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Die Wahrheit · 1929-03-08 · Heft 10 (8.3.1929) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 10 (8.3.1929)
Date
1929-03-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT vieler meiner Kollegen, die ängstlich bestrebt sind, ihre Wohltaten stes geheim zu halten, auch dann, wenn ihr Beitrag allein das Bestehen des in Betracht kommenden Werkes gewährleistet, habe ich immer darauf gesehen, daß im Zusammenhang mit meinen Gaben auch andere Quellen aufgeführt werden, die mir beweisen, daß nicht allem mein Wunsch, als Wohltäter zu glänzen, meine Nachgiebigkeit oder mein persönliches Interesse die Lösung einer Schwierigkeit überhaupt erst ermöglicht." Oft wurde Rosenwald nach dem Grund 9einer ständigen Weigerung gefragt, an dem Palästinaaufbau teilzunehmen. Oft wurde er von berufenen jüdischen Führern darauf hingewiesen, daß diese ständige Weigerung nicht mit seinen Grundsätzen in Einklang zu bringen sei. Aber niemand konnte ihn überzeugen, daß Amerikas .erster Wohltäter ebenso wie andere für den Wiederaufbau Palästinas beizutragen habe. Er hat zwar für zahlreiche Einzeleinrichtungen in Palästina gespendet, aber niemals auch nur einen Cent für das Gesamthiliswerk. Nach seinem Gefühl müßte, wenn der Zionismus wirklich den Willen der Massen nach einer Heimstätte darstellt, auch die Hilfe von den Massen kommen. Rosenwald würde sicher — auch als entschiedener Nichtzionist — eine große Summe für Palästina geben> unter der Bedingung, daß innerhalb einer bestimmten Zeit ein Riesenbetrag aufgebracht würde, der das genügende Interesse der großen Masse ausdrückte. Seinem Gefühl nach haben aber gerade die Zionisten selbst im Verhältnis zu ihrer Zahl ihr eigenes Aufbauwerk noch nicht genügend unterstützt. Man mag mit dem reichsten Juden der Welt in dieser Frage übereinstimmen oder nicht — sie kennzeichnet auf alle Fälle, daß er eben nicht einfach „gibt", sondern daß er sich in allen jüdischen Fragen eine eigene Meinung zu bilden sucht. Anderseits spendet Rosenwald Millionen für die jüdischen Koloniisationsbestrebungen in Rußland, weil er fiest davon überzeugt ist, daß dies das einzige Mittel sei, um den unglücklichen Juden in Rußland zu helfen. In letzter Zeit hat Rosenwald eine neue und gewissermaßen revolutionäre Idee in sein Wohltätigkeitssystem gebracht. Er besteht darauf, daß seine Spenden für Einrichtungen und Anstalten innerhalb eines gegebenen Zeitraumes (meist innerhalb 20 Jahren) von den Empfängern auch aufgebraucht werden. Mit anderen Worten, er meint, jede Generation solle für sich selbst sorgen. Er verhindert, daß Geld auf ewig angelegt werde, er will nicht, daß die Zukunft mit Entscheidungen der Vergangenheit belastet wird. Seine Absicht betont die Vergänglichkeit alles menschlichen Tuns und beschränkt sein Programm auf einen Umfang, den er auch selbst übersehen kann.. Für alle die, welche diesen Standpunkt für gefährlich halten und darin die Störung einer steten Entwicklung sehen, die ihm vorwerfen, daß nach seiner Absicht jedes Geschlecht von vorne beginnen müsse, hat Rosenwald nur eine Antwort: „Verschafft Euren Zeitgenossen bessere Entwicklungsmöglichkeiten, dann schafft Ihr automatisch die Grundlage für eine bessere Zukunft!" Ob er recht behalten wird* darauf kann allein die Zukunft eine Antwort geben . . . Nach dem „Jewish Exponent. Ein Pogrom vor Gericht. Der kürzlich zu Ende geführte Prozeß gegen die Pobediner Pogromhelden, die in den ersten Oktobertagen des vorigen Jahres ein Kirchweihfest nicht würdiger als durch eine vollständige Demolierung der einige hundert Meter vom Dorfe entfernten kleinen Zigeunersiedlung und einem schrecklichen Blutbade unter deren Bewohner zu beenden wußten, warf ein grelles Licht auf die unhaltbare Lage der Zigeuner. Juden und Zigeuner werden des öfteren wegen mancher Aehnlichkeit ihres Schicksales in einem Atem genannt. Diese Analogie — so oberflächlich und unzutreffend sie auch sein mag — mußte uns auch wieder in jenem Prozesse zum Bewußtsein kommen, wo ein Kapitel aus der Leidensgeschichte dieses Völkchens der großen Oeffentlichkeit vor Augen geführt wurde. msmmmmmsmmmmmmmmmmammm § CENTRALKINO sS3 Wien II., TaborstraBe 8 - Tai. R 43-3-41 ■ 4. Woche prolongiert! I Qrela Garbo I in H Die Dame von logc Nr 131 Beginn der Vorstellungen: 7a6, l/48 und 9 Uhr Die aus wenigen Familien bestehende in einem elenden Ghetto zusammengepferchte Zigeunergemeinde von Pobedin — es handelt sich um ehrliche Menschen, wie vor Gericht von den Gendarmen angegeben wurde — die keine Felder und Böden besitzen und nur auf die harte Steinklopferarbeit angewiesen sind, waren den eingesessenen Slowaken seit jeher ein Dorn im Auge. Die von Jugend anerzogene Eigenüberhebung, ein auf die niedrigsten Instinkte abgestellter, der slowakischen Bevölkerung in Fleisch und Blut übergegangener Haß gegen die Fremdstämmigen, hatte schon seit jeher die Spannung zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen in „gebührender" Stärke aufrechtzuerhalten vermocht. Daß die einheimische, wirtschaftlich überlegene Bevölkerung dabei nie den Kürzeren gezogen haben mag, ist wohl selbstverständlich, die Märtyrerrolle, in die sich die Pogromhelden vor Gericht verkrochen, gebührt in Wirklichkeit eher den Zigeunern und nicht den reichen Bauern. Diese hatten allerdings einen schwereren Stand als ihre Ahnen im Mittelalter, keine Inquisition kommt ihnen zu Hilfe, man kann nicht mehr ein Volk von 700.000 Menschen durch ein Dekret als vogelfrei stempeln. Ein Mittel, um sich der lästigen Andersartigen zu entledigen, hat sich in seinem ganzen Umfange bis in unsere neuzeitlichen Tage gerettet: der Pogrom. Was sich noch vor einem Jahrzehnt in unzähligen Städten und Dörfern Polens, Weißrußlands und der Ukraine abgespielt hatte, das hat sich hier, wenn auch nur en miniature, wiederholt. Fanatisierte Massen haben eine Menschensiedlung überfallen und wehrlose Leute mit Hacken, Beilen, Schießwaffen u. dgl. ins Jenseits befördert, ihre Häuser bis ins Kleinste demoliert, grausam Leichen verstümmelt, selbst vor einem fünfjährigen schwachen Kinde nicht Halt gemacht. Einen Strohschober hatte man Tags zuvor in Brand gesteckt, um die Erbitterung der Dorfbewohnerschaft berechtigt erscheinen zu lassen — bei Juden genügte in ähnlichen Fällen das bloße Verschwindenlassen eines christlichen Kindes — und hatte also den allerbesten Anlaß, das Kirchweihfest würdig zu beschließen. Was uns auffällt — und auch hier wieder die völlige Uebereinstimmung mit den jüdischen Pogromen, wenn auch fast keiner von ihnen ein ordentliches Gericht beschäftigte und darum ihre Initiatoren noch heute straflos umherlaufen — ist die erbärmliche Feigheit, mit der hier zu Werke gegangen wurde: eine erhebliche Uebermacht stürzt sich bei

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