Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 6 (8.2.1929)
- Date
- 1929-02-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT üiiiHiiiiiiiimiiimmimiuuiuuiumiiimiiiuu |)l|l|ll)lll|lllllllllllllllUUIIIi.lllil\lllllillMllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIIIHIIIIHHilHIIL Seite 13 Die Ortsgruppe Floridsdorf der „Union" hat am 5. d. M. den durchaus begrüßenswerten Versuch unternommen, die von der Zentrale der „Union" initiierten Spree habende auch im 21. Bezirke populär zu machen. Der wirklich schöne Verlauf, den dieser erste Sprechabend, aui dessen Tagesordnung das Thema „Was lehrt uns die Kultuswahl?" stand, nahm, berechtigt zu den besten Hoffnungen, daß die in Wien rasch beliebt gewordene Institution der „Union"-Sprechabende auch in den einzelnen Bezirken Fuß fassen wird. Der Obmann der Ortsgruppe, Dr. Julius Grünwald, der den Vorsitz führte, erläuterte zunächst an den Ziffern das Wahlergebnis und besprach sodann die bekannten kritischen Ereignisse seit der Konstituierung. Herr Ludwig K e 11 n e r nahm die Wahlen zum Anlaß, um die politische Bedeutung der „Union" in ihrem Kampfe für wahre Gleichberechtigung der österreichischen Juden und die Gegensätze gegenüber der zionistischen Politik aufzuzeigen. Dr. Karl Steiner befaßte sich mit der Wahlgeometrie, die für den 21. Bezirk wegen seiner Zusammenfassung mit dem 20. große Nachteile habe. Dr. Max T i c h o kritisierte das System der starren Liste, das seiner Ansicht nach den Grund für die politischen Disharmonien im Kultusvorstand bilde. Der Präsident der „Union", Doktor Jakob 0 r n s t e i n ging in groß angelegter Rede auf alle Anregungen ein, die die Redner des Abends vorgebracht hatten, und erläuterte insbesondere die Vorgänge in der Kultusgemeinde. Dr. Julius Grünwald schloß mit Dank in die Referenten und die Anwesenden die gelungene Veranstaltung, der in Bälde eine ähnliche folgen soll. Jüdische SträfKngsfürsorge. Wie wir erfahren, befindet sich im Anschluß an die in unserem Blatte erschienenen Artikel des Herrn Professor Dr. K. Kupfer über das Elend der jüdischen Sträflinge in Stein ein Komitee in Gründung, das sich mit der Fürsorge für diese Verlassenen des Glücks beschäftigen will. An die Spitze dieses Komitees wird Herr Dr. Emst F e 1 d s b e r g, Sekretär des Wiener Giro- und Kassenvereines, treten. Es ergeht hiermit die Bitte an alle jene opferwilligen jüdischen Männer und Frauen, die sich an den Arbeiten dieses Komitees beteiligen wollen, sich an Professor Dr. K. Kupfer (VIII., Albertgasse 26) oder an Herrn Dr. Ernst Feldsberg (IX., Porzc!- langasse 19) direkt zu wenden. Wir hoffen, in Bälde über die Tätigkeit des Komitees Näheres berichten zu können. Trauungen. Sonntag, den 3. Februar, fand im festlich geschmückten und beleuchteten Tempel, IL, Leopoldsgasse 29, die Trauung des Frl. Anny Kaphan mit Herrn Dr. Salo Mayersohn, Sohn Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner M. May er söhn, statt. Eine große Zahl von Gästen füllte das Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen und bemerkte man u. a.: den Präsidenten der Kultusgemeinde Prof. Dr. A Pick, die Vizepräsidenten Dr. Jakob Orn stein und Dr. Josef Löwenherz, in Begleitung des Amtsdirektors Regierungsrat Dr. Emil Adler, die Kultusvorsteher Dr. S. Beer und G. M o r i z, in Vertretung des Rabbinerverbandes Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner D. Feuchtwang, sowie Delegierte der verschiedenen Wohltätigkeits¬ und Bethausvereine. Der Vorstand des Tempelvereines beteiligte sich an der schönen Feier unter Führung des Obmannes Kultusvorsteher Dr. L. Landau vollzählig. Den Trauungsakt vollzog der Vater des Bräutigams, die kantorale Funktion versah unter großer Chorassistenz Herr Oberkantor Emanuel F r ä n k e 1 in überaus feierlicher Weise. Die hohe Wertschätzung, deren sich die Brauteltern und das Brautpaar in weitesten Kreisen erfreut, bewiesen auch die zahlreich eingelaufenen herzlichen Glückwünsche, denen sich die Redaktion unseres Blattes anschließt. Sonntag, den 3. Februar, fand im festlich beleuchteten fempef, XVI., Hubergasse 8, die Trauung des Fräuleins Grete Angemahr, Tochter des Herrn Hugo Angemahr und seiner Gattin Paula, geb. Weiler mit Herrn Leo Zarnowitzki statt. E':no große Anzahl von Gästen füllte das Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen und bemerkte man unter den Anwesenden den Kuttusvorsteher MedizLnal'rat Dr. Jakob Deutsch, die Mitglieder des Bethausvorstandes mit dem Obmanristellvertreter Herrn Ottomar Katz an der Spitze, sowie eine Anzahl Vertreter der humanitären Vereine des 16. und 17. Bezirkes. Herr Rabbiner Dr. J. M. Bach hielt an das Brautpaar eine herzliche! Ansprache, in der er ein schönes Bild von dem Leben und Wirken der Brauteltern entwarf und besonders des Großvaters der Braut, des Obmannes des Bethausvorstandes und Ehrenpräsidenten der Chewra Kadischa Ottakring, Herrn Sigmund W .e> i 1 e r, gedachte, der durch sein jüdisch-religiöses Empfinden, seinen