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Die Wahrheit · 1929-03-08 · Heft 10 (8.3.1929) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 10 (8.3.1929)
Date
1929-03-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 11 ßmlflochezulCbcke Dr. Hermann Fiaüa. Wien. 8. März 1929. Dr. Hermann Fialla vollendet heute sein f ü n fundachtzigstes Lebensjahr und das sechste Dezennium seiner anwaltschaftlichen Berufstätigkeit. Unglaublich beim Anblicke dieses kraftvoll aufrechten, lebensfreudigen Mannes, der erst genau vor drei Monaten eine mehrwöchige Reise nach Konstantinopel und Angora unternahm und sie wohlbehalten zurücklegte. Noch weniger glaublich angesichts der ungeminderten Ausübung seines ausgebreiteten Berufes, in welcher er noch heute dieselbe geistige Agilität und Frische und dieselbe ebenso wuchtige, als elegante Beredsamkeit entfaltet, welche seit je sein öffentliches und zumal forensisches Wirken aus- und kennzeichnen. Schon anfangs der Sechzigerjahre lenkte der jetzige Nestor der Wiener. Rechtsanwälte als Student die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich, als er bei zwei feierlichen Goethe - und Körner-Kommersen sich der Aufgabe als literarischer Festredner unter allgemeinem Beifalle entledigte. Und vollends Begeisterung umrauschte ihn bei dem im Jahre 1865 anläßlich des 500jährigen Gründungsjubiläums der Wiener Universität von der Studentenschaft veranstalteten großen oppositionellen Kommerses, bei welchem er vor einem viel hundertköpfigen Auditorium mit jugendlichem Elan und zündender Rede die Rechte der Studentenschaft und deren Verhältnis zur Universität verteidigte. Seinen Ruf und seine Popularität als vorzüglicher Jurist und Meister vollendeter Elloquenz begründete Dr. Fialla durch einen siebentägigen Schwurgerichtsprozeß, den er als Ankläger wegen Ehrenbeleidigung in Vertretung des gesamten feudalen Verwaltungsrates und des Generaldirektors der Franz-Josefs-Bahn im Jahre 1870 gegen ein damals gefürchtetes Witzblatt in vorbildlicher Geschicklichkeit mit dem Erfolge durchführte, daß alle zwölf Anklagepunkte von den Geschworenen einstimmig bejaht und die beiden Angeklagten empfindlich verurteilt wurden, ein Ergebnis, welches völlig befreiend auf die gesellschaftlichen Kreise der Bevölkerung wirkte. Es folgte eine Reihe von politischen Presseprozessen, in denen Dr. Fialla konsequent das deutsche liberale Bürgertum gegen Klassen- und Rassenhaß vertrat und vermöge der überzeugenden Sachlichkeit, Logik und Wärme seines Vortrages nahezu ausnahmslos seinen Schutzbefohlenen zu dienen vermochte, sowie es ihm auch gelang, in vielen anderen Strafprozessen die Üeberzeugung der gelehrten Richter für seine Sache zu gewinnen. Hier sei des großen dreiwöchigen Ringtheaterprozesses gedacht, in welchem die von Dr. Fialla verteidigte städtische Feuerwehr von jeder Schuld freigesprochen und in dem Urteile der Öffentlichkeit rehabilitiert wurde. Parallel mit dieser entwickelte sich eine großzügige Betätigung auf zivilrechtlichem Gebiete, auf welchem die Vertretung, der Rat und die Talente des Jubilars von allen und besonders auch von den kaufmännischen Kreisen lebhaft in Anspruch genommen wurden, wobei Dr. Fialla namentlich eine Autorität in den Vertrags- und Rechtssachen der Wald- und Holzindustrie geworden und geblieben ist. Und in allen Phasen seines Wirkens nicht minder wie in seinem Familienleben bekundete unser Jubilar warmherzig sein angestammtes Judentum, dessen Interessen er hervorragend seine Mitwirkung widmete. Insbesondere bot ihm in den Neunzigerjahren seine Funktion als Präsident des jüdischen Aufgaben und Zwecken dfenenden Politischen Volksvereines die willkommene Gelegenheit, eine intensive öffentliche Wirksamkeit für das Judentum im allgemeinen und für die Wiener Kultusgemeinde im besonderen in einer großen Anzahl von Versammlungen und Veranstaltungen zu entfalten, die er als Leiter und Wortführer mit seinem Geiste BoHinger-Eis^ sind seit 1870 dis besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon R 30-5-38 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 Wienei-Messe: Rotnnde, Stand 6659/61, III. Ring. erfüllte. So