Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 11 (15.3.1929)
- Date
- 1929-03-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT KAUF UND VERKAUF VON REALITÄTEN JEDER ART SOWIE ÜBERNAHME VON HAUSVERWALTUNGEN DURCH ARCHITEKT HERIl/lNN EBENSP/INQER WIEN IX., LATSCHKAQASSE 4 / TEL. A16-5-15 Der Verteidiger Philipp Halsmanns, Herr Doktor R. Preßburger, hat in seiner umfangreichen Nichtigkeitsbeschwerde u. a. den dokumentarisch belegten Beweis vorgebracht, daß bei der Verhandlung in Innsbruck zwei Geschworene wiederholt schlafend beobachtet wurden. Wenn die Geschworenen schlafen, wie soll man dann glauben, daß die Justiz wacht? Wien hatte in jüngster Zeit wiederholt Gelegenheit, hervorragende Gelehrte aus dem Reiche als Gäste auf dem Katheder zu sehen. Nun hatte wieder die Münchener Universität, deren gegenwärtiger Rektor Bumke mit gutem Grund im „Völkischen Beobachter" als eine Leuchte der Wissenschaft gefeiert wird, die Freude, einen in der „Dötz" ebenso mit Recht hochgeschätzten Wiener Gelehrten, den Herrn Professor Othmar S p a n n zu begrüßen. Herr Professor Spann hatte für den Vortrag, den er in einem Hörsaal der Universität hielt, ein Thema gewählt, das sowohl ihm selbst wie auch dem „Kampfbund für deutsche Kultur", dessen Einladung er gefolgt war, besonders auf dem Herzen liegt, er sprach über die „Verjudung" der Philosophie. Man wird die Verbitterung begreifen, mit der Professor Spann gegen die Juden loszieht, die sich auf alte und neue Philosophie verlegen, anstatt sich auf den Handel mit alten und neuen Hosen zu beschränken, wenn man bedenkt, welchen Rang er vielleicht in der Wissenschaft erreicht hätte, wenn nicht „Fremde", wie z. B. Hermann Cohen, Cassirer, Simmel usw. überall im Wege stünden. Die Ehren und die stürmischen Ovationen, die der Wiener Antisemit mit seinem Vortrage erntete, waren so reich, daß er sie gerne mit Hitler, der persönlich mit einem Gefolge von hakenkreuzlerischen Studenten erschienen war, teilen durfte. Spann und Hitler haben sicherlich neidlose Verehrung für einander und sehen gewiß auch mit gleicher Geringschätzung z. B. auf Spinoza herab, der auch so eine Jud' war, der statt bei seinem Metier als Glasschleifer zu bleiben, es sich in den Kopf setzte, für die „Verjudung" in der Philosophie zu arbeiten. Nach längerer Pause wurde der vielbegehrte Posten eines ungarischen Scharfrichters besetzt. Und zwar mit dem Enkel des ehemaligen Scharfrichters Kozarek, von dem man erzählt, daß er nur mit Glacehandschuhen an die Ausübung seines Amtes trat. An dieses Vorbild mag sich übrigens auch der vor einigen Jahren vielgenannte hochgeborene Herr erinnert haben, der bekanntlich gewohnt war, „in patriotischem Uebereifer" eigenhändig mit Glacehandschuhen ausgerüstet seine unschuldigen Opfer zu ermorden. -, Ego. f; i : , \\f Ueberbrückung der konfessionellen Gegensätze. Im Bürgersaal des Rathauses Groß-Berlin fand am 4. März eine von zirka 300 christlichen Lehrern und Lehrerinnen der Gymnasien, Lyzeen und Volksschulen besuchte Veranstaltung statt, zu der der Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eingeladen hatte. Fünf in den Schulkreisen geschätzte Lehrer haben zu dem Thema „Die Ueberbrückung der konfessionellen Gegensätze durch Erziehung zur deutschen Volksgemeinschaft" Stellung genommen. Der Vorsitzende des Landesverbandes Groß-Berlin, Herr Dr. Bruno Glaserfeld, führte in seiner Begrüßungsansprache