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Die Wahrheit · 1929-03-01 · Heft 9 (1.3.1929) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 9 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 DIE *ÄHfiHfeif kosten' für die zionistische Jdee zu stürzen. Es gibt vielleicht sentimentale Engländer, aber Englaud ist sehr realistisch und auf sich bedacht. Es weiß natürlich ganz genau, warum es die Angelegenheii so arrangiert hat. daß ihm das Mandat über Palästina gegeben wurde. Dieses Land ist für das Britische Reich ein außerordentlich wichtiger Stützpunkt, politisch und strategisch im Hinblick aui das Mittelmeer. auf Aegypten, den Vorderen Orient und Indien. Aber da!J es dieser Stützpunkt sei. setzt auch die Ausführung einiger großen Projekte voraus. Sie sollen nun tatsächlicli in Angriff genommen werden. Es handelt sich zunächst um die Pipe-Linie von Mossul her. Die Franzosen haben gewünscht, daß sie nach Alexandrette gelegt werde, die Engländer verlangten als Endpunkt Haifa. Nachdem die Schiebungen in der Verteilung des Einflusses aui die '1 urkish-Petrol-Company zu einem Abschlüsse gelangt sind, hat sich diese üesellschait für Haifa entschieden. Außerdem soll nun auch die Bahn Haifa—Bagdad in Angriff genommen werden. Das sind zwei große Unternehmungen, die nicht nur dem palästinensischen Hafen von Haifa Bedeutung geben, sondern auch, sowohl durch den Bau selber wie nachher, zur wirtschaftlichen Belebung des Landes erheblich beitragen können. Indem England seine eigenen Pläne ausführt, leistet es also doch auch den zionistischen Bestrebungen eine indirekte Beihilfe. Hinzu kommt di^ Neugestaltung der Jewish Agency. Die Balfour-Deklaration hat der gesamten Judenheit ein Anrecht auf Palästina zugesprochen und sie hat vorgesehen, daß eine Vertretung aller Juden als Jewish Agency über das zu errichtende „Nationalheim" mitbestimmen solle. Da aber nur eine Gruppe, die zionistische, die Deklaration gewünscht hatte, hat das Palästina-Mandat die zionistische Organisation als die Agency anerkannt. Das war ein provisorischer Zustand nicht nur deshalb, weil er der Deklaration nicht entspricht, sondern noch mehr aus dem Grunde, weil die Ziooisten allein nicht imstande wären, Palästina umzubauen. Die Zionisten sind eine kleine Gruppe, sie machen nur einen ganz geringen Prozentsatz aller Juden aus, und auch die Mittel, die sie schon in Palästina investiert haben, stammen zum großen Teile von Nichtzionisten. Die überaus kritische Lage ihres Unternehmens in den letzten Jahren hat ihnen einen neuen Ansporn gegeben. Gruppen nichtzionistischer Juden zu interessieren. Das ist ihnen zunächst mit den Amerikanern gelungen. Die Marshall-Gruppe wird in die Jewish Agency eintreten, nachdem sich das zionistische Aktionskomitee mit den Abmachungen einverstanden erklärt hat. In der Debatte des Aktionskomitees hat die Neuerung, deren wichtigster Punkt die Sitze der Agency zu gleichen Teilen den Zionisten und den Nichtzionisten zuspricht, heftigen Widerstand bei den sogenannten Revisionisten (der Gruppe Jabotinski) gefunden. Sic sehen in der neuen Agency die Zerstörung der zionistischen Organisation und halten sie für einen Unsinn. Auch der Vizepräsident des Aktionskomitees, der Amerikaner Wise, sieht in dem Uebereinkommen einen Verzicht auf den Zionis- 1SRAELITISCHE KULTUSGEMEINDE ZAGREB. Palmoricgasse Nr. 16.