Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 10 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE WAHfeHfitt KAUF UND VERKAUF VON REALITÄTEN JEDER ART SOWIE ÜBERNAHME VON HAUSVERWALTUNGEN DURCH ARCHITEKT HERH/1NN EBENSFflNQER WIEN IX., LATSCHKAGASSE A / TEL. A16-5-15 Auffassung des Berufes einer Universität unvereinbar. Die von den Budapester Rassenschützlern selbstverständlich in bestimmten Zwischenräumen mit bewährter Akuratesse vorbereiteten und ausgeführten Ueberfälle auf jüdische Studenten haben diesmal an der Hochschule für Tierarzneikunde stattgefunden. Selbstverständlich hat der Rektor der Hochschule sofort erklärt, es werde eine strenge Untersuchung eingeleitet werden, um festzustellen, wer die Täter waren. Selbstverständlich ergab sich wieder, daß man dieser nicht habhaft werden konnte und es sei selbstverständlich nur das eine gewiß, daß es wieder fremde Elemente waren, die sich, wie immer in solchen Fällen, auf unerklärbare Weise eingeschlichen hatten. Selbstverständlich wird der Unterrichtsminister auf eine nicht zu vermeidende Interpellation, die wie immer an ihn gerichtet werden wird, die selbstverständliche Antwort erteilen, die Regierung sei entschlossen, bei Wiederholung dieses bedauerlichen Exzesses selbstverständlich die schärfsten Maßnahmen anzuordnen. Und ebenso selbstverständlich erscheint es jedem unbefangenen Beurteiler der Vorgänge an den ungarischen Hochschulen, daß in absehbarer Zeit wieder zehn bis zwanzig Strolche einzelne jüdische Studenten an einer ungarischen Hochschule überfallen und sie mißhandeln werden, ohne dafür exemplarisch bestraft zu werden. Ego. 40 Semester Jüdisch-Akademischer Philosophenverein. Anläßlich des 40semestrigen Stiftungsfestes des Jüd-Akad. Philcsoplienvcreincs fand Mittwoch, den 13. v. M., abends, im kleinen Festsaal der Universität zu Wien eine.' Feier statt. Den Ehrenvorsitz führte der Förderer dieser Vereinigung. Herr Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter. Nach Begrüßung der erschienenen Ehrengäste, insbesondere Seiner Magnifizenz des Herrn Rektors Prof. Dr. Th. I n n i t z e r, des Herrn Präsidenten der fsr. Kultusgemeinde Prof. Dr. Alois Pick, des Präsidenten der zionistischen Landesorganisation Dr. Leo Goldhammer, sowie der zahlreich erschienenen Universitätsprofessoren legte der Obmann cancl. phil. und ing. Philipp PickhoJz die Grib> dungsgeschlchte, Tätigkeit und die Ziele des» Vereines dar. Herauf ergriff Herr Hofrat Prof. Dr. Frankfurter das Wort zu einer warmempfundenen Ansprache, die in einem Appell an die jüdische Studentenschaft gipfelte, stets den Zusammenhang mit der Universität und dem Lehrkörper zu wahren. Als Vorbild empfahl er jene jüdischen Professoren, die in der Ruhmenshalle der Universität ihren Ehrenplatz gefunden haben. Nach den Ausführungen des Herrn Hofrat Frankfurter, die in der Studentenschaft starken Widerhall fanden, würdigte der Rektor in gewinnenden Worten die wissenschaftliche Begeisterung der jüdischen Studentenschaft, die ihr und ihrem Volke zur Ehre gereicht. Er betonte, daß die jüdische Studentenschaft den akademischen Behörden als e i n E1 ement der Rühe und Ordnung bekannt ist. Im Namen der jüdischen Studentenschaft Oesterreichs gratulierte der Präses D. ßukspann. der darauf hinwies, daß die jüdische Studentenschaft trotz der materiellen Not sich von ihrem vorgesteckten Ziele nicht abdrängen lasse. Den würdigen Abschluß fand die Feier in den überaus geistvollen Ausführungen des Herrn Dozenten Dr. Oswald Schwarz in seiner Festrede Uber das Thema „Die Philosophie des Geistes als Philosophie der Natur," in dem die Beziehung zwischen Medizin und Philosophie im Rahmen der Unversitas literarum dargestellt wurde und die bei der gespannten Zuhörerschaft lebhaften Beifall erntete. Am 16. v. M. fand ein Repräsentationsabend des Jüd.