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Die Wahrheit · 1929-02-22 · Heft 8 (22.2.1929) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 8 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 fliniuiiiümmißmMmiimuHiimM niDnauiiHmmDmiuniiwninoiB X)IE WAHRHEIT brauchie. Das Eigenartige im Aufbau der Ausstellung tritt hier besonders hervor. Jeder resttag zeigt sich dem Beschauer als ein geschlossenes Ganzes. Und wer diese Räume durchwandert, läuft durch das ganze jüdische Jahr. Beobachtete man die Gesichter der Besucher, unter denen sich sehr viele befanden, die nicht unseres Stammes waren, so konnte man sehen, daß sie hier etwas Neues erlebten. Hier stieg ihnen eine andere Vorstellung vom Judentum auf, und wenn der Museumsgedanke heute fast überall, wo Juden wohnen, festen Fuß faßt, so beweist gerade diese Breslauer Ausstellung seinen doppelten Sinn: Uns selbst gibt er Vertiefung und Einkehr, den Menschen aber, unter denen wir leben, zeigt er, wie wir sind. Ein jüdischer Forschungsreisender. Dr. Walter Fuchs hat jüngst in der „Neuen Freien Presse'' einen interessanten Artikel über Abessiniens Vergangenheit und Gegenwart veröffentlicht. Es sei nun noch interessantes Jüdisches über Abessinien mitgeteilt. In den Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts kam nach Wien zum Prediger I.N.Mannheimer die sagenhafte Meldung vom Vorhandensein von Juden in Abessinien. Damals hatte Dr. Hermann Asche die medizinischen Studien in Wien vollendet und bot sich an, die Forschungsreise dorthin zu unternehmen. Im Hause des gastfreien k. k. landesbefugten Fabrikanten R. Friedmann, Jägerzeile 516 (heute Praterstraße 21), seine Fabrik stand am Braunhirschengrund, Schönerunner Hauptstraße (heute XIV., Schwendergasse 15), sammelte sich ein Kreis junger Medizin-Doktoren, darunter Dr. Asche und sein Freund, der nachmals in den Fünfziger- bis Neunzigerjahren sehr bekannte "Wiener Frauenarzt, stets hilfsbereite Dr. Adolf H o f f rn a n n, ein hervorragender Botaniker, sowie der spätere Schwiegersohn Friedmanns, der nachmalige Großkaufmann S. M. M a y e r. Letzterer unterstützte Dr. Asche durch den Reisekostenbeitrag von 150 Dukaten und 600 Mariatheresientalern, die dieser seinem vor 25 Jahren gegebenen Versprechen gemäß seinem Freunde Mayer bei einem ihn überraschenden Besuch aus Bagdad im Sommer 1870 in den gleichen Münzsorten zurückzahlte. Mit dieser Summe langte er für die zwei Jahre lang dauernde Forschungsreise aus. Es wäre interessant, damit vergleichen zu können, wieviel die ::n Alexander von Humboldt im Vereine mit o u g 1 a n d in den Jahren 1799 bis 1804 unter:.'s?oße „Reise in äquir-oktiale Gegenden des?;e :e; derte. Dr. Asche gh;g - rusalcm mit cinera heimers an d,.:i; Schwarz, der v über Palästina vcivi Bestrebungen Dr. Dr. Schwarz c;.;b V..: drien und Kairo mir. 10. Grad nördl. i;r,i! gen nicht von Lnok 3;:tinents" Auslagen eri< ••r.n im Jahre IS45 nach Je- . ' '■■ :!::.:;^':h-ciben Mannein groCa^eiegles Buch lachte, in dem er von den .•'■es : '}'..:) Ich erzählte. -;• ■-/■]vi::i)i räch Alcxan- .•' "0;c kam südlich bis zum {-•cii waren seine Bernühun- :krönt. Von den Juden, die CENTRALKINO Wien II., TaborstraBe 8 — Tai. R 42-3-41 UR- UND ALLEINAUFFUHRUNG Greta Garbo in Die Dame von Loge Nr.lS Beginn der Vorstellungen: VA llß und 9 Uhr im Jahre 330 Bischof Frumentius von Alexandrien zum Christentum bekehrte, ist ein Teil dem Nil entlang südlich gezogen und die Erinnerung an das Judentum hat sich bis in unsere Zeiten erhalten, da vor 40 Jahren König Menelik II. sich als „unbesiegbaren Löwen aus dem Stamme Juda" bezeichnete, nach dem Segen Jakobs an seine Kinder, Genesis 49.9: „Juda ist ein junger Löwe." Von jüdischen Stämmen fand Aschö nur wenig. Bloß ein kleiner Stamm, vollkommen gleich mit den Umwohnern, feierte noch das Passahfest, an dem er ein Osterlamm schlachtete. Dr. Asche ist während des Krimkrieges in die türkische Armee als Regimentsarzt eingetreten und habilitierte sich dann in Bagdad, wo er eine ausgedehnte Praxis hatte. Nach dem Tode seiner Frau zu Beginn der Neunzigerjahre zog er zu seinem Verwandten Louis H o f f in Harburg bei Hannover, wo sich auch das Manuskript seiner Forschungsreise befand. Dr. Asche war ein treugläubiger Jude, er war aufgewachsen in der Zeit der Aufklärung, der Liebe zum Idealismus im Judentum und des fortschreitenden Bildungsdranges von Mendelssohn bis Mannheimer und konnte nicht die bei dem Beginne der politischen Reaktion in den Fünfzigerjahren sich mit Zelotismus und Fanatismus vordrängende Bigotterie verstehen, da das Judentum nur im Lichte der Freiheit, der Anerkennung der freiheitlichen vorurteilslosen Forschung gedeihen kann. Er sagte mir als forschender Jude im Jahre 1889 bei seinem Abschiede von Wien, daß, wenn alle großen Dichter vom Altertum bis heute vergessen sein werden, die Bibel fortbestehen wird. Und mein verehrter Lehrer, der Karmeliterordenspriester Dr. Johann Auer, sagte uns, seinen aufmerksamen Schülern, in einer Literaturstunde: „Wenn uns nur die biblia sacra und Homer erhalten bleiben, ist die Kultur erhalten." E.M. Kammerwahlen inRumänien. Rumänien genoß seit langem den zweifelhaften Ruhm, eine der Hochburgen des Antisemitismus zu sein. Die Judenverfolgungen, die sich hier von Zeit zu Zeit abspielten, erinnerten manchmal an russische Muster. Bei den vor kurzem stattgehabten Wahlen zur rumänischen Kammer ist aber die rumänische Anti-

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