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Die Wahrheit · 1929-02-22 · Heft 8 (22.2.1929) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 8 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT innnnninimiiDimimnmmmni folglos. Es kam zu einem Ausgleich, bei dem der Geklagte mit einem blauen Auge davonkam. * * % Der Favoritner Strafrichter, Herr Landesgerichtsrat Dr. Langer, hat vielleicht mit Rücksicht auf die Basis seiner eigenen Existenz wie auf die Konfession des Klägers und des Geklagten nicht an jenes Wort des Neuen Testaments erinnert, das dem Beleidiger, der auf die rechte Backe geschlagen wurde, den Rat gibt, auch die linke zum Schlage hinzuhalten. Der Richter unterstützte seine Versöhnungsversuche mit gutem Bedacht nur durch das nicht so grenzenlos weitgehende Gebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", das er offenbar bloß aus dem Neuen Testament kennt. Er sagt nämlich zu dem Kläger gewendet: „Ich weiß nicht, ob es auch bei Ihnen Gebot ist, dem Sinne nach werden Sie aber sicher so eine Vorschrift in Ihrer Religion haben." Herr Landesgerichtsrat Dr. Langer hat inzwischen durch eine sehr zeitgemäße Zuschrift der „Union deut.schösterreiehisch'er Juden" erfahren, daß er getrost dem klägerischen Anwalt hätte zurufen dürfen: „Das Gebot ,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst' ist nicht nur dem Sinne nach, sondern wörtlich dem dritten Buch Moses (Levit.T9) entnommen und hat von dort aus seinen Weg in die katholische Religion genommen/1 * * * Da jedes Uebel auch eine gute Seite hat, wird man dem peinlichen Ehrenbeleidigungsprozeß auch das Gute nachsagen können, daß er dem Wohltätigkeitsfonds der Kultusgemeinde 100 S eintrug. Diese Buße hatte der beleidigte Anwalt zur unbedingten Bedingung des versöhnlichen Ausgleichs gemacht. Ein Tropfen angesichts des grauenhaften Elends, in dem tausende armer Juden in Wien schmachten, aber auch dieser Tropfen bedeutet ein Stück Brot. Freilich, wenn jeder häßliche „Saujud"-Schimpf den darbenden Juden 100 S brächte, würde es bald mit ihrer Not ein Ende haben. Ja, sie könnten vielleicht gar übermütig werden. Aber es ist gesorgt dafür, daß die B ä u m e, die so viel Glück spenden könnten, nicht in den Himmel wachsen. Ego. Kohlenhilfe durch die „Breckensammlung" für jüdische Arme H«lfet armen Familien und frierenden Kindern, spendet Geld, Kleider, Wäsche. Schuhe. Unendliches Leid und Schmelzen hat der strenge, lange Winter herbeigeführt! Helfet! „Brockensammlung" für jüdische Arme, IX., Universitätsstraße 4, Tel. A 25 106 Postspark.-Kto. Nr. 150.331 .........................iiiim———i Seite 9 Jfmtlicke Tlxlaidlarungen, cler/mielitisJimkiJt^^ Hilfsaktion anläßlich der Kältekatastrophe. Sofort nach Einbruch der großen Kälte, bevor sich noch der Kohlenmangel allgemein fühlbar machte, wurde von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien an Hand ihres Armenkatasters eine Kohlenverteilung an arme Familien vorgenommen. Bisher konnten fast 2000 bedürftige Familien mit 1 bis 2 Sack Kohle beliefert werden. Die infolge der Verkehrsverhältnisse und des Kohlenmangels unterbrochene Aktion wird so rasch als möglich fortgesetzt werden. Aus den der Kultusgemeinde zur Verfügung gestellten Restbeständen des „American Joint Distribution Commi tteV' wurde warme Wollwäsche an Erwachsene und ganz besonders an Kinder zur Verteilung gebracht. Durch diese Aktion werden gleichfalls nahezu 2000 Personen mit Kälteschutzmitteln versehen. Sämtlichen im Genüsse von monatlichen Unterstützungsbeiträgen stehenden Personen — fast 700 an der Zahl — wurde eine außerordentliche Beihilfe auf kurzem Wege zugemittelt. Für die Angestellten der fünf untersten Besoldungsklassen, die Pensionsparteien und die im Bezüge von Gnaden« gaben Stehenden wurden gleichfalls Geldaushilfen bewilligt. Diese Aktion erstreckt sich auf 340 Personen, bzw. Haushalte. Für die notleidenden jüdischen Studenten wurde im Wege des „Jüdischen Hochschulausschusses" für die Verteilung von Handunterstützungen in besonders dringenden Fällen ein Kredit bewilligt. Den alltäglich zahlreich in den Fürsorgeämtern der Kultusgemeinde erscheinenden Armen wird nach Prüfung der Bedürftigkeit und Würdigkeit durch Handunterstützungen und durch Zuteilung von Kleidern, Wäschestücken und Speisemarken Hilfe gebracht. In derVersorgungs- und Siechenanstalt der Israelitischen Kultusgemeinde beträgt durch die Aufstellung von Notbetten der Belag derzeit 336 Insassen. Im Spitale der Israelitischen Kultusgemeinde hat sich in den letzten Wochen die Durchschnittszahl der Patienten auf den Krankensälen um 30 Prozent gesteigert und eine besonders starke Frequenz weisen die Ambulatorien auf. Obgleich infolge der umfassenden Fürsorgetätigkeit der Israelitischen Kultusgemeinde deren Gebarung in den letzten Verwaltungsjahren mit einem Defizit abgeschlossen hat, wurden auch all diese durch die außerordentlichen Verhältnisse notwendig gewordenen Hilfsaktionen durchgeführt. An alle Gemeindemitglieder wurde im Wege eines Rundschreibens die dringende Bitte gerichtet, rasch und nach besten Kräften Spenden für die Notstandsaktionen der Kultusgemeinde zu widmen. Möge sich in diesen schweren Tagen kein Angehöriger der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde der Verpflichtung entziehen, sein Scherflein zu den so dringenden Hilfsaktionen der Kultusgemeinde beizutragen! MAVER und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern Wien II., Glockensasse 24 Telephon R 48-4-79 Klelder< Auch Detail verkauf zu Fabrikspreisen 1 Herrenanzug nach Maß auf Seide 5 200.— Herrenraglan n » » „ » ^JJ*""" Herrenhose „ „ „ „ , 4oV— feinst ausgeführt Zeitgemäße 2ahlun§»stedlnflvn««nl Kein Kauf&mansl Freie Beslchtiauna!

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