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Die Wahrheit · 1929-02-15 · Heft 7 (15.2.1929) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 7 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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<^eHe tijiitHH«HMmffltq^ qjj* WAHRHEIT Botschaft hätte wählen können. Er begegnete sich jedoch in dieser Huldigung mit Goethe, der es der deutschen Nation ans Herz legte, den Nathan als „ein heiliges und wertes Vermächtnis zu bewahren'*. Nach Goethe war somit der Nathan das Testament Lessings. In der Tat könnten sowohl die Verkünder des Alten wie des Neuen Testaments aus ihm den Text für Predigten in Synagogen und Kircheu holen. Hermann Bahr hat für die herzliche Sympathiekundgebung, die er in der „Schöneren Zukunft'' für die „zur Zeit doch nur in Hitlers Reihen stehende reinste Jugend Deutschlands" zum besten gab, eine schwere Züchtigung erlitten. Nicht etwa in den sogenannten „Judenblättern", wie „N. Fr. Presse" und „Neues Wr. Journal", in deren Spalten man zur Zeit doch noch häufig den leider mehr von des Alters als des Gedankens Blässe angekränkelten Arbeiten Bahrs begegnet. Diese Blätter gingen mit schonendem Schweigen, vielleicht aus Rücksicht für die schönere Vergangenheit Bahrs über diese Exkursion ihres Mitarbeiters hinweg, in der die Wertschätzung für eine zum großen Teile hakenkreuzlerisch gesinnte Jugend schrankenlos durchbrach. Die bitterste Strafe findet Hermann Bahr in dem uneingeschränkten Lob, das ihm in einem der wüstesten Hakenkreuzlerblätter, dem „Eisernen Besen", gespendet wird, indem es ihm das Zeugnis ausstellt: „Man sieht den durch viele Wandlungen durchgegangenen Hermann Bahr ehrlich um Verständnis ringen." Bahr ist in der Tat durch viele Wandlungen durchgegangen, aber daß er nicht bei dem frommen Glauben an das Kreuz halt macht, daß ihn dies nicht hindert, dein das Alte wie das Neue Testament gleichmäßig verhöhnenden Hakenkreuzlertum seine Verbeugung zu machen, ist denn doch überraschend. Das Schweigen der „Judenblätter", wie das Reden des Hakenkreuzlerblattes dürfte Bahr zu denken geben. Man mag ein noch .so geübter Verwandlungskünstler und Equilihrist sein, so ist es doch schwer, auf die Dauer honoraris causa mit den „Judenblättern" und honoris causa mit der Hakenkreuzlerpresse zu tanzen, ohne dabei zu entgleisen. •Jjf Man kann nicht behaupten, daß Klagen über die Apostrophierung als Jude — auch ohne zoologisches Anhängsel — eine Rarität in österreichischen Gerichtssälen bilden. Der Kläger mochte noch so stolz sich als Jude fühlen, der gerechte Richter stimmte ihm doch bei, wenn er in dem Zuruf den animus injurandi, die Absicht ihn zu beleidigen, erkannt hatte. Nach dieser Analogie kann sich der Jude, der die Zurückweisung eines Telegramms mit der antisemitischen Gesinnung des betreffenden Beamten motivierte, beruhigt sagen, daß er als Geklagter mit Recht wegen Amtsehrenbeleidigung (zu S 15.—) verurteilt wurde. Der Beamte mußte annehmen, daß mit der Konstatierung antisemitischer Gesinnung kein Kompliment beabsichtigt war. Wenn man aber von konkreten Fällen absieht, ist es immerhin denkbar, daß ein Jude die Absicht, ihn zu beleidigen, ignoriert und freundlich erwidert, er sei stolz darauf, ein Jude zu sein, während ein von häßlichen Vorurteilen sich frei fühlender Christ unter allen Umständen den Vorwurf des Antisemitismus als kränkende Zumutung empfinden dürfte. * * Armer Theodor Fritsch! In der jüngsten Nummer des „Hammer" klagt er bitterlich ernst darüber, daß ihm von antisemitischer Seite wegen seiner einstigen Verbindung mit dem Juden Arthur Trcbitsch der Vorwurf gemacht wird, er sei von den Juden gekauft worden. Es ist also wirklich rasch eingetroffen, was ich scherzhaft diesem senil gewordenen enfant terrible seiner Partei erst vor einigen Wochen an dieser Stelle — allerdings aus anderen Gründen — prophezeit hatte. Der arme Theodor Fritsch begeht aber weiter die ärgsten Unbesonnenheiten, die den Verdacht in weiteren antisemitischen Kreisen gegen ihn bestärken dürften. So rühmt er z. B. gleichfalls im „Hammer" von der Schrift eines katholischen Doktors der Theologie: „Ganz besonders wertvoll ist die Schrift durch den Nachweis der engen Verbindung zwischen Judentum und Jesuitismus, der von den Tagen an besteht, da Ignatius von Loyola, der von vielen seiner spanischen Zeitgenossen als ein Judenstämmling angesehen wurde und der nachweisbar mit Freuden Judensprößlinge zu seinen ersten Ordensgefährten nahm, die Gesellschaft Jesu gründete". Wenn Theodor Fritsch wirklich für jüdisches Geld schriebe, könnte er es nicht geschickter anpacken, viele Christen vor den Verlockungen der Hakenkreuzler gründlich zu schützen. * * * Kürzlich erst war an dieser Stelle von der so wirksamen Methode zu lesen, die die ungarische Justiz neuestens anwendet, um den hämischen Nörglern zu demonstrieren, daß sie die Csongrader Mordaffäre wohl im Gedächtnis behält. Aufmerksamen Lesern ist es nicht entgangen, daß die ungarische Justiz redlich bemüht ist, in ähnlicher Weise die peinliche Anklage, sie unterschätze die Ermordung der Redakteure Somogyi und Bacso, zu entwaffnen. Vor einigen Tagen erst hat unter Vorsitz des in politischen Prozessen so bewährten Senatspräsidenten Töreky wieder eine Verhandlung stattgefunden, aus der hervorgeht, mit welcher Gründlichkeit und Sorgfalt selbst nebensächlich scheinende Momente in dieser Angelegenheit geprüft werden. Diese Verhandlung galt einem am 8. März 1925 erschienenen Artikel des sozialdemokratischen „Neoszaya", gegen dessen Verfasser die Klage wegen Verleumdung des Auditoriats erhoben wurde, dem in dem erwähnten Blatte seit neun Jahren immer wieder die Verschleppung und Verschleierung des Falles zum Vorwurfe gemacht wird. Der Senat beschloß nach längerer Beratung, vorerst in der Frage der Urheberschaft des in Frage stehenden Artikels eine neue gründliche Untersuchung anzuordnen. Wer bezweifelt nun noch, daß die ungarische Justiz nicht genau dasselbe intensive Interesse für die grauenhafte Ermordung der Redakteure Somogyi und Bacso wie für die unglücklichen Opfer des Csongrader Bombenattentates an den Tag legt. Ego. MkettätfbcimMtmfmDk Wahrheit!

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