Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 10 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT fähige Tenorstimme durch ihren edlen Klang zu Herzen spricht, rezitierte „Ono bekoach" und „Wilirischolajim Ircho". Erstklassig und mit echt jüdischem Gefühl brachte G. Margulies melodiöse Volkslieder des Ostens zum Vortrage und erntete stürmischen Beifall. I. Müller (Pazmanitentempel) bewies wieder einmal, daß er ein großer Meister seines Faches ist. Die Rezitationen „Omar Rabbi Elisor", „Haben Jakir Ii" und „Uwjom Simchaschem" drangen unwiderstehlich vom jüdischen Herz zu jüdischen Herzen. Einen besonderen Erfolg hatte auch S. Pos toi ow (Müllnertempel) mit „Schofer schel Moschiach", ganz besonders aber durch Engels „Kadischgebet". Sein Vortrag wirkte durch Klang und Schlagkraft seiner schönen Stimme bezaubernd auf. die Zuhörer. Rosenblatts „Weschomru" von E. Frankel und seinem Chor meisterhaft zum Vortrage gebracht wies eine künstlerische Leistung auf, wie man sie in ähnlicher Vollendung nur selten zu hören bekommt. Das mit wahrer Begeisterung aufgenommene Konzert, für dessen Zustandekommen dem rührigen Festkomitee mit Vorsteher Karl Alt mann an der Spitze volles Lob gebührt, bewies wieder einmal die Richtigkeit unserer Behauptung, daß Wien nicht nur die Stadt war, von welcher die synagogale Musik ihren Ausgang genommen hat, sondern auch heute noch die Stadt ist. wo jüdische Liturgie und Gesänge im hohen Maße gepflegt werden. Uneingeschränktes Lob gebührt der jungen Konzertpianistin Frl. Betti L e w i n für die feinfühlige geradezu virtuose Begleitung der Sängerschar. Zur Nachahmung empfohlen! Wir stellen die in der vorigen Nummer unseres Blattes gebrachte Mitteilung dahin richtig, daß Herr Großindustrieller Hans Engel zur Linderung der großen Not der Wiener Armen nicht zwei, sondern fünf Waggon Kohle gespendet hat. Die Agudas Jisroel hält ihre diesjährige Generalversammlung Sonntag, den 10. März, um Uhr vormittags, im großen Vortragssaale der Jugendgruppe der Agudas Jisroel, IL, Floßgasse 1, ab. L Oesterr. Gewerbeverein. In der Generalversammlung dieses Vereines am Montag, den 25. Februar, bei welcher Herr Hofrat Ing. L ö w y mit einem ausgezeichneten Vortrag über „Judentum und Gewerbe" die Zuhörer fesselte, wurde das rührige Mitglied Herr Paul Schwarzstein zum Ehrenpräsidenten gewählt. Diese wohlverdiente Ehrung trifft einen Mann, der insbesondere durch seinen großen Wohltätigkeitssinn in weitesten Kreisen bekannt und geschätzt ist. Akademisch gebildeter Mann in mittleren Jahren, mit gründlichen kommerziellen Kenntnissen und entsprechender Praxis, gewissenhaft und vertrauenswürdig, derzeit erwerblos, bittet edle Glaubensgenossen um Beschäftigung, gleichviel welcher Art gegen ganz bescheidenes Salär. Zeugnisse und Referenzen prominenter Persönlichkeiten stehen zur Verfügung. Zuschriften an die Adm. d. BL unter „Auch halbtätig" erbeten. Kreditkasse für Kleingewerbe und Kleinhandel Die siechste ordentliche Generalversammlung den Kreditkasse für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien (IL, Praterstraße 9) findet am Mittwoch, den 15. März 1929, um halb 7 Uhr abends in den eigenen Büroräumen statt Der Verein ..Einheit" zur Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen und Mittelstandsküchen in Wien. IL, Malzgasse 12, hielt am 24. v. M. seine 15. ordentliche Generalversammlung ab. Er erhält eine allgemeine Ausspeisung und eine Mittelstandsküche, gibt der mensa academica judaica ritualis tn IL. Im Werd 13, Mittagessen und beliefert den Kindergarten in XX., Othmargasse und den des Vereines Jessod Hathora in IL, Nestroygasse. Er liefert der Polizei und den Gerichten Speisen für Inhaftierte. Mit besonderer Feierlichkeit werden die Sabbate und Festtage begangen. Das Essen ist immer und für alle Abnehmer reichlich und gut. Nach der Begrüßung der Erschienenen durch den verdienstvollen Vereinspräsidenten, Herrn Bernhard Hofbauer, wurde nachstehender Rechen- Herren- und Damenkleider nach Maß sowie fertig lagernd, nur Qualitätsware, billigste Preise. Eventuelle langfristige, bis zu eiuem Jahre wShreride Zahlungserleicbtenmgen Kleider-Erzeu^ungs-Ünion, Wien VL, Kaseroeng. 