Persönenbeschreibung aufzuklären. Die Gendarmerie gibt an, Weil habe einen schwarzen Spitzbart gehabt, während die beiden Halsmanns dem Herrn Dr. Geilenkirchen, als sie ihm die Grüße für Weil auftrugen, mitteilten, Weil habe einen dunkelblonden, bzw. rötlichem Vollbart. * * * Ebenso interessant ist ein bisher zu wenig beachteter Umstand, der ebenfalls in der Rede Doktor Preßburgers zur Behandlungs gelangte. Die Brieftasche des Verunglückten lag auf einer Sandbank, die Papiere, welche aus dieser g e- 3&uili&t&>si Unterhaltung bei Hofe. Wie allgemein bekannt, litt König Achaschwerosch von Persien an Schlaflosigkeit. Manchmal auch am Tage. So wollte sich eines schönen Sonntagnachmittags kurz nach Aschermittwoch sein Mittagsschläfchen absolut nicht einstellen. Der jüdische Leibarzt Ja'akow ben Jizchok ben Awrohom weilte gerade auf Urlaub. Das Veronal war ausgegangen und Königin Esther auch. Blieb also noch, um die Langeweile zu vertreiben, der Minister des Inneren, Seine Exzellenz, Herr Haman v. Hamdatha und Agag, ein überaus netter Mensch von liebenswerten Charaktereigenschaften. Dieses Juwel von einem Minister ließ der König denn auch zu einer kleinen zwanglosen Plauderei bei Kaffee und Zigarren telephonisch herüberbitten. „Mahlzeit, liebe Exzellenz! Freut mich, daß Sie so frisch aussehen! Was gibt's Neues im Lande?" „Majestät! Danke untertänigst der huldvollen Beachtung! Aber Neues gibt es eigentlich nicht — wenn es nicht der ewige Aerger mit den Juden wäre! Dieses Volk bringt mich bestimmt noch vor der Zeit unter die Erde!" Der König schien im ersten Augenblick nicht gleich im Bilde. „Die Juden?? Sind das nicht die armen, bescheidenen Menschen, die sich im Gegensatze zu uns nur mit einem einzigen Gott in ihrem Kult begnügen? Die Leute haben mir eigentlich immer ein bißchen leid getan, das muß ich sagen." „Majestät haben Euer hochwohllöbliches Mitleid leider an Unwürdige verschwendet; denn die Juden sind nicht das, was sie scheinen. Dieses über alles kluge und spitzfindige Volk trachtet mit allen Sinnen danach, die Vermögen des ganzen Landes, ja, der ganzen Welt in seine Hand zu bekommen, um dann unbeschränkt alles beherrschen zu können." „Ach nee! — Ei, gucke da! — Wer sagt's denn?" verwunderten sich Seine Majestät ungläubig. (Manchmal sprach König Achaschwerosch in Erinnerung an seine Leipziger Studienjahre ein wenig Sächsisch.) „Majestät wollen gütigst geruhen, zu vernehmen: diese Botschaft ward mir gestern um Mitternacht am Kreuzweg unter den Akazien aus dem Munde eines unserer bedeutendsten Weisen und