Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 8 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT -..............■ •■■ ■ ■ - •■ VmWoeke zu IDockc Politik um jeden Preis. In der „Stimme" vom 14. d. M. versucht der aus dem letzten Kultuswahlkampf zur Genüge bekannte Herr Dr. N. M. Oelber einen Angriff gegen den Vorstand des Klucky-• Tempels (XX. Bezirk), weil dort nach seiner Angabe „keine Beträge für den Jüdischen Nationalfonds gespendet werden dürfen". An diese seine Feststellung knüpft er gehässige Vorwürfe gegen den Tempelvorstand, die natürlich nur politischen Hintergründe haben. Wie sich die Dinge in Wirklichkeit verhalten, geht aus folgender Darstellung hervor, die wir von informierter Seite bekamen: In dem Gotteshaus ist es seit Jahresfrist laut Vorstandsbeschluß gestattet, beim Aufruf nur einen Mischeberach oder bei besonderen Füllen höchstens zwei machen zu lassen, während Spenden nur ia Chalukka, das heißt zur Verteilung durch den Vorstand gemacht werden dürfen. Zu diesem Beschluß hat sich der Vorstand im Vorjahre veranlaßt gesehen, einerseits um die große Anzahl von Mischeberachs abzuschaffen und dadurch den Gottesdienst würdiger' zu gestalten, anderseits um das Einkommen des Tempels zu heben, denn es ist vorgekommen, daß jemand etwa acht Mischeberachs machen ließ, zirka 100 S. spendete, aber für das Gotteshaus nur 10 S. Daß an dem fraglichen Samstag der fungierende Kantor diesen Modus nicht beachtet hat, ist darauf zurückzuführen, daß dieser, wie er zur Entschuldigung sagte, im entscheidenden Augenblick nicht daran gedacht habe. Zu bemerken wäre noch, daß dieser Zustand selbst ein Uebergangsstadium zur völligen Abschaffung der Mischeberachs sein soll, damit nicht nur mir 15 bis 20 Prozent, sondern bedeutend mehr Mitglieder durch Spenden, welche im Sammelwege eingehoben werden, zur Erhaltung des Gotteshauses beitragen. Hiervon wurden sämtliche Mitglieder im September v. J. durch Zirkulare verständigt, was selbstverständlich Herr Dr. Gelber, der bezirksfrernd ist. nicht wissen konnte. Es ist also nicht richtig, daß gerade dem Keren Kajemeth im Brigittenauer Tempelverein keine Spenden gemacht werden dürfen. Israelitische Kinderbewahranstalt des Vereines „W o h 1 f a h r t". Zugunsten dieser edlen Institution veranstaltete der rührige Vorstand Sonntag, den 17. d. M., eine Nachmittagsvorstellung im „D e u tsehen Volkstheate r". Zur Aufführung gelangte das gelungene Lustspiel „Meine liebe dumme Mama" von Ludwig Nerz und Louise Maria Mayer. Das Ensemble des Theaters, vornehmlich die Damen Stuckering und Ullrich und die Herren Horama und O 1 d e n, war mit besonderem Eifer und Spielfreude bei der Sache. Dem humanitären Zwecke ist durch die ausverkaufte Vorstellung ein schöner Reingewinn zugeflossen. Die beste Wiener jüdische Gesellschaft war anwesend; unter anderen bemerkte man das Gesamtpräsidium der Kultusgemeinde und eine Anzahl Kultus- und Bethausvorsteher. Der Vorstand dankt allen, die erschienen sind, für ihre tätige Mithilfe zum Wohle der armen Kinder. Wiener-Neustadt. Am 18. d. M. iand das Leichenbegängnis des allseits geachteten Kaufmannes Herrn Gustav Maye r aus Ebenfurth statt. Der Verblichene war ein Jude, der an den Satzungen unserer Religion treu festhielt, und daher stand man vor einem Rätsel, als er sich im Jahre 1927 „konfessionslos" erklärte, dennoch aber weiter ein jüdisches Leben führte, den Sabbat durch Sperrung seines Ladens heiligte, die rituellen Speisegesetze streng beobachtete, seine Gebete täglich verrichtete usw. Der Oberrabbiner unserer Gemeinde Herr Dr. Heinrich Hillel Weiß erfuhr dies, suchte den damals bereits Leidenden auf und es gelang ihm. den Verblichenen, der im Geiste und in der Tat stets ein guter Jude geblieben war, zu bewegen, seine Konfessionsloserklärung zurückzuziehen. An seiner Bahre nahm Oberrabbiner Doktor Weiß in tiefbewegten Worten Abschied. Der greise Religionslehrer aus Ebenfurth Ignaz Mezei schilderte an Hand biblischer Zitate den Wohltätigkeitssinn des leider allzu früh Verblichenen. Im Namen der Chewra-Kadischa nahm Herr Vorsteher Samuel F r a n k 1 Abschied von dem Verstorbenen. ■nwmHwwnHiwiiwiiuiniwiHiiinHitwiiwwBB» StMt 13 fiieiilw Malst WIEN!., Seltenstettengass« 2 Tel. U 28-1-28 Xl.