6 Telephon B 20-2-15 S. Grüners Restaurant II., Zirkussasse 30 Telephon R 43-1-60 Vorzilgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend Menü nach Wahl. Erstklassige Getränke. schaftsbericht erstattet. Der Erlös aus der Ausspetemig war im Jahre 1927 S 46.202.47. im Jahre 1928 S 52.944.34 Da der Gesamtaufwand 1927 S 85.593.72 und 1928 S 90.772.13 betrug, so wurden durch den Erlös aus dem Verkauf der Speisemarken 1927 fast 54 Prozent, 1928 fast 58 Prozent des Gesamtaufwandes gedeckt. Es wurden 1927 260.589 Portionen, 1928 286.423 Portionen verabreicht. 1928 um rund 26.000 Portionen mehr als 1927. Den restlichen Aufwand von S 39.391.25 für 1927 und von S 37.827.79 für 1928 deckten die Spenden, die Sammlungen und die Aktionen, wie eine Kinovorstellung, Versendung eines Kalenders wie Bildkarten mit 54 Prozent, bzw. 52 Prozent, so daß noch immer 46, bzw. 48 Prozent des restlichen Aufwandes zu decken waren. Wir haben bis auf 3600 Schilling heuer unseren Gebrauch gedeckt. Durch Mitgliedszahlungen brachten wir nur S 735.— auf. 1200 Mitglieder stehen auf unsener Liste, 200 haben nur den minimalen Jahresbeitrag von je 3 Schilling gezahlt, nur wenige mehr. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß der Vorstand in seiner Fürsorge sicherlich Großes leistet,'daß er aber ebenso dringend der allgemeinen jüdischen Hilf© bedarf. Die Geschäftsführung des Vorstandes liegt in den Händen eines Viererkomitees, das aus den Herren Vizepräsidenten Moritz Felsenburg, Oekonom Adolf Fischer, Kassier Max H o f b a u e r und erstem Schriftführer Regieromgsrat Direktor Dr. Salomon Krenberger besteht Dieses Viererkomitee überwacht die ganze Arbeit der braven Angestellten und ordnet alles an, was zum Betriebe und für die Aufbringung der. Mittel notwendig ist. Diese großen Bemühungen fanden auch allgemeine Anerkennung, nur wünschte Herr Medizinalrat Dr. Isidor Reiniger, daß der Rechenschaftsbericht möglichst weit verbreitet Wörde, und Her.r Jakob Fuchs trat für die größte Anstrengung zur Gewinnung vieler Mitglieder, anmentlich jüngerer ein. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl der Frau Henny Schreiber und der Herren Dr. Josef B o n d i, Adolf Fischer, Bernhard Hofbauer, Regierungsrat Direktor Dr. Sal. Krenberger, Medizinalrat Dr. Isidor Reiniger, Architekt Ignaz Reiser und Natan Schiff als Vorstände, wie der Herren Jakob Fuchs, Emil Kritzier und Jakob Stern als Revisoren. Bei der folgenden Konstituierung wurden wieder gewählt als Präsident Herr Bernhard H o f b a u e r, als Vizepräsident Herr Moritz F e 1 s e n b u r g, als Kassier Herr Max H o f b a u e r, als Kassierstellvertreter Herr Hermann K u n e r, als 1. Schriftführer Rechtsanwalt Dr. Dagobert Rybaczewski, zu Oekonomen Frau Henny Schreiber und Herr Adolf Fischer. „Ohel Rachel", Verein zur unentgeltlichen Ausspeisung jüdischer Notleidender (IL, Kleine Pfarrgasse 8). Am 28. Februar fand die Konstituierung des Vorstandes des Vereines statt, bei welcher folgende Herren gewählt wurden: I. L. Horn zum Präsidenten, Paul W e i n i n g e r und Karl Fichtmann zu Vizepräsidenten, Rudolf GoIdstein und Greher zu Kassieren, Ferdinand Kornmehl und Dr. Mondschein zu Schriftführern, D. Soff er und Samuel Sperling zu Kontrolloren, K n i s p e 1 und R i n d 1 e r zu Revisoren, Schmetterling und Buxbaum zu Einkäufern. Dieser rührige Verein speist täglich ca. 100 Personen aus, während der andauernden Kälte hält er seine hellen warmen Räume ab 3 Uhr nachmittags offen und beteilt seine Schützlinge mit heißem Tee und Brot. Der Mädchen- und Frauenverein „Krankenbesuch Blkur Chaulim" veranstaltete Sonntag, den 3. März, im Festsaale des Hotel Continental eine Wohltätigkeitsjause. Eine auserlesene Künstlerschar hatte sich zur Verfügung gestellt, um der leidenden Menschheit in dieser schweren Krisenzeit zu helfen. Durch ihre Leistungen gewann Fräulein Herta Weinmann, die Tochter unseres Vorstandsmitgliedes Julius Weinmann und seiner Gattin Frau Irma W e i n m a n n, die Herzen aller Anwesenden. Wahre Beifallstürme dankten der 13jährigen Vortragskünstlerin für den Genuß, den sie. allen Anwesenden bereitet hatte. Das Verständnis und die Fähigkeit der Darstellungskunst, insbesonders die Kenntnis der Mimik, gepaart mit