speziell auch bei den Kultuswahlen, in denen er eine Reihe von liberalen Kandidaten zum Siege führte; so auch als Obmann der zur Rabbinerwahl berufenen Vertrauensmänner, welche er zur Votierung für Herrn Dr. Max Grunw a 1 d bestimmte. Und heute weiß man dem Dr. Fialla noch Dank, daß er bei seiner Heranziehung jüdischer Kapazitäten aus dem Auslande im Jahre 1S97 die gesamte gebildete Bevölkerung Wiens in zwei glanzvollen Vortragsabenden mit dem berühmten Begründer der Völkerpsychologie, Professor Dr. Moritz Lazarus, und dessen hochinteressanter Gattin, der Schriftstellerin Frau Nahida Ruth Lazarus bekannt machte. Vor fünf Jahren feierten wir den hochgeschätzten Jubilar anläßlich seines 80. Geburtstages auf der Tribüne und im Tempel. Möge es Dr. Fialla gegönnt sein, die zweite Hälfte des neunten Dezenniums in bisheriger Energie und Rüstigkeit zu vollenden und uns bleibe vorbehalten, dem verehrungswürdigen Patriarchen mit neuen Glückwünschen zu huldigen. Zum Vortrag in der Leo-Gesellschaft Herr Rabbiner Dr. A. K a m i n k a ersucht uns um Aufnahme folgender Mitteilung: Die von Ihnen in Nummer 9 Ihres geschätzten Blattes mit Bezug auf meinen Vortrag in der Leo-Gesellschaft gebrachte ergänzende Notiz ist mir ganz unverständlich. Tatsache ist, daß ich Herrn Rektor Prof. Dr. I n n i t z e r anläßlich einer Unterhaltung über meine Septuaginta-Studien den Vorschlag machte, in einem Kreis von Fachgelehrten darüber einen Vortrag zu halten, daß Rektor Prot. Dr. Innitzer mir hierfür die Leo-Gesellschaft nannte und auch selbst den Wortlaut des Titels festgesetzt hat, ferner, daß er mir am Tage des Vortrages sein lebhaftes Bedauern ausgedrückt hat, daß er durch eine unaufschiebbare Senatssitzung am persönlichen Erscheinen verhindert sein werde. Ich konnte daher auch meinen Vortrag mit den Worten einleiten: „Ich bin Seiner Magnifizenz, dem Rektor unserer Universität, für die ehrenvolle Einladung, auch in diesem Kreise meine Forschungsergebnisse bekanntzugeben, sehr zu Dank verpflichtet." Tatsache ist endlich, daß Prof. Dr. Gabriel nicht nur kein Bedenken gegen irgend eine vom Referenten gebotene Interpretation der Psalmen geäußert, sondern seiner uneingeschränkten Zustimmung sowohl in seiner Rede, wie in seinem Artikel in der literarischen Sonntagsbeilage der „Reichspost" vom 10. Februar 1929 Ausdruck gab. Er bemerkte nur mit Bezug auf eine Erwähnung des Vortragenden, daß er in seinen Jesaja - Studien bei Verteidigung der Einheit und Echtheit des ganzen Buches nur den Namen „Cyrus" für eingeschaltet halte (was ganz unabhängig später auch Prof. Torrey in Amerika festgestellt hat), daß die katholische Kirche von ihrem Standpunkte aus auch diese Konzession an die Bibelkritik nicht machen könne, „woran niemand gezweirelt hat." Kantorenkonzert. Sonntag, den 3. März, X-8 Uhr abends, fand im Mittleren Konzerthaussaal ein vom „Fürsorge- Komitee für die jüdischen Insassen des Lainzer Versorgungsheimes" veranstaltetes Kantorenkonzert statt, das einen glänzenden Verlauf nahm. Das aus der besten jüdischen Gesellschaft bestehende Auditorium lauschte in weihevoller Ergriffenheit vom Anfang bis zum Ende der Darbietungen der Wiener Kantoren. Eingeleitet wurde der Abend mit Haendel „Psalm 113" und Rosenblatt, „Barne madlikin" (talmudische Rhapsodie), vorgetragen von E. F r ä n k e 1 (Poln. Tempel) und seinem ausgezeichneten Chor und übten diese synagogalen Meisterwerke, von A. M i 1 e t mit sehr viel Geschmack und Verständnis dirigiert, auf die Zuhörer einen nachhaltigen Eindruck. Leo Funke (Großer Leopoldstädter Tempel) begeisterte die Zuhörer durch Roskin, „Das neue Lied" und das mit viel Gefühl zum Vortrage gebrachte „Eli Eli". D. Bohomilny (Döblinger Tempel) erntete mit „Tka beschofor" und „Habet Mischomajim" wohlverdienten Beifall. Der Künstler verfügt über einen umfangreichen Baßbariton, den er meisterhaft beherrscht. S. Weiß (Tempel in Favoriten), ein ausgezeichneter Sänger, dessen modulations- Der Jüdische Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis vermittelt Stellen Jeder Kategorie IL. Taborstraße 59 Tel. R 40-3-16

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