| Zentralfriedhof, neben dem l. Tor, Tel. U18-0-85 Generalversammlung. Sonntag, den 17. Februar fand unter dem Vorsitz des Präses Herrn Medizinalrates Dr. Jakob Deutsch die Generalversammlung des Vereines „Chewra Kadischa" für den XVI. und XVII. Bezirk statt. Der Vorsitzende erstattete einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Jahre, welcher von der Versammlung genehmigend zur Kenntnis genommen wurde. Ueber Antrag dos Revisors Herrn Alexander Goldblatt wurde dem Vorstande einstimmig das Absolutorium erteilt. Der Obmann der Bezirkskommission Herr Leopold Sitz mann sprach als Delegierter der Kultusgemeinde der Vereinsleitung für ihr ersprießliches Wirken den Dank und die Anerkennung aus. Hierauf wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die" Herren Medizinalrat Dr. Jakob Deutsch, Franz Goldstein, Solim K 1 a w i r, Edmund K o t a n y i und Hermann R a 11 i n per Akklamation wiedergewählt. Von der Wiener Produktenbörse. In der am 13. d. M. stattgehabten konstituierenden Sitzung der Wiener Produktenbörse wurde Kommerzialrat Hermann Reif, Präsident der Qetreide-Aktiengesellschaft, zum Präsidenten, und zum Kassenverwalter Herr Kommerzialrat Ludwig Rappeport gewählt. Der neugewählte Präsident dankte für das ihm durch die Wahl bekundete große Vertrauen und würdigte die hervorragenden Eigenschaften und die außerordentlichen Verdienste seines Vorgängers Hugo Häuser. Er gab sodann interessante programmatische Erklärungen über die Forderungen des legitimen Getreidehandels; Mit einem Appell an seinen Mitvorsitzenden, an den langjährigen Börsenkommissär Sektionsrat Doktor Reich m a n n und an den Generalsekretär Hofrat Dr. Alexander H o r o v i t z, ihm mit ihren großen Erfahrungen und reichem Wissen zur Seite zu stehen, schloß Präsident Hermann Reif seine Ansprache. Predigten in den israelitischen Gemeindetempeln. Freitag, den 22. Februar 1929 werden bei dem um 5 Uhr 30 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in folgenden Gemeindetempeln Predigten abgehalten, und zwar: IL, Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald): XVIIL, Schopenhauerstraße Nr. 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang). Im Gemeindetempel XXL, Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenman n) findet Samstag, den 23. Februar 1929 beim Morgengottesdienste (Beginn 8 Uhr 30 Minuten) ein exegetischer Vortrag statt. Dr. Isidor Reiniger — Medizinalrat. Der Bundespräsident hat den Wiener praktischen Arzt Dr. Isidor Reiniger zum Medizinalrat ernannt. Dr. Isidor Reiniger ist eine führende Persönlichkeit der Wiener Orthodoxie. Er stammt aus Mähren, absolvierte seine medizinischen Studien in Wien, woselbst er seit dem Jahre 1902 als praktischer Arzt tätig ist. Dr. Reiniger ist nicht nur ein bekannter Arzt, sondern auch ein Idealist im besten Sinne des Wortes, der seine freie Zeit dem Dienste der jüdischen Oeffentiichkeit widmet. So ward er bereits im Jahre 1902 der Schularzt der Wiener Talmud-Thora- Schule und er bekleidet dieses Ehrenamt mit vollem Pflichteifer unverdrossen und arbeitslustig, vollkommen uneigennützig, seit mehr als 25 Jahren. Das Oesundheitsamt hat -die