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Die Wahrheit · 1929-03-15 · Heft 11 (15.3.1929) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Hörerinnen einstellten, als uns aufzunehmen möglich war, ein Beweis, erstens, daß unsere Jugend durchaus nicht abgeneigt ist, den Lehrerberuf zu ergreifen, zweitens, daß sich unsere Anstalt des besten Rufes erfreut, drittens — und auch das muß sehr in die Wagschale fallen —, daß Wien noch immer das Kulturzentrum ist, das von den wißbegierigen Jünglingen und Mädchen unseres Stammes gern aufgesucht wird, zumal dieselben hier auch die altberühmte Universität besuchen und, mit dem Doktorgrade geschmückt, hoffen können, sich innerhalb der Glaubensgemeinschaft eine geachtete Stellung zu erringen. In der Tat hat unsere Anstalt in ihrem zehnjährigen Bestehen sehr viel Gutes geleistet, denn sie bildet nicht nur Kinder unseres Stammes zu Kultur- und darum zu nützlichen Menschen, sondern sie ist auch in weiten Landen die einzige Pflanzstätte, aus der hebräisch geschulte, auch pädagogisch tüchtig herangebildete Lehrkräfte herauskommen... Das Natürlichste wäre nun. daß diejenigen Judenschaften, die ihre Kinder nach Wien schicken, die zumeist auch identisch sind mit denen, die auf eine hebräische Schulung ihrer Kinder Wert legen, daraus die Konsequenzen ziehen und entweder selbst solche Erziehungsanstalten gründen oder dieselben dort unterstützen, wo dieselben bereits existieren. Das ist nun leider nicht der Fall. Alle Nachfolgestaaten sind dazu, ich will nicht sagen, außerstande, aber außer Willens. Wollten wir heute an Polen und Rumänien — um nur diese zu nennen — herantreten mit dem Vorschlag: Leistet entsprechenden Beitrag, wir wahren euch gerne entsprechende Rechte... der Erfolg wäre gleich Null. Die Judenschaften aller dieser Staaten tragen sich mit dem Gedanken, sich — selbständig zu machen; „selbständig"... das hört sich so vornehm, so verlockend an. Aber vom Gedanken bis zur Tat ist ein langer Weg. Ich selbst bin oft Zeuge dieser Bestrebungen, denn so manches Gespräch, das darauf hinzielt, habe ich von Rabbinern und sonstigen Gemeindeorganen angehört. Ein jüdisches Lehrerseminar, das doch z. B. Ungarn hat, ist doch das Minimum, welches von den Judenschaften der Nachfolgestaaten angestrebt werden kann, angestrebt werden muß, warum soll es Polen (das übrigens schon zur Tat geschritten ist), warum soll es Jugoslawien, warum soll es Rumänien nicht haben, die doch heute weit mächtiger sind! Auch in Prag wird die Errichtung eines jüdischen Lehrerseminars in Erwägung gezogen. Es liegt mir fern, die Eignung Prags hierfür zu leugnen, und auch da gilt der Satz: jagdil Thora we-jaadir: groß machen die Lehre und verherrlichen! Doch, es ist das die Geschichte mit dem Kolumbus-Ei: jeder könnte Amerika entdecken, aber Kolumbus hat es entdeckt! Damit will ich sagen, daß in Wien gewisse Einrichtungen und, was die Hauptsache, die erforderlichen Lehrer schon vorhanden sind: in Prag, in Belgrad, in Bukarest usw. müßten sie erst geschaffen werden, und das kostet Geld, sehr viel Geld. Darum nur der Gedanke, der Wille, nicht die Tat, nicht die Ausführung. Wir Juden sollten doch frei sein von kleinen Eifersüchteleien, und sollten auch nach Wien gehen, wenn es einmal sein muß. Ich kehre zu dem zurück, was schon oben gestreift wurde: Wien ist noch immer für die Länder des nahen Orients, inbegriffen auch die Balkaniänder, mehr.jdas Zentrum als etwa Prag, dies lehrt die Erfahrung. Man sehe nur, wie die Wiener Universität von Griechen, und Bulgaren usw. frequentiert wird. Juden, machet Euch auf und tut ein gleiches! .