Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 10 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite «> ere-ffentlichunycn der linien (AeutrcfocstevceicKiscKec Jude* %fbtxukasse«kenkiJic9^ Wi9IS,IX.*Bwqqaffe * Telefax19-2-77 Um die Jewish Agency. Die jüdische Telegraphenagentur verbreitet folgende Nachricht: „Das von der Zionistischen Exekutive ernannte Komitee für die Organisierung des nichtzionistischen Teils der Jewish Agency für Oesterreich hat bereits mehrere Sitzungen abgehalten. Voraussichtlich werden zwei Hauptvertreter auf Wien und vier Ersatzvertreter auf die österreichische Provinz entfallen. Als die Wiener Hauptvertreter kommen wahrscheinlich prominente Mitglieder der Bnei- Brith-Logen sowie führende Sozialdemokraten in Betracht. Derzeit werden als Anwärter genannt: seitens der Bnei-Brith-Logen Prof. Siegmund Freud oder H. Knöpfelmacher, seitens der Sozialdemokraten der linke Marxist Professor Max Adler oder der Abgeordnete A11 i n a. Es steht noch nicht fest, ob die sozialdemokratische Partei führenden Parteimitgliedern erlauben wird, in die Jewish Agency einzutreten." Diese Meldung muß zu größten Bedenken Anlaß geben. Nicht so sehr die Tatsache erscheint auffallend, daß das nichtzionistische österreichische Judentum zur Jewish Agency herangezogen werden soll — das ist vielmehr ganz löblich, wenn man es - auch um seine Bereitwilligkeit noch nicht gefragt hat —, als die Art und Weise, in welcher hier von angeblich Berufenen, in Wahrheit Unberufenen vorgegangen wird. Es wird da der Vorgang wiederholt, der immer wieder zu beobachten war, wenn Jüdischnationale sich als unerbetene Interessenvertreter des österreichischen Judentums aufspielten. Man erinnert sich noch des famosen Minderheitenkongresses in Genf, wo Jüdischnationale unsere Gemeinschaft zu vertreten vorgaben, ohne eine Legitimation hierzu erhalten zu haben. Aehnlich wird auch hier gewirtschaftet. Ein „von der Zionistischen Exekutive (also der höchsten jüdischen Instanz!) ernanntes Komitee" arbeitet in Oesterreich. Es hat sogar „bereits mehrere Sitzungen abgehalten." Zu welchem Zwecke? Man sollte meinen, daß es Hauptaufgabe dieses im übrigen anonymen Komitees wäre, sich mit jener Korporation ins Einvernehmen zu setzen, die das nichtzionistische österreichische Judentum mindestens mit dem gleichen Rechte vertritt wie die österreichische zionistische Landesorganisation die österreichischen Zionisten. Das ist aber nicht geschehen. Vielmehr hat man es, wenn die von der I. T. A. verbreitete Notiz auf Richtigkeit beruht, für gut befunden, einen anderen Weg zu gehen. Es soll hier kein Wort gegen die Bnei-Brith- Logen gesagt werden, die ja schließlich auch nur der angegangene, nicht der aktive Teil sind. Ihr edles Werk ist so erhaben, daß jede Kritik schweigen muß. Aber, soviel wir wissen, sind die Bnei- Brith-Logen unpolitisch, in ihnen sitzen Zionisten wie Nichtzionisten. (Es ist z. B. interessant, daß der nach der I. T. A.-Meldung als nichtzionistischer Repräsentant ausersehene greise Prof. Siegmund Freud noch vor wenigen Jahren von der seligen „Morgenzeitung" in einer Polemik gegen die „Union" zu Unrecht als Jüdischnationaler reklamiert wurde.) In diesem allgemeinen Rahmen den Vertreter einer bestimmten jüdischen Richtung zu suchen, wäre unseres Erachtens sehr riskant, hieße auch, einen Keil in die bisher vollkommen unpolitische Vereinigung treiben. Noch krasser liegen die Verhältnisse bei den Sozialdemokraten. Ihnen ist, man kann es ruhig sagen, alles Jüdische fremd. Auch zum Palästinaaufbau haben sie nie besonders positiv Stellung genommen, zum mindesten war ihre Stellung hier mehr als zwiespältig. Deshalb wohl auch die feine Einschränkung der Meldung, daß „es noch nicht feststeht, ob die Partei führenden Mitgliedern erlauben wird, in die Jewish Agency einzutreten." Dennoch erscheint dem mysteriösen Komitee diese Fühlungnahme wichtiger als die mit einer jüdischen nichtzionistischen Korporation. Und das ist bezeichnend für die Art, wie hier vorgegangen wird. Ohne kompetente Stellen zu fragen, maßt man sich Rechte mit einer Leichtfertigkeit an, wie man sie bei unseren Zionisten nachgerade schon gewöhnt ist. Das bedeutet aber nicht, daß man sich dieses Vorgehen auch schon gefallen lassen muß. In Deutschland hat die große liberale Vereinigung nach reiflicher Erwägung und eingehenden Beratungen die Teilnahme an der Jewish Agency aus prinzipiellen Gründen abgelehnt. Wir wollen nicht sagen, daß das österreichische nichtzionistische Judentum zu einer gleichen folgenschweren Entschließung kommen würde. Aber gefragt muß es werden! Es dürfen eben nicht im Wege des Oktroys Vertreter eingesetzt werden, die eine Richtung repräsentieren sollen, deren wahre Repräsentanten übergangen wurden! Die Sache ist gut, sie soll nicht durch Unberufene schlecht gemacht werden. Caveant consules! UNION DEUTSCHÖSTERREICHISCHER JUDEN, Ortsgruppe Floridsdorf. Dienstag, den 12. März 1929, 8 Uhr abend«, findet im Cafe-Restaurant »Goldener Engel", XXI. Am Spitz 3, dir zweite Sprechabend der Ortsgruppe Floridsdorf statt. Thema: Strafrecht, Menschensdiutz und Tierschatz in der Bibel. Vortrag gehalten von Rechtsanwalt Dr. Karl Steiner. Gäste, audi Damen, willkommen! Dr Ju||J£ Orünwald m. p.