Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 7 (15.2.1929)
- Date
- 1929-02-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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!i!imiüii»wiHfflHii^ Seite 5 Siege gebracht werden kann. Es wird Sache der Union sein, jene Wählerkreise, weiche sich an den Wahlen nicht beteiligen, darüber aufzuklären, welche schwere Verantwortung sie durch die Unterlassung der Ausübung ihres Wahlrechtes auf sich laden und welche Folgen für die altehrwürdige Gemeinde eintreten, wenn durch Lässigkeit und Säumigkeit der Anhänger der unionistischen Partei Parteien an die Macht gelangen würden, die nicht nur die Herrschaft über diese Gemeinde an sich reißen, hauptsächlich dabei die Befriedigung ihrer parteipolitischen Ziele erreichen wollen, die zu den Interessen der Wiener Kultusgemeinde im diametralen Gegensatze stehen. Ein jüdischer Vortrag in der Leo-Gesellschaft. Wenn auch seit Bestand dieser katholischen Forschungsgesellschaft vereinzelte jüdische Gelehrte, wie der verstorbene Kriminalanthropologe Prot. Dr. Moriz Benedikt, über Aufforderung dort Vorträge gehalten haben, hatte sich bisher kein Rabbiner entschließen können, an dieser Stelle über die Schätze jüdischen Geistes zu sprechen. Es gereicht daher dem gesamten Judentum zur Ehre, daß über Aufforderung des gegenwärtigen Universitätsrektors Hofrat Dr. Theodor Innitzer herr Rabbiner Dr. A. Kaminka am 29. Janner im erzbischöilichen Palais vor einem dichtgedrängten Publikum von katholischen Geistlichen und Damen und Herren der vornehmsten christlichen Gesellschaftsschichten einen Vortrag über die Entstehungszeit der Psalmen hielt. Der Vorsitzende, Prof. theolog. Dr. Gabriel, ein bekannter Esraforscher, begrüßte den Vortragenden aufs herzlichste, den der Glaube von den Anwesenden trenne, aber die Wissenschaft und Sprachiorschung veroinde. Dr. Kaminka verlegt bekanntlich aus rein wissenschaftlichen Gründen das Uralter der Psalmen in die Königszeit, selbst den 131. Psalm (>rAn den Wassern Babels saßen wir"), während die moderne Bibelkritik seit dem Reformator Calvin eine ganze Reihe von Psalmen in die Makkabäerzeit bis auf Johann Hyrkan versetzen möchte. Der Redner betonte, daß diese Frage nicht nur eine archäologische sei, sondern sich auch auf den Geist beziehe, in dem die Psalmen verstanden sein sollen. Er stützt seine These außer auf die uralte Tradition, daß viele Psalmen im Salomonischen Gottesdienst verwendet wurden, auf sprachwissenschaftliche, ideen- und religionsgeschichtliche und auf Argumente der Parallelität und Entlehnung. Schon in einem 1925 in französischer Sprache erschienenen Buch über J e s a i a s und in einem Vortrag auf dem Orientalistenkongreß in Oxford im August 1928 hat Dr. Kaminka, unabhängig von ihm aber kürzlich Prof. T o r r e s in Amerika seinem Erstaunen Ausdruck gegeben, wie wenig die Sprachentwicklung zur Bibelkritik bisher herangezogen wurde. Sprachgut von fast einem Jahrtausend wird wahllos untereinander geworfen, während es selbst einem Laien klarzulegen ist. daß die Uebersetzer der Septuaginta, geschweige denn die Vulgata das Sprachgut der Psalmen vielfach gar nicht mehr verstanden haben. Man vergleiche nur die Sprache Sirachs, literarisch etwa 130 v. d. übl. Ztrg. festgelegt, mit der uralten der Psalmen. Der Redner illustrierte sein wichtigstes, das sprachtechnische Argument mit zahlreichen Zitaten, nicht nur aus dem Urtext, sondern auch aus der griechischen Septuaginta und lateinischen Vulgata. Die Psalmen zeigen ferner eine vollkommene Einstellung auf Weltbürgertum und Kosmopolitismus, wie es dem assyrischen Weltreich entsprach. Als dann später unter Alexander dem Großen nochmals die Idee der Oikumene. der von der gesamten Menschheit bewohnten Erde auftauchte, huldigten in Israel dieser Anschauung nur mehr