•. -?!»• QleTsetx. Unser Unterrichtsminister hat eine Rede gehalten, in der er sich über Gegenwart und Zukunft der österreichischen Universitäten mit einer Aufrichtigkeit äußerte, die wohl nichts mehr zu wünschen übrig läßt. Auch der entschiedenste Gegner der Richtung, die der Unterrichtsminister vertritt, wird zugeben müssen, daß er offen und rückhaltslos die Verhältnisse schilderte, wie sie sind, und ein Zukunftsbild entrollte, das jedem Klerikalen die herzerfreuende Zuversicht einflößen muß, daß unsere Hochschulen in Bälde von den Fesseln der Wissenschaft losgelöst zu einem Bollwerk des frommen Glaubens umgestaltet sein werden. Sollte aber die RICHARD HERZOG« Wien I-, Adlergasse 5 Telephon R 23-4-90 ||., Kl. tfarrgaa*» 28 Telephon A 41-8-24 Jüdische, hebräische und original englische Tanzschlager-Platten zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Seeben eingetroffen die neuen COLUMBIA Schlager: l) 30761 Aus »Friederike«: 0 Madchen, mein Mädchen; — Liebe, seiiger Traum l) 30760 >Er ist nur Barspieter«, Radetzky-Fox. D J0759 »Kennst Da das kleine Haus am Michigansee« >Wenn der weifle Flieder blüht« D 30758 »Trink, trink, Brüderlein trink, — »Mascha« (Bnbliciki). D 30765 Aus »Hochzeit in Hollywood«: Im Schönbrunnerpark, Sei lieb xu mir, sei nett zu mir. D 30756 »In Paris, bei der Uhr Madeleine« — »Casanova, ich lieb' Dich« n 1Ö791 »Mein Engek (Angel Mia) — »Mascha« (Bublicski). 28 cm................S 7.BO 5161 Eine neue Whitemaii-Platte! »Roses ot Yesterday« »Get out and get under the Mou« :>'22 »Jeannine, I dream of Lilac Time, Grieving« 5116 »Layton and Johnstone« — »In the Bvening, Chiquita« 4958 »The Toy Towu Artillery« — »In oid Vienna, Mississippi Melody« 14197 »Angela Mia« (Mein Engel) — »Dolores« Ausschiüfllich elektrische Aufnahmen, vollendet in der Wiedergabe! Rede des Unterrichtsministers nicht gerade wegen ihrer Offenherzigkeit doch auch ein Bedenken im klerikalen Lager erwecken? Nämlich die Sorge, man werde Dr. Seipel durch die Frage in Verlegenheit bringen, wozu man noch eine eigene katholische Universität in Salzburg errichten soll, wenn sie nur dazu dienen kann, den bereits bestehenden und denselben Zielen zustrebenden Hochschulen überflüssige Konkurrenz zu machen? * Vielleicht gibt es Analphabeten, die heute noch nicht genau wissen, welche grauenhaft widerliche Rolle Herr Rudolf Horak im Gerichtssaale gespielt hat. Aber nichtsdestoweniger hat Herr Horak es verstanden, wenigstens den Juden das Geständnis zu erpressen, daß er auch Briefe schreiben kann, die, wie z. B. sein Schreiben an die Redaktion der „Stunde", in gewissem Sinne auch sympathisch berühren, also einen ganz anderen Eindruck hervorrufen als der Brief des Herrn Horak, den bekanntlich der Staatsanwalt sehr unfreundlich charakterisierte. In dem Schreiben an die „Stunde" erklärte nämlich Herr Horak, daß er Wert auf die Berichtigung lege, „daß er nie mosaisch war, sondern mit zwölf Tagen römisch-katholisch in der Czortkower Pfarrkirche getauft wurde". Es wäre wirklich unbillig, wenn die Juden auch nur einen Augenblick die Liebenswürdigkeit, die in dieser Berichtigung einer irrtümlichen Bemerkung der „Stunde" liegt, verkennen würden. Die Juden dürfen wirklich großen Wert auf die Konstatierung der Tatsache legen, daß Herr Horak niemals mosaisch war. *

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