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Die Wahrheit · 1929-03-15 · Heft 11 (15.3.1929) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 0 0 eveßei%tüchui\s&i\> der II nien cleutPclics'tevceicKiscKet: Juden IL___________________ ___t_. *haspeui*assidmtoJ*t9M WienIX.Hecggaere 4 7eUfc*i9-*i-77 £/m tf/e JewishAgency. In der letzten „Stimm e" wird die von uns in unserer jüngsten Nummer ausführlich kritisierte 1. T. A.-Meldung über die Vertretung der nichtzionistischen Juden Oesterreichs in der Jewish Agency gänzlich widerrufen. Sowohl die Angaben wie die Namen sind „v ollständig aus derLuft gegriffen". Dieses Dementi wirkt wohltuend. Denn es wäre, wie wir letzthin ausgeführt haben, zu ungeheuerlich, wenn ähnlich gearbeitet werden würde, wie in dieser I. T. A.-Nachricht geschildert worden ist. „Die Stimme" bringt dagegen angeblich authentische Mitteilungen, wie in Wirklichkeit vorgegangen werden soll. Das „Komitee, das die Zionistische Exekutive für die Erweiterung der Jewish Agency ebenso wie in allen anderen Ländern auch in Oesterreich eingesetzt hat", dessen Zusammensetzung aber leider verschwiegen wird, hat danach eigentlich bisher sehr wenig geleistet. Nicht einmal das Wichtigste, nämlich „der Modus, wie die nichtzionistischen Vertreter der österreichischen Juden in der Jewish Agency gewählt werden sollen, steht noch fest." Und nun kommt eine interessante Nachricht: „Wahrscheinlich dürften, wie in den anderen Ländern, dieKultusgemeinde, bzw. ihre Verbände diese Wahl durchführen; die Personen, die auf diese Weise gewählt werden, können selbstverständlich heute noch nicht bekannt sein." Mit diesem Modus könnte man sich allenfalls vertraut machen, vorausgesetzt, daß unter der unklaren Bezeichnung „Verbände" die nichtzionistischen Parteien des Kultusvorstandes verstanden werden. Da die „Werktätigen" infolge ihrer engen Verbindung mit den Poale-Zionisten kaum mehr als Nichtzionisten angesprochen werden können, käme als einzige Partei nur die „U n i o n" in Betracht. Damit wäre auf einem wohl etwas umständlicheren Wege die Forderung erfüllt, die wir in unserer letzten Nummer aufgestellt haben: Vor allemdie wahren Repräsentanten befragen! Ob sich die Herren des mysteriösen Komitees dieser einzig möglichen Anschauung nicht verschließen werden, bleibt abzuwarten. * * * Wir haben in dem erwähnten Aufsatze unserer letzten Nummer auch die Tatsache registriert, daß die deutsche „Vereinigung für das liberale Judentum" eine Beteiligung an der Jewish Agency abgelehnt hat. Wir veröffentlichen heute den diesbezüglichen Beschluß nebst den Erklärungen der „Jüdisch-Liberalen Zeitung" zur Orientierung unserer Leser, ohne dazu irgendwie Stellung zu nehmen: Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. billigt die vom Arbeitsausschuß in der Frage der Erweiterung der Jewish Agency bisher unternommenen Schritte. Er lehnt eine Beteiligung der Vereinigung für das liberale Judentum an der Jewish Agency ab. Für die Stellungnahme der Vereinigung für das liberale Judentum zur Jewish Agency sind folgende Erwägungen entscheidend: 1. Nach den Bestimmungen des Palästimimandaies ist ein Zweck der Jewish Agency, Rat und Mitarbeit zu gewähren bei der Errichtung des jüdischen nationalen Heimes. Im Palästinamandat ist ausdrücklich bestimmt, daß durch die ..Errichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina die historische Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina und die Grundlage für die Wiedererrichtung seines nationalen Heimes in diesem Lande anerkannt sind". Der Vorstand betont gegenüber der in diesen Pur mulie runden niedergelegten Auffassung wiederholt, Jaß die Vereinigung für df:x liberale Judentum im Judentum eine rrPgiöse Ueueinschafi sieht, deren Bekenner zu den verschiedensten Völkern gehören. 2. Hieraus folgt, daß dem Land Palästina in der Zukunftsgestaltung des Judentums nach liberaler Auffassung keine Sonderstellung eingeräumt werden kann. Die Palästinasiedlung kann einen Teil der zur Hebung der Judennot erforderlichen Maßnahmen bilden; sie muß sich jedoch dem kolonisatorischen Gesamtplan einordnen. 3. Die Besiedlung eines Landes kann in der Gegenwart nicht lediglich mit historischen Gründen gerechtfertigt werden. Eine Besiedlung Palästinas darf in der Gegenwart nur im Einvernehmen mit der Bevölkerung des Landes durchgeführt werden. Der Vorstand der „Vereinigung für das liberale Judentum" muß es der Zionistischen Organisation überlassen, die zur Zeit bestehenden Hindernisse für die Mitarbeit der Vereinigung zu beseitigen. Er ist überzeugt, der Befriedung ides Judentums am besten zu dienen, wenn er unter den jetzigen Umständen die Zionisten den von ihnen beschrittenen Weg allein gehen läßt. Die Frage des Eintritts der nichtzionistischen deutschen Juden in die zu erweiternde Jewish Agency bildet bereits seit längerer Zeit Gegenstand von Erörterungen in den maßgeblichen Kreisen der deutschen Judenheit. Durch den vorstehend veröffentlichten Beschluß des Vorstandes der Vereinigung für das liberale Judentum, der auf einer äußerst stark besuchten Sitzung des Gesamtvorstandes der Vereinigung mit allen gegen nur drei Stimmen angenommen wurde, ist die Stellung der Organisation des liberalen Judentums in Deutschland eindeutig klargestellt: sie lehnt eine Beteiligung an der Jewish Agency unter den jetzigen Umständen ab . . . Wenn auch prominente nichtjüdische Deutsche sich für das zionistische Palästinawerk einsetzen, so mußte doch bei den eingehender unterrichteten nichtzionistischen jüdischen Deutschen die Erkenntnis ausschlaggebend sein, daß für ein nationales Heim für das jüdische Volk sich nur der einzusetzen vermag, der an ein nationales Aufgehen der Juden in den Völkern der Welt nicht glaubt oder es nicht für wünschenswert hält, der meint, die deutschen Juden müßten ein Fremdteil des deutschen Volkes sein. Neben diesen Gedankengängen, die natürlich in den Kreisen des deutschen liberalen Judentums eine Stätte haben, kommen hier noch religiöse Gesichtspunkte hinzu. Das liberale Judentum sieht in der Zerstreuung der Juden unter die Völker keinen bedauerlichen Zufall der Weltgeschichte, sondern ein sinnvolles Geschehen, sieht in dem Aufgeben des nationalen Judentums und in der Pflege des religiösen Judentums in den Völkern eine notwendige Entwicklung der jüdischen Religion. Erst vor etwa zwei Jahren hat der Vorstand der Vereinigung in einer grundsätzlichen Resolution zum Nationaljudentum dessen Gedankengänge abgelehnt, weil er Grundlage und Wesen des Judentums in seinem Charakter als religiöse Gemeinschaft sieht. Judentum soll Weltreligion sein, nicht national bedingt, sondern anational, erlebnismöglich für Menschen jeder Nation und jeder Rasse.

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