___ G. Z. 40—1929. Prs—7 KONKURS In der Israelitischen Kultusgemeinde Zagreb ist die Stelle eines Oberkanlors zu besetzen. Offerte mit Zeugnisabschriften, Geburtsschein. Staatsbürgerschaftsurkunde nebst Angaben der Familienverhältnisse sind bis spätestens den 15. März d. J. anherzusenden. Zum Probevortrage werden bloß die hiezu ausdrücklich Berufenen zugelassen und bloß diesen werden die Reisekosten vergütet. Israelitische Kultusgemeinde Zagreb: Der Präsident: LS. Dr. Hugo Kon p. m. imis. Aber die große Mehrheit des Komitees hat die Abmachungen gebilligt, und es wird gar kein Hehl daraus gemacht, daß man hofft, nunmehr Geld zu bekommen. Die nächste Frage, abgesehen von den organisatorischen, ist die, ob es den Zionisten gelingen wird, auch die Juden anderer Länder, insbesondere die deutschen Nichtzionisten, für die neue Jewish Agency zu gewinnen. Eine Diskussion darüber hat schon begonnen. Einige Deutsche, die das Wojrt -ergriffen haben, weisen auf das Hemmnis der balfour-Deklaration hin und fordern, daß sie abgeändert werde. Es ist nicht zu erwarten, daß man diese rorderung erfüllen werde, aber es läßt sich allerdings nicht bestreiten, daß die großen Schwierigkeiten, die der Zionismus den andersgesinnten Juden bereitet, hauptsächlich von der Balfour-Deklaiation, nämlich von der Bestimmung herrühren, dafj in Palästina das „Nationalheim für das jüdische Volk" errichiet werden soll. Wenn diese Bestimmung nicht existierte, wäre die Sache, soweit es sich um das Grundsächliche handelt, verhältnismäßig einfach. Niemand brauchte etwas dagegen zu haben, daß in Palästina Juden angesiedelt werden, im Gegenteil, Kolonisation und Aufbau würden einhellige Beurteilung finden, und wir wüßten auch nicht, was gegen den Versuch, in Palästina eine neue jüdische Kultur ins Leben zu rufen, einzuwenden wäre, außer etwa das eine, daß man ihn skeptisch betrachten kann. Man hat ja auch überall anerkannt, daß die Zionisten. obgleich sie viele Fehler begingen, in Palästina etwas geleistet haben, und man hat allen Respekt vor der Energie und der Opferbereitschaft der jungen Pioniere. Aber die Deklaration ist nun einmal da, sie wird auch voraussichtlich nicht abgeändert werden, und hier liegt die entscheidende Schwierigkeit. Manche deutschen Juden, die keine Zionisten sind, glauben, sie durch eine private Gegendeklaration umgehen zu können. Sie sagen etwa, die Erklärung der Balfour-Deklaration, daß die rechtliche Stellung der Juden in ihren Heimatländern unverändert bleiben solle, genüge nicht: sie würden mit der ausgesprochenen und von den Zionisten anzuerkennenden Gesinnung in die Agency gehen, daß sie nicht nur rechtlich, sondern auch volklich Mitglieder ihrer Heimatländer blieben und sich nicht als Glieder eines jüdischen Volkes betrachteten, dessen Nationalheim Palästina wäre. Diese deutschen Juden wollen also betonen, daß ihre Mitarbeit im Rahmen der Agency keine Anerkennung der Phraseologie der Balfour-Deklaration außerhalb Palästinas bedeute. Ihr Standpunkt ist dieser: Palästina ein Nationalheim für diejenigen, die dort national leben wollen, im übrigen nationale, geistige, religiöse und rechtliche Unabhängigkeit in der Diaspora. Die Zionisten würden sich mit dieser Stellungnahme sicherlich abfinden. Es fragt sich, ob die nichtzionistischen deutschen Juden selber erwarten dürften, mit einer solchen Grenzlinie genug getan zu haben. Wir haben nicht die Absicht, heute auf alle die Argumente zurückzukommen, die gegen den Zionismus sprechen. Aber das eine muß hervorgehoben werden, daß die Zionisten Vi'uiw^Ttlm 10. bis 16. Marz 1929 (Rotunde bis 17. März) SONDERVERANSTALTUNGEN: Internationale Automobil- und Motorrad-Ausstellung Technische Neuheiten und Erfindungen Kohlenmesse / Kunstseiden-Ausstellung Wiener-Pelzmode-Salon Bedarfsausstellung für das Gastwirte-, Hotel- und Kaffeehausgewerbe Reklamemesse Ausstellung für Nahrangs- und Genußmittel Bundesweinkost Bedeutende Fahrpreis-Ermäßigungen! Messeaasweise ä S 5.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft, Wien Vll., Messeplatz . 1 — Eintrittskarten (zum einmaligen Besuch der Rotunde oder des Messepalastes und der Neuen Burg) i S 2.— bei den Kassenschaltern der Messehäuser

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