- Akad. Philosophenvereines im Palais Ratibor statt. Bei der Festakademitö wirkten mit: Frl. Margarethe Bach (Rezitationen), Frk Hilde Holger (Tanz), Herr Prof. Josef Zvmb- 1 e r (ViolinsoÜ), Herr Marko T r a j a n (Tanz). Stürmisch akklamiert erschienen Seine Magnifizenz der Rektor der Universität Dr. Prof. Th. I n n i t z e r. Seine Spektabilität der Dekan der phil. Fakultät Prot. Dr. Oswald Mengh i n, Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter, vom Präsidium der Isr. Kultusgemeinde Dr. Jakob Ornstein und Herr Rabbiner Dn. David Feuchtwang, das Präsidium des Hochschulausschusses. Die Mitglieder der einzelnen jüdisch-akademischen Verbindungen erschienen in Wichs und Farben. Das 40semestrige Jubiläum des Jüdisch-Akademischen Philosophenvereines in Wien hat mit dem am 23. Februar im Festsaal des Hotel de France abgehaltenen Festkommers, der einen glänzenden Verlauf genommen hatte, seinen schönen Abschluß gefunden. Der Obmann des J. A. Ph. V. cand. ing. et phil. Philipp Pickholz konnte unter den Erschienenen begrüßen: den Dekan der phil. Fakultät Herrn Prof. Dr. M e n g hin, den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Prof. Doktor Pick, sowie die Vizepräsidenten Herrn Dr. Jakob O r liste i n und Herrn Dr. Josef Löwenherz, den Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees Herrn Dr. Leo Goldhammer, die Umversitätsprofessoren Max E i s 1 e r, Hofrat Frankfurter: und Geiger, den Rabbiner Herrn Dr. Feuchtwang, Herrn Regie.rungsrat Fuchsgelb, sowie die Vertreter sämtlicher Wiener jüdischen akademischen Verbindungen und Vereine und die Vertreterin der jüdischen Studentenschaft in Graz. Herr Hofrat Frankfurter übernahm den Ehrenvor&itz und erteilte den einzelnen Rednern das Wort, Der Dekan Herr Prof, Dr. M e n.g h i n knüpfte an die vom Rektor i!n der Festversammlung gebrauchten Worte an. daß die jüdische Studentenschaft an der Wiener Aula jenes Element darstelle, welches die Ruhe und Ordnung an derselben gewährleiste, und forderte die jüdische Akademikerschaft auf, unter Wahrung ihrer Interessen sich mit Hingebung dem Studium zu widmen, denn nur ein ganzer Mensch könne dem eigenen Volke und dem Staate, in dessen Mitte er lebe, dienen. Herr Prof. Dr. Pick bezeichnete den Jüdischen Philosophenverein als seinen Liebling, weil dieser geeignet erscheine, infolge des Idealismus, der zur Ergreifung eines abstrakten wissenschaftlichen Berufes notwendig ist. den jungen Menschen dazu zu bringen, die höchsten Stufen der Humanität zu erklimmen. Herr Prof. Ei sie r brachte in seiner geistreichen und schwungvollen Rede das Bedauern zum Ausdruck, daß mit dem Aufkommen des Nationalismus nicht nur zwischen jüdischer und. nicht jüdischer Studentenschaft, sondern auch zwischen der jüdischenStudenfenschaft selbst sich eineWand aufgerichtet hat. Er forderte die Akadenrikerschaft auf, zum Abbau dieser Scheidewand sich die Hand zu reichen Nachdem noch Herr Prof. Geiger und Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang ihre Glückwünsche dargebracht hatten, schloß Hofrat Frankfurter den offiziellen Teil und alle Erschienenen verblieben noch während des inoffizidlen Teiles, bei dem besonders der Dekan Prof. Dr. Menghin durch geistreiche, mSt Humor gehaltene Reden zur Erheiterung am meisten beitrug. AOÜDAS JISBOEL JDOEKDORUPFE XX., Obere DonauatraJBe 69 EINLADUNG zu der am Montag-, den 26. März 1929, punkt Va9 Uh' abends, im Festsaale des „Hotel Post", I, Fleischmarkt 24 (Eingang I., Drachengasse 3) stattfindenden ■»UR1MI - VERANSTAKtUMG Karten (Damen und Hetren) sind allabtndlich im Lokale de Jugendgruppe, II., Floßgasse 1, Telephon R 45-7-47, zu babenr Karten rcditeeilltf *i«f»«e**M»?