aus, die Beeinflussung des Kindes müsse schon in der Jugendzeit beginnen; nur so sei ein Aufbau der Lebensgemeinschaft gewährt. Als erster Redner sprach Herr Schulrat Wolff. Die konfessionellen Gegensätze sind in Deutschland besonders stark. Der Kampf der Meinungen erfordere aber besonders von Seiten des Lehrers und Erziehers, ehrenwerte Waffen. Die Seele des Kindes darf nicht durch den Haß vergiftet werden. Die Gegensätze sind da, Gegensätze der Rasse, der Wirtschaft, der Religion, aber die Einheit des Nationalbewußtseins muß den Weg zur Ueberbrückung dieser Gegensätze weisen. Was kann hier die Schule. leisten? Sie muß in die Seele des Kindes die Achtung vor der fremden Ueberzeugung senken. Modern ausgedrückt, muß sie für den Abbau der Unvernunft arbeiten. Die Schule muß das gemeinsame Kulturgut des deutschen Volkes an die Kinder herantragen. Herr Rektor Kellermann betonte, daß der Katholizismus von jeher das Bestreben habe, den Boden für die Volksgemeinschaft zu suchen. Der Reichskanzler Marx hatte die Volksgemeinschaft zu seinem politischen Programm gemacht. Es ist der Ruin eines Volkes, Andersgläubige als minderwertig zu betrachten. Es bleibt die Aufgabe unseres Staates, daß wir die Volkszerreißung beseitigen. Zu dieser Arbeit wird die Schule Wesentliches beitragen können. Herr Studienrat Dr. Lewin betonte, daß die deutsche Volksgemeinschaft erst eine Idee und keine Realität sei. Die Aufgabe der Schule besteht darin, den künftigen Staatsbürger zu erziehen. Das religiöse Bekenntnis trennt die Kinder von Beginn der Schulzeit an. Auf der Oberstufe spielt dann die Rassenlehre ihre einflußreiche Rolle. Die Schule muß die vielen ihr zur Verfügung stehenden Gelegenheiten wie Wanderungen, Elternabende, Schülergemeinschaften benutzen, um den Weg zur Lebensgemeinschaft zu finden. Herr Studiendirektor Dr. Guttmann ging in seinem Referat von dem Gesichtspunkt aus, daß die Gegensätze in den Konfessionen gekünstelt seien. Dies gibt den Mut, an eine Ueberbrückung der Gegensätze zu glauben. Der jüdische Religionsunterricht arbeitet daran, in dem jüdischen Kinde die Achtung vor allen Religionen zu wecken. Als letzter nahm Herr Oberstudienrat Landsberg das Wort, indem er betonte, daß Volksgemeinschaft nicht die Ausschaltung der Spannungen bedeute, nicht ein Aufhören der Kämpfe bezwecke, nicht ein Verwaschen der eigenen Anschauungen erreichen will, sondern nur vor Zerstörung bewahren soll. Aus einer persönlichen Gegnerschaft braucht nicht eine persönliche Feindschaft zu erwachsen. Für den evangelischen Religionslehrer beginnt diese Arbeit schon in den ersten Schuljahren bei der Behandlung der Passionsgeschichte. Ein Kennenlernen der anderen Religionen durch Besuch der Gotteshäuser und Eindringen in die religiöse Literatur der anderen wird hier den nötigen Ausglech schaffen. Ebenso wird es dem Lehrer dringende Pflicht sein, im deutschen Unterricht und im Geschichtsunterricht gerecht und nicht einseitig vorzugehen. An die Referate schloß sich eine sehr lebhafte Diskussion, in der Schulleiter und Lehrkräfte, sowie der Direktor des Centrai-Vereins, Herr Dr. Ludwig Holländer, in gleicher Weise den Gedanken der Achtung vor dem Kinde als grundlegend erkannten. Das Schlußwort erhielt Frau Margarete Fried, die besonders die Aufgabe der Frau als Mutter und Mithelferin bei dem Gedanken zur Erziehung zur Volksgemeinschaft betonte. WcvbäMctu^Mjii$u Wahtkcü!