Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 8 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT jBmmnmnmnmnnBM^ Seite 3 druck „la race" durch die Fassung „minorites ethniques". Der Verwajtungsgerichtshof verschloß sich gleichfalls nicht der von Dr. Liermann in seiner Abhandlung aufgeworfenen Forderung, daß „die Frage: Sozialrasse oder anthropologische Rasse stets eindeutig beantwortet werden müsse". In einem Erkenntnisse, das bedauerlicherweise vereinzelt blieb und das ich nur aus meiner Erinnerung wiedergeben kann, hat der Verwaltungsgerichtshof die Entscheidung des Ministeriums mit der Begründung aufgehoben, das Ministerium müsse in seinen Gründen dem Optionswerber erklären, ob es die „Rasse" als somatische oder als Kulturgemeinschaft ansehe, damit der Beschwerdeführer wisse, ob und welche Auffassung des Ministeriums er in seinem Rechtsmittel zu bekämpfen habe. Ob das Ministerium ein neues Erkenntnis fällte und zu welchem Urteile dann der Verwaltungsgerichtshof gelangt ist, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls ließ dieser Gerichtshof diesen Ansatz zu einer richtigen Rechtsprechung wieder fallen, er verblieb vielmehr bei seiner eingangs angeführten, stets wörtlich gleichlautend begründeten Entscheidung. * * * Noch ein anderer vor einigen Wochen in der „Neuen Freien Presse" (Morgenblatt vom 18. Dezember 1928) veröffentlichter Artikel erinnert an den erfolglosen Kampf um die Anerkennung des Optionsrechtes der in den Nachfolgestaaten heimatberechtigten Juden und insbesondere an ein gleichfalls durch Prof. Bernatzik festgestelltes wesentliches Kriterium der Nationalität, welches wir zwar in unseren Beschwerden dem Verwaltungsgerichtshofe unterbreiteten, allein auch diese Darlegung blieb, wie alle anderen vorher angeführten unter Berufung auf wissenschaftliche Autoritäten vorgebrachten Beschwerdegründe vollkommen unbeantwortet. In seinem Artikel „Neu? . Minist-riairat Dr. R :i ■ ' kann nicht nach ob; w i c A b s t a in m u r. g, B o d e n s t ä n d i g k e 1 zu welcher Volksgemeii ••' bemerkt ■;. . ): „Auch A v k m a 1 e n, 3 rReligio n, A;.. r.:Al werden, :aic v.nJ. zu welchem Volkstum der Einzelne sieh zuzurechnen habe. Diese Frage ist, wie keine andere, lediglich nach dem eigenen freien Ermessen des Einzelnen zu entscheiden. Nur er kann innerlich empfinden, und nach außen beke n n e ri, w e I c h e m Volkstum er verbunden ist, ob er deutsch, oder polnisch, oder tschechisch, oder dänisch iühlt, ob er an diesem seinem Volkstum als einem unveräußerlichen Gut festhalten und seinen Kindern diese Gefühlswerte vermitteln will." Auch diese Auffassung über das Merkmal der Volkszugehörigkeit hat schon Prof. Bernatzik in seiner bereits angeführten Rektoratsrede entwickelt; wir haben seine Rechtsanschauungen in unseren Beschwerden wiedergegeben. Bernatzik legt dar, daß der ältere Begriff der Nationalität von der Abstammung (natus) ausgehe; er bezeichnet ursprünglich die Gemeinsamkeit der Abstammung. Dennoch gelangt Prof. Bernatzik zu der Schlußfolgerung, daß für die Begriffsbestimmung der Nationalität anthropologische Merkmale nicht maßgebend sein können; ebenso verwirft er die Umgangssprache als Kriterium der Nationalität. Auch Rathenau verhält sich gegen die Abstammung und Sprache als Merkmale der Nationalität (siehe oben) ablehnend. Aber ausgehend von der früher angeführten Definition der Nationalität als der Gemeinsamkeit des geistigen Besitzes, der Kultur, eines sich Einswissens mit der Geschichte und Zukunft wie