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Die Wahrheit · 1929-02-22 · Heft 8 (22.2.1929) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 8 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite Z MMIMHtMMWWIIUIIUUUll " DIE WAHRHEIT gibtesZerrbilder, wie d i e F ä 11 e, die den österreichischen Verwaltung sgerichtshofbeschäftigthaben, zurGenügebeweise n." Ueberaus groß ist nun unsere Genugtuung und Befriedigung, daß uns in der Person eines unbefangenen, lediglich von der Absicht, der Wissenschaft und dem Rechte zu dienen, getragenen Gelehrten ein Helfer entstanden ist. Mag auch diese Hilfe nunmehr eine praktische Auswirkung nicht mehr zeitigen können, wir wollen uns doch mit dem alten Spruche trösten: victa causa diis placuit; die Wissenschaft streitet für uns. Der wissenschaftliche Wert der Abhandlung des Herrn Dr. Liermann besteht der Hauptsache nach in der Darlegung des derzeitigen Standes der Rassenfrage in ihrem Zusammenhange mit den Friedensverträgen und in der Zusammenfassung aller seine Rechtsanschauung begründenden Argumente. Diese Argumente aber gelangten schon zur Zeit des Kampfes um die Option zur Kenntnis des Verwaltungsgerichtshofes, insbesondere habe ich als ehrenamtlicher Vertreter zahlreicher Optanten, welche die Unterstützung der „Union deutschösterreichischer Juden" erbeten hatten, diese Rechtsauffassung in zwei sehr ausführlichen schriftlichen Beschwerden und auch in den mündlichen Verhandlungen dargelegt. Die Ausführungen des Herrn Dr. Liermann gipfeln in dem Satze, daß der Ausdruck „race" nicht als anthropologische, sondern als soziale Rasse zu interpretieren ist; eben dieselbe Rechtsauffassung wurde auch in den erwähnten Beschwerden vertreten. Es mag von den in demselben zitierten Aussprüchen von Politikern, wie des gegenwärtigen Wiener Bürgermeisters S e i t z oder des seither verstorbenen auch als bedeutenden Juristen hochgeschätzten Abgeordneten Dr. Julius O f n e r abgesehen werden, hier wollen wir aus diesen Beschwer- 3e**ill&t&fo Napoljen Bombe. Die Geschichte eines Unglücklichen. Von Josef Kaplan, Fulda. Sie werden sich wundern, wenn Sie meinen Namen erfahren: ich heiße nämlich Napoljen Bombe. Was heißt „wieso"? Warum heißen Sie denn so und nicht so? Man heißt ganz einfach, und damit müssen sich alle abfinden. Das heißt: heißen heiße ich nur Bombe, aber man ruft mich Napoljen. Sie fragen schon wieder „wieso"? Sind Sie ein neugieriger Mensch! Aber — ich bin ein gutmütiger Jid und werde Ihnen erzählen, wie ich zu dem Namen gekommen bin; das heißt: der Name ist zu mir gekommen — ohne mein Dazutun, wie ein böser Traum oder eine üble Zuschickung. Ich habe schon manchen Aerger gehabt wegen meines Namens. Es ist nicht gut. wenn ein Name so weltberühmt ist. wie der meine. Kaum hört jemand meinen Namen, so tragt er auch schon „wieso"? Nun geh' und erzähle jedem „wieso"?! Also ich werde Ihnen erzählen: Vor vielen Jahren, als ich noch nicht auf der Welt war, bekam meine Mutter — ruhen möge sie in Frieden — öfters den Besuch eines umherziehenden Händlers, der allerlei Dinge zum Verkauf mit sich führte, wie z. B. Kämme, blecherne Löffel» Löschpapier. Haarnadeln, Klappergezeug für Kinder, den lediglich die in denselben reproduzierten Erkenntnisse der Wissenschaft wiederholen. Professor Dr. E. Oberhummer behandelte in einem in der „Neuen Freien Presse", Abendblatt vom 27. Oktober 1921, veröffentlichten Artikel, und zwar nur unter Bedaentnahme auf den