Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 12 (22.3.1929)
- Date
- 1929-03-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 50 Groschen mut Vttftffenfikhtifii«!» de* JUaißB. detrtsAöster*. Juden* «n44ta »Amffidiea Verlantbanuitfen d*r Kaltas^emeJiide Wie»« Redaktion und Administration: Wien IL, Helnestraße Nr. IS — Telephon R42-2-16 XLV. Jahrgang Wien, 22. März 1929 Nummer 12 Der Fall Halsmann. „A I 1 e s in diesem Prozesse war ung e 1 ö s t", sagte der Verteidiger Dr. Richard P r e ßburger in seinen überzeugenden Ausführungen vor dem Obersten Gerichtshof und — der Oberste Gerichtshof hat ihm recht gegeben. Denn: „Die Beschwerde war," so heißt es in der Begründung u. a., „schon wegen Zurückweisung des Antrages auf Ueberprüfung des Gutachtens durch ein Fakultätsgutachten begründet, da in Hinsicht auf die Frage: Absturz oder gewaltsame Tötung der Ausspruch der Sachverständigen dunkel war." Sapienti sat! Dr. Preßburger hat bekanntlich in seiner schriftlichen Beschwerde für die neuerliche Verhandlung, die Mitte Juni nach gründlicher Voruntersuchung stattfinden soll, die De 1 egi er un g des WienerLandesgerichtes verlangt, da die Atmosphäre im Innsbrucker Gerichtssaal von Animosität gegen den Angeklagten erfüllt war. Konfessionelle und parteipolitische Imponderabilien seien am Werke gewesen. Antisemitische Strömungen seien bis in den Gerichtssaal und bis an die Geschworenenbank gedrungen. Als Dr. Preßburger nun zum Schluß seiner mündlichen Darlegung die Delegierung beantragte, erklärte der Vorsitzende, daß über diesen Antrag der Senat in nichtöffentlicher Sitzung zu urteilen haben werde, ein sicherlich bezeichnender Umstand. Der Antrag der Verteidigung, die Angelegenheit aus dem Innsbrucker Milieu zu entfernen, wurde nun vom Obersten Gerichtshof abgelehnt, „da hiefür die entsprechenden Voraussetzungen nicht gegeben sind und insbesondere auch nicht aus den in der Nichtigkeitsbeschwerde geltend gemachten Erwägungen gefunden werden konnten." Diese Stellungnahme des Obersten Gerichtshofes nimmt nicht Wunder, da es doch zu absurd gewesen wäre, wenn diese höchste Instanz es gewissermäßen offiziell ausgesprochen hätte, daß ein österreichisches Gericht sich von konfessionellen Vorurteilen hatte beeinflussen lassen. Immerhin ist durch die Aufhebung des ersten Erkenntnisses ein Urteil über das in Innsbruck durchgeführte Verfahren gegeben, das erwarten läßt, daß nunmehr Recht und Wahrheit durchdringen werden, frei von Antisemitismus. Wer ist „Dr. Weil aus München'*? In der ausführlichen Begründung seiner Nichtigkeitsbeschwerde hat Dr. Richard Preßburger auch die Möglichkeit ventiliert, daß ein Dritter seine Hand im Spiele gehabt habe. Er erwähnte in diesem Zusammenhange den rätselhaften „Dr. Josef Wei 1", dessen Person im Innsbrucker Prozeß wiederholt genannt wurde, der sich den beiden Halsmanns erst angeschlossen hatte und dann spurlos verschwunden ist. Wir sind dieser mysteriösen Angelegenheit nachgegangen und haben von einem Innsbrucker Gewährsmanne, der sich, von der Unschuld des jungen Halsmann überzeugt, lebhaft für dessen Sache interessiert, sehr interessantes Material erhalten. Wir veröffentlichen dasselbe im Bewußtsein unserer journalistischen Pflicht, ohne in das schwebende Verfahren irgendwie einzugreifen, indem wir nur diejenigen bezeichnenden Momente wiedergeben, wie sie auch aktenmäßig nachgewiesen wurden und teilweise auch im Referate des Herrn Hofrates H ab e r d e y enthalten waren. Auf ihrer Tour hat sich den beiden Halsmanns, wie erwähnt, ein Herr angeschlossen, der sich ihnen als „Dr. Josef Weil aus München" vorstellte. Um 10 Uhr 10 vorm. des Unglückstages trafen die drei von der Alpenrose—Berlinerhütte am Schönbichlerhorn ein und da die beiden Halsmanns nicht gut ausgerüstet waren, machte der alte Halsmann den Vorschlag, sofort gegen das Furtscha.gelhaus abzusteigen. Alle drei trugen sich in das Hüttenbuch ein, der immer lustige alte Halsmann machte noch zu seiner Eintragung eine Bemerkung bezüglich einer Zentralheizung, da es in der Schutzhütte sehr kalt war. Der junge Halsmann erinnert sich ganz genau, daß auch der angebliche Dr. Josef Weil sich im Hüttenbuch eingetragen hat, da er noch bemerkte, wie dieser seinen Namen „einkastelte". Weil sagte, er wolle noch eine kurze Zeit verbleiben, worauf sich die beiden Halsmanns verabschiedeten. Zehn Minuten nach ihrem Abstieg vom Schönbichlerhorn trafen sie Touristen, u. a. Herrn Dr. Wilhelm Geilenkirchen aus Bonn, den sie ersuchten, den am .Schönbichlerhorn verbliebenen Herrn Weil zu grüßen. Der genannte Herr richtete den Gruß aus,