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Die Wahrheit · 1929-02-15 · Heft 7 (15.2.1929) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 7 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 0 Landespolitik und ihre Folgen. Zu weichen merkwürdigen Auswüchsen die abwegige jüdischnationale „Landespolitik'4 führt, lehrt der folgende unter obigem Titel erschienene Aufsatz der P r a g e r z i o n i s t i s c h e n „S e 1 b s t w e h r" von Herrn Dr. K o h n e r (Karlsbad). Er beweist, daß fanatische Landespolitiker nicht einmal von der Anwendung eines Polizeiparagraphen zurückschrecken, der direkt an den seligen § 14 erinnert: „Wir sind dank des hundertfältig emphatisch geäußerten demokratischen (Jeisies unserer politischen i-ührer, Dr. Singer unü Dr. Margulies, im glücklichen Besitze eines Prügelpatentes. Unsere Lxekutivörgane haben nunmehr nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, auf die Anzeige eines Komitees — gemeint ist natürlich die politische Keichskommission — jeden Zionisien, der „otiemlich und ofiensicnthch" die zionistische Disziplin, das heißt die \veisungen oogenannien Komitees nicht befolgt oder gar dagegen bieilung nimmt, zu suspendieren, das heißt ihm alle kechie bis auf das Appellationsrecht zu nernnen. Dieser Beschluß des Zionistentages, der nur durch em höchst merkwürdiges Manöver des linken Flügels Zustandekommen konnte, ist so ungeheuerlicn und widerspricm so allen Uesetzen der uemokratie und des allgemeinen Kecntsemptindens, daß em entsprechender Protest dagegen notwendig ist. "Wir sind nunmehr endgültig auf den Stand einer politischen Partei herabgesunken, haben uns glücklich denpolitischen Methoden assimiliert, die wir in unserem Umkreise bisher mit einem gewissen üefühl der Verachtung und des Unverständnisses betrachtet haben, ts ist hier ment der Plate, die äuberst klagliche Rolle, die besonders Dr. Margulies in seiner Apologese des Poiizeiparagrapnen gespielt hat, naher zu beleuchten, eine Rolle, die ihm, dem begeisterten und begeisternden rürspiecher politischer Reinheit und politischer Freiheit, dem erprobten Kampier für wirkliche Gerechtigkeit, so wenig lag, daß er sie nicht anders als schlecht spielen konnte. War diese Degradierung, diese Beschmutzung unseres öffentlichen Lebens notwendig? Haben wir deshalb unsere Gesetze und unsere Geschäftsordnung, damit diese Gesetze und diese Geschäftsordnung in dem Augenblicke, in welchem ihre ernste Anwendung geboten ist, beiseite geworfen werden? War es wirklich notwendig, jeden einzelnen Zionisten, der in einer so umstrittenen Frage, wie es die Landespolitik ist. seine besondere Meinung öffentlich zu äußern wagt, in die Gefahr zu bringen, durch die Willkür eines Menschen ohne Anhörung und ohne Gericht seiner Rechte beraubt zu werden. Denn darauf kommt es ja hinaus. Alle Verklausulierungen, welche dem ursprünglichen nackten und brutalen Antrage Dr. Singers hinterher angefügt wurden, dürfen über den eigentlichen Inhalt nicht hinwegtäuschen- Der Sinn des Polizeiparagraphen ist und bleibt der, daß durch ihn nicht durch Gerechtigkeit, sondern durch Willkür und zufällige Konstellation über das politische Leben eines Zionisten entschieden werden kann und soll. Ich kann den Antrag wohl verstehen. Ich kann verstellen, daß unglückliche Führer — und als solche dürfen unsere politischen Führer wohl bezeichnet werden — den Kopf verlieren und meinen, mit Gewalt dort etwas erreichen zu können, wo es ihnen auf dem Wege der U e b e r z e u g u n g, auf dem Wege der positiven und aufbauenden Arbelt nicht gelingt, der Widerstände Herr zu werden, die sich ihnen entgegenstellen. Ich kann verstehen, daß Menschen, denen die Entwirrung eines Knotens nicht gelingt, zum Schwerte greifen, um ihn zu zerhauen. Aber ich denke mir, daß Männer, die politische Führer sein wollen, mehr Geduld und mehr Ruhe haben müssen als gewöhnliche Sterbliche. Ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich annehme, daß die meisten rechtlich denkenden Menschen der Ansicht sein werden, daß eine politische Niederlage erst in dem Augenblicke zu einer vollständigen und irreparablen wird, in welchem Augenblick die Führer die Nerven verlieren. Das scheint mir dann der Augenblick zu sein, in welchem diese Führer kein Vertrauen mehr beanspruchen dürfen." Q l CTJ*e iv. Zu den zahllosen Lessing-Feiern auf der Bühne und in den Schulen, von denen die deutschen Zeitungen berichten, gesellen sich nunmehr auch solche, deren Schauplatz Synagogen sind, aui deren Kanzel Rabbiner in begeisterten und begeisternden Worten dem Genius des großen Mannes huldigten. Auch Lessing hatte durch seinen Nathan sich eine Kanzel auf der Bühne errichtet, von wo aus er den Bekennern aller Religionen die menschheiterlösende Lehre der gegenseitigen Duldung und Liebe predigte. In dem Kondolenzschreiben, das Moses Mendelssohn nach Lesshigs Tod an dessen Bruder Karl richtete, sagte er: „Von einem Werke des Geistes, das eben so sehr über Nathan hervorragte, als dieses Stück in meinen Augen über alles, was er bis dahin geschrieben, kann ich mir keinen Begriff machen. Er konnte nicht höher steigen, ohne in eine Region zu kommen, die sich unseren sinnlichen Augen völlig entzieht Und dies tat er. Nun stehen wir da, wie die Jünger der Propheten und staunen den Ort an, wo er in die Höhe fuhr und entschwand." Das sind Worte der Verherrlichung und der Verehrung, die der jüdische Freund nicht treffender für den Bringer einer göttlichen Kleiderkredit2aUb" 335*» •">•• | Sämtliche Herr««- und DamenkMidcr i Nur Qualitätsware l Bach Maß sowie fertig lauernd- Billigste Preise! ■ KLEIDERHAUS WERTER, WIEN XVI., j Telephon A 1-501 Ottakxingerfttral!« 17 Telephon K i>SQi j

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