die hellenistischen Kreise, während die hebräisch Dichtenden seit Daniel und Esra in nationaler und religiös-formalistischer Richtung schufen. Ganz überraschende Ergebnisse zeitigt der Parallelismus mit einem Gesang des Pharao Amenophis IV. an die Sonne (vom Jahre 1370 v. Chr.) und einer von Prof. Zimmer gefundenen Keilinschrift, dem Gesang eines assyrischen Königs an eine Gottheit, die wortwörtlich mit Davids berühmtem Psalm 2 übereinstimmen. Die Psalmisten entlehnten eben Ihre Bilder und Ausdrücke de-r zeitgenössischen fremden Literatur, obwohl sie ihre CENTRALKINO Wien II., TaborslraBe 8 - Tel. R 42-3-41 UR- UND ALLEINAUFFÜHRUNG H J01S0N in dem Warner Mondialfilm DES MZZSXIKEIt TONEINLAGE: KAMTOR JOSEF ROSENBLA1T Beginn der Vorstellungen: VA 7*8 und 9 ühr Dichtung mit dem Geist ihres Glaubens erfüllten, wie Salomons Tempciarchitekien sich des phönizischen Materials und Stiles bedienten. Noch verblüffender sind die Entlehnungen von Jesaias, Jeremias und des Buches Hiob aus den Psalmen (Ps. 91, 93, V 113, Ps. 80). In Analogie von Henry Bergsohn's Buch über die Nachahmung des Lukrez bei Vergil und Ovid wurde schlagend nachgewiesen, daß die Propheten die Entlehner waren, nicht etwa üie Psalmisten. in diesem Zusammennange wurde auch der 80. Psalm als erstes Kriegsgebet rür einen König in der Weltliteratur erkannt (für den 25jährigen Amaziah). Zum Schluß forderte Dr. Kaminka von der Bibelkritik mehr Berücksichtigung der sprachlichen Entwicklung, mehr Konsequenz (stammt doch teilweise die Septuaginta aus älterer Zeit, als man einige Psalmen annimmt; una vor allem mehr nhnurcüt vur dem Text. Wenn dem modernen Bibelforscher ein Vers unverständlich ist, erklärt er ihn einfach für eine I n t e r p o 1 a t um; ein genaues philologisches und philosophisches Studium kann meistens an solchen Stellen gerade einen tiefen und verborgenen Sinn nachweisen. Zum Schluß dankte er der Zuhörersehait für die gespannte Auimerksamkeit, mit der die meisten Geistlichen, den hebräischen Psalter in der Hand, den Ausführungen gefolgt waren. Dies beweise ihm, daß die Anwesenden eins mit ihm seien in der Ehriurcht vor Gott und seinem heiligen Wort. Lauter Beifall, sehr verschieden von den sonstigen gedämpften Aeußerungen dieser Gesellschaft abgeklärter Männer, lohnte den Redner und Professor Gabriel dankte ihm nicht nur, weil er der katholischen Theologenjugend die Wichtigkeit eines wissenschaftlichen Studiums der hebräischen Sprache erwiesen habe, sondern auch daiür, daß durch seine lichtvolle Erklärung einer der Schlußverse des 137. Psalms, der bisher für die Verherrlichung eines Roheitsaktes galt, ganz andere Bedeutung gewinnt (Olaloi sind junge Krieger, nicht Kinder, der Psalm ein Siegesiied über Edorn. das kriegsgefangene Leviten ihren Kerkermeistern über die noch nicht zerstörte Heimat zur Zeit Amaziahs singen). IneinerZeit. wo gegen das Alte Testament vielfach Sturm gelaufen wird, macht sich jeder um den Katholizismusverdient, der die Grundmauern stützt, auf denen das Gebäude und das Dach des Katholizismus, seine Moral und Dogmatik aufgebaut sind. Auch der Katholizismus huldige einer konservativen Textkritik, wie sie der Redner fordert. In der Diskussion, an der sich auch Dr. I m m a 1 i s unter Beifall beteiligte, wurde nochmals betont, daß die Welt der Psalmen, die zeigen, daß im Volk und der Herrscherfamilie noch vielfach Götzendienst wütete, grundverschieden ist von der nachexilischen Zeit, in der schon die strikteste Befolgung der Riten und ein nationaler Geist herrschte, da sich Israel im harten Existenzkampf absondern mußte von anderen Völkern. In» liiiliscIieiiWerelnsliause MW. Bezirk. Herlclorfzit«■•»« Mr. SN ist ab 1. März 1929 e>n finssenlolMl mit mistoBcHdem Heftenrnum preiswart zu vermieten Auskunft: Sekretariat, XV., Herklotzgasse >r. 21,!. Stock