mit der Gegenwart eines Volkes erklärt Bernatzik die Nationalität als ein Ergebnis der eigenen geistigen Tätigkeit, etwas durch freie welche Macht er besitze, wieviel Gold und Silber er sein eigen nenne und wie schön es bei ihm zu Hause aussehen müsse. Spaß, ein Kaiser! Zu jener Zeit befand sich meine Mutter — ruhen möge sie in Frieden — mit mir in gesegneten Umständen. Mein Vater — er sei mir ein guter Fürsprecher — beriet deshalb öfters mit der Mutter, welchen Namen man mir geben soll, wenn ich ein Junge werde. Dabei stellte es sich heraus, daß nach sämtlichen irgendwie nennenswerten Vorfahren bereits Nachkommen benannt sind. Es kam daher öfters zum Streit, denn mein Vater — er sei mir ein guter Fürsprecher — wollte mich in der Not nach einem verstorbenen Rebben benennen — und meine Mutter wollte es dagegen nicht. Denn, sagte sie, nach dem Rebben sind schon unzählige Jungen benannt worden, und unserer, Gott möge ihn gesund kommen lassen, soll nicht so heißen wie viele andere — er muß einen ganz besonderen Namen bekommen, ob du es willst oder nicht — ob du platzt oder nicht, ob du zerspringst oder nicht. Gewalt, schrie da mein Vater — er sei mir ein guter Fürsprecher — Gewalt, die Frau ist verrückt — wo soll ich einen solchen Namen herbekommen, wie du ihn haben willst? Mach' mich nicht wahnsinnig — er wird nach dem Rebben heißen und fertig! So? rief meine Mutter — ruhen möge sie in Frieden — so? nach dem Rebben wird er nicht heißen! Versündige dich nicht, Berel — versündige dich nicht — es kann ein Mädchen werden und du wirst die Schuld haben! Ich werde schon einen Namen finden — es eilt nicht! Mittlerweile mischten sich auch die Nachbarn in den Streit. Eine Kleinigkeit: eine Name für ein Kind! Spaß, man kann nicht den ersten besten nehmen und ihn seinem Kinde geben! Nein, sc was muß bedacht werden. Und es wurde Stadtgespräch, was bei uns vorging. (Zwanzig Jahre später hat man mir erzählt, die Leute seien damals geplatzt vor Lachen.) Eines Tages kam eine Nachbarin zu uns mit einem Dutzend guter Vorschläge: „Seht, Saltsche," sagte sie, „seht, es fehlen keine Namen. Muß es denn gerade ein jüdischer Namen sein? Zum Beispiel ist Alexander auch kein jüdischer Name — aber trotzdem haben ihn viele Juden. Man meldet an „Alexander", aber man ruft nachher auf echt jüdisch: Sender. Und wißt Ihr. liebe Saltsche, wer als erster Alexander hieß? Ein Kaiser! Das war Alexander der Große! Nun seht, man muß nicht in Verlegenheit kommen. Es gibt noch andere Kaisernamen — z. B. Napoljen! Folgt mir, liebwerte Saltsche, nennt euren Jungen Napoljen — und nachher wird man ja sehen: entweder, wenn ihm der Name gefällt, er laßt sich Napoljen rufen, oder — man verjüdischt den Napoljen und ruft Berel, Mendel, Jossei oder sonst was Warum sich so grämen? Es gibt keine Namen? Unsinn, Saltsche, hört auf meinen Rat: der Name wird klingen — eine Kleinigkeit: Napoljen!" Der Vorschlag gefiel meiner Mutter — ruhen möge sie in Frieden — und, als ich zur Welt kam, war es ein Napoljen. Wenn es gegen den Vater ging, behielt die Mutter immer Recht und so auch in diesem f alle. Nun wißt Ihr, wie \ch zu meinem Namen gekommen bin. Ah, was bedeutet das Lächeln — hah! Was gibt es hier zum lachen? Ihr glaubt mir vielleicht n^ht daß i;h Napoljen heiße? Wenn ich einen Paß besessen hätte, d'-nn;-:o:< schwarz auf weiß zeigen; ,-:o Wort glauben. Eb.tr: > v.:.*••'. t ich Euch!-t :i e -.:V:.'.:: -\ k-. i:'n j: :\;\ ■ ich es Euch -■-hon aufs issen. was .ser Sache; n v— mein :'. Ihr müßt ü, sondern