Friedensvertrag die Frage: „Was ist Rasse?" und gelangt zu dem Schlüsse: „Man kann mit Bestimmtheit sagen, daß .... im Art. 80, wo von den Bewohnern der Monarchie die Rede ist, qui different par la race, nicht die anthropologischen Merkmale gemeint sein können." Wir haben weiters zur Begründung unseres Standpunktes die berühmt gewordene Rektoratsrede des Professors der Wiener Universität Dr. Edmund Bernatzik: „Ueber nationale Matriken", 1910, herangezogen. In dieser Rede gelangt dieser hochberühmte Lehrer zu dem Schlüsse: „Der neuere Begriff der Nationalität bedeutet die Gemeinsamkeit des Besitzes der Kultur, ein sich Einswissen mit der Geschichte und der Zukunft, wie mit der Gegenwart eines Volkes." (S. 25.) An einer anderen Stelle sagt Bernatzik: „Zu einer Nationalität gehört ein gewisses Maß von Kultur und Literatur und daher vor allem eine ausgebildete Sprache, die Gemeinsamkeit des geistigen Besitzes der Kultur, ein sich Einswissen mit der Geschichte und der Zukunft, wie mit der Gegenwart eines Volkes." Auch an zahlreichen anderen Stellen der Beschwerden wurde die Identität der Begriffe „race" und Nationalität nachgewiesen, u. a. durch den Hinweis auf die Artikel 51, 57, 60 des Friedensvertrages, welche Jugoslawien, die Tschechoslowakei und Rumänien betreffen. In unserer amtlichen Uebersetzung werden nämlich die Worte: „qui different de la majorite* de la Population par la race" mit den Worten „nationale Minderheiten" übersetzt. In den Artikeln 67—68 ersetzt der Vertrag den Auskleine Götter aus Porzellan und noch solchen Plunder. Eines Tages, es war gerade am Geburtstag Nikolaus des Ersten, als alle Straßen unserer Stadt mit Fahnen und Papierlämpchen behangen waren, kam dieser Händler zu meiner Mutter und sagte — (man hat mir später alles genau erzählt) —: „Saltsche, teure, Ihr solltet Euer Fenster auch schmücken — bedenkt, man soll keine Ausnahmen machen. Wenn, Gott behüte, ein Beamter hier vorbeikommen wird und, Gott behüte, es sollte ihm auffallen, daß Euer Fenster als einziges in der Straße nicht geschmückt ist, — bedenkt, teure Saltsche, was wird so einer denken? Er wird denken: Hier wohnen Leute, die sich am Geburtstage des Zaren nicht freuen, — hier wohnen Feinde des Landes, widerspenstige Bürger, Revolutionäre, die sich mit dem Gedanken herumtragen, Bomben zu werfen — er wird zwei Kosaken holen, mit blanken Schwertern — man wird dich einsperren wie einen Verbrecher, mit Ketten und Stricken — und dann — heidi nach Sibirien. Folge mir, teure Saltsche, kaufe dir von mir einige Papierfahnen und stecke sie ans Fenster. Und damit es nicht gar zu armselig aussieht, — hier, kaufst du noch das Porzellanfigürchen und stellst es auf das Fensterbrett. Es ist ein Napoljen, auch ein Kaiser, genau so ein Macher wie unser Nikolaus. Geh', Saltsche. sei nicht faul, gib 20 Kopeken her und nimm dir die Sachen." Meiner Mutter — ruhen möge sie in Frieden — gefiel das Figürchen; sie überlegte nicht lange und kaufte es. Gut, dachte sie, so ein Schmuckstück ziert das Haus. Es wird sich schön herausnehmen unterm Spiegel. Und als der Zarengeburtstag vorüber war, stellte sie den Napoljen zwischen zwei Nadelkissen auf das Spiegelbrett und freute sich über den strammen Kaiser mit dem vorgestellten Bein. Und jedesmal, wenn es ihr langweilig wurde, betrachtete sie das Stück und sie wurde gar nicht müde, daran zu denken, was so ein Kaiser eigentlich sei,

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