Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 8 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT * Seite 3 den 3. Februar 1929, stattfand, wurde nach begrüßenden Worten durch eine tiefangelegte Rede des Dozenten am jüdisch-theologischen Seminar Dr. H e in e m a n n eingeleitet. Er führte aus, daß es sich nicht um eine jüdische Ausstellung, nicht um eine Ausstellung für Juden handle, sondern um eine Ausstellung, die alle anginge. Ausgehend von einem Goethewort, forderte er die Anwesenden auf, sich in den Geist des Dargebotenen zu vertiefen. Hier handelt es sich nicht um den Anblick toten Gutes. All das, was hier gezeigt würde, sei lebendig und zeige der Welt, wie »A^v\\\\\\V^^^ Mmm^^ fös&"'«^ L»YV\^Y^YX^^^ K Vi ■*i>lj i<m iSj si.'Vw; 1 K n ^tä1 Ä «SÄ - uiSsM der Jude auf der einen Seite Gunst und Ungunst von Fürsten und Herren im Laufe der Jahrhunderte über sich hat ergehen lassen und auf der anderen Seite durch die Beschäftigung mit seinem Glauben die Kraft gefunden hat, dies zu ertragen. Drei Teile umfasse die Ausstellung. In dem ersten, dem historischen Teil, sähe man neben der Büste des gütigen Förderers der schlesischen Judenheit, Herzogs Heinrich IV., das furchtbare Kreuz des Mönches Capistrano. Einstmals wurde es auf dem Breslauer Salzring zur Erinnerung daran aufgestellt, daß dort am 4. Juli 1453 41 unglückliche Juden verbrannt wurden, die man der Hostienschändung angeklagt hatte. Im gleichen Räume Bilder von Männern, deren Privilegien für die Juden Glück und Unglück bedeuteten. Niemals konnte der Jude ruhig in die Zunkunft schauen, aber war auch sein äußeres Schicksal herbe und unsicher, das Studium des Gesetzes und die Feier seiner Feste (davon kündet der 2. Teil der Ausstellung) gaben ihm immer wieder das innere Gleichgewicht, und wenn wir im dritten Teile uralte Gebetbücher erblicken, dann sehen wir im Geiste jene unserer Vorfahren, die gleich, ob sie arm oder reich waren, alle freien Stunden ihres Lebens dem Studium des Wortes widmeten. Dadurch hielt sich, so führte der Redner aus, das Judentum geistig frisch. Sodann nahm Professor H i n % z e das Wort, um in die Ausstellung selbst im einzelnen einzuführen. Und mit den auserlesenen Besuchern jener Feierstunde wollen wir von den Schätzen erzählen, die in Breslau nunmehr anderthalb Monate zu sehen sind. Der Gipsabguß eines Grabsteines vom Jahre 1203: „Dieser Stein ist ein Denkmal am Grabe des Rabbi David mit lieblicher Stimme, Sohnes des Rabbi Sar Schalom, der eingetan wurde am 2. Tage der Woche, am 25. Tage des Monats Ab im Jahre viertausend und neunhundert dreiundsechzig nach Erschaffung der Welt. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." Anderthalb Jahrhunderte später durfte mit Erlaubnis des Königs Johann von Böhmen der Friedhof vernichtet und die Steine zum Mauerbau fortgeführt werden. Vor wenigen Jahren trat dieser Stein bei Erneuerung des Domes aus halbtausendjährigem Dunkel heraus, und die Domgeistlichkeit schenkte ihn der Synagogengemeinde. Wir stehen vor dem Bilde der Salvatorkirche in Oels. 1530 war sie noch Synagoge, dann wurde sie Zeughaus und Ende des 17. Jahrhunderts Kirche. In ihrem Anbau befand sich wahrscheinlich die berühmte Druckerei des Chajim Schwarz aus Prag. Von seinem berühmten Oelser Pentateuch sind nur zwei Exemplare vorhanden, von denen Photographien zu sehen sind. Ein letztes Bild aus der geschichtlichen Abteilung „Das Grabmal des in der Schlacht bei Groß-Görschen am 2. Mai 1813 tödlich verwundeten Meyer Hilsbach, der der erste jüdische Leutnant in der preußischen Armee gewesen ist." In der jüdisch-theologischen Gruppe sehen wir Bilder von Salomo Abraham Tiktin und Abraham Geiger friedlich nebeneinander, die einstmals in Breslau schwere geistige Kämpfe miteinander ausgefochten, die die ganze Judenheit in Erregung setzten. In weihevoller Stimmung betreten wir die Räume, die mit Kultgeräten erfüllt sind. Der Silberschatz der heute nicht mehr bestehenden Zülzer Gemeinde, Mokaum Zaddik genannt. Ort der Gerechten, weil diese Stadt nie diese Juden vertrieb, erzählt von einer einst blühenden heiligen Gemeinschaft. Der Almemor ist hier wieder so aufgebaut, wie er einstmals in Zülz gestanden hat. Prachtvolle Kidduschbecher (einen von ihnen zeigen wir im Bilde), herrliche Rimonim (auch von ihnen sind wir in der Lage, einen unseren Lesern vor Augen zu führen), berichten von der Innigkeit unseres Gottesdienstes und von der Liebe, die man der Ausstattung der Dinge widmete, die man zum Kult ge-