Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 9 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 D*E WAHfffiEtt Wodu&eiim Ueberall sind sie gleich. Die Warschauer Tageszeitung „Der Ju d" veröffentlicht unter anderem naeiisteiiende Aeui»erungen des Herrn 6. T s c h e r n o v i t s, Delegierter der Londoner Keren-Hajessod-Zentrale für Polen: Sehr zu bedauern ist die Gleichgültigkeit der zionistischen Führer in Polen gegenüber den Palästina- Interessen. Auf ailen Kongressen und Sitzungen des zionistischen Aktionskomitees kämpfen sie gegen die „Verfälschung des Zionismus" durch die Jewish Agency und treten für einen „reinen Zionismus" ein. Und sie selbst? Sehr weit entfernt sind sie von dem „reinen Zionismus". Sie mißbrauchen den Namen Zion, sie nutzen ihn aus, um Mandate im Parlament und Senat zu erschleichen, nützen ihn aus, um Kämpfe auszufechten in Angelegenheiten, welche in gar keinem Zusammenhang zum Zionismus stehen, und fühlen gar nicht die Verantwortung, daß sie nur als jüdische Vertreter entsendet wurden, um für Palästina-Angelegenheiten zu arbeiten. Zehn Jahre sind vergangen, seit Polen seine Unabhängigkeit erlangte. Die ganze Zeit haben die Zionisten eine direkte Vertretung in allen offiziellen Körperschaften. Können sie aber irgend welche Leistung aufweisen? Würden sie hingegen im Interesse Palästinas gearbeitet haben, könnten sie sicher auf große Ergebnisse hinweisen. Die jüdische Bevölkerung Polens hat jedes Interesse an solchen Vertretern verloren, weiche nur Reden ausnützen wollen, und das Interessanteste daran ist, daß, je mehr sie reden, sie sich um so mehr streiten und unaufhörliche Polemiken u. dgl. führen . . . . So urteilt der gut Eingeweihte. Eine Seventh Dominion League in London. Unter dem Vorsitz des Unterhausmitgliedes Colone! Josiah Wedgwood wurde im Sitzungssaal des Unterhauses kürzlich eine Beratung abgehalten, in der beschlossen wurde, eine energische Aktion zur Vereinigung der britischen und jüdischen Interessen in Palästina einzuleiten. Eine Liga wurde gebildet, die für die Umwandlung Palästinas in ein (siebentes) englisches Dominion tätig sein soll. Hauptziel der Liga ist es, die Entwicklung Palästinas als das Nationalheim des jüdischen Volkes zu fördern und sich zu diesem Zwecke der Mitarbeit des jüdischen Volkes wie der britischen Administration zu versichern. Diese Arbeit ist in einer Weise zu führen, daß bei Ablauf des britischen Mandates für Palästina Bedingungen im Lande bestehen, die es der Bevölkerung gestatten, den Status eines sich selbst regierenden Dominions innerhalb des britischen Staatenbundes (British Commonwealth of Nations) zu wählen. Die Liga vereinigt Personen, die in dem Auibau Palästinas das gemeinsame britische und jüdische Interesse im Auge haben. Anstoß zur Bewegung für die Umwandlung Palästinas in ein britisches Dominion gab Wedgwoods Buch „The Seventh Dominion", das eine große Verbreitung gefunden hat. Staatszuschüsse für jüdische Kultur in Lettland. Die iettländische Regierung bewilligte 15.000 Dollar für die kulturellen Bedürfnisse der jüdischen Minderheit, davon 6000 Dollar für das jüdische Theater, 6000 Dollar für das Qewerbeschulwesen und 3000 Dollar für die jüdischen pädagogischen Kurse. Gleichberechtigung in der Türkei. Das türkische Innenministerium veröffentlicht die folgende Erklärung: Innerhalb der Grenzen der türkischen Republik genießen alle Bürger die gleichen Rechte. In der Anwendung der Gesetze erfahren die Juden keine andere Behandlung als die anderen türkischen Staatsbürger. Das Gerücht über den Ausschluß von Juden aus den Staatsverwaltungsräten entbehrt jeder Grundlage. In den Provinzen Jstambul, Edirne. Izmir. Kürklareli usw. erhalten die jüdischen Schulen von den lokalen Verwaltungsbehörden finanzielle Unterstützungen. Kirchenstaat und Juden. Rev. Wiltred Parsous. Herausgeber des „American Catholic Weekiy'\ gab der l.T.A.-Telegraphen-Agentur eine von maßgebender katholischer Seite gebilligte Mitteilung des Inhalts, daß durch das neue Abkommen zwischen Vatikan und dem Königreich Italien, durch welches die künftigen Beziehungen zwischen der Kirche und dem italienischen Staate geregelt und der römische Kirchenstaat wieder errichtet wird, an der Stellung der jüdischen Bevölkerung Italiens nichts geändert wird. Auf die Frage, ob. wie aus katholischen Kreisen mitgeteilt wurde, das Konkordat die Wiedereinführung des Canon in Italien vorsieht (das kanonische Gesetz enthält Ausnahmeverfügungen gegen die Juden), erklärte Rev. Wilfred Parsons, daß nur wenige Bestimmungen des alten kanonischen (iesetzes jetzt wieder in Geltung kommen. Diese Bestimmungen betreffen nur Angelegenheiten des Unterrichtes, der Ehe und der kirchlichen Besitztümer. Laut dem Abkommen ist der katholische Religionsunterricht in den italienischen Staatsschulen obligatorisch, dies war aber in Italien auch vor Abschluß des Konkordates der Fall. Jüdische Eltern haben aber das Recht, die Befreiung ihrer Kinder vom katholischen Religionsunterricht zu fordern. Die Juden Italiens hatten nach einer langen Periode der Unterdrückung unter den Päpsten durch Napoleon I., der die Macht der Päpste brach, ihre Gleichberechtigung erlangt. Die italienischen Juden sandten vier Deputierte zu dem 1807 von Napoleon nach Paris einberufenen Synhedrion. Nach Napoleons Niederbruch führte Papst Pius VII. die Inquisition wieder ein, es begann eine neue Zeit der Unterdrückung der Juden, die wieder in Ghettos eingesperrt wurden. Die Revolution 1848 brachte den Juden Erleichterungen. Es folgte aber eine neue Periode der Reaktion. Als 1859 die Papst-Staaten aufgehoben und das vereinigte Italien geschaffen wurde, erhielten die Juden Italiens ihre volle Gleichberechtigung. Eine Ausnahme machte der Kirchenstaat Rom, wo die Unterdrückungsherrschaft gegen die Juden bis zum Ende der Papstherrschaft, 20. September 1870. andauerte. Die schönsten Frauen Europas — Jüdinnen. Nicht Schönheit des Antlitzes und Körpers sind nach jüdischer Auffassung maßgebend bei der Wertschätzung der jüdischen Frau, wie denn überhaupt die gegenwärtige Bewegung, die schönste Frau der Welt aus ihren Geschlechtsgenossinnen auszuwählen, nur als Symptom der heutigen Mentalität weiter Kreise gewertet werden kann. Für uns ist es dabei allein interessant festzustellen, daß zwei jüdische Mädchen gerade die Länder vertreten, deren „goldene Jujrend" die männlichen Alters- und Glaubensgenossen der Schönheitsköniginnen bis aufs Blut peinigt, nämlich Oesterreich und Ungarn. Der Jude ist nach den berüchtigten „Waidhofener Beschlüssen" in Oesterreich aller Ehre bar und nicht satisfaktionsfähig; in Ungarn wiederum hat man die jüdische Intelligenz durch den Numerus clausus gefesselt. Je nun. ein echter österreichischer oder ungarischer Mann kann halt keinen Juden leiden: doch ihre Töchter wählt er gern . . . Ein Monarch in der Cbewra Kadischa. Ein vielleicht einzig dastehendes Kuriosum ist es, daß im vorigen Jahrhundert ein Christ Mitglied einer NEUERÖFFNETE REICHHALTIGE, MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DER BÜCHERSTUBE M. RATH WIEN II., TABORSTRASSE Nr. 20a TEL R 43-1-38 ALLE NEUERSCHEINUNGEN I REICHE AUSWAHL IN HiBRAIKA UNO JUOAIKA In englisoher und französischer Literatur MONATSGEBUHR NUR S 3- KEINE BANDGEBOHR! TÄGLICHER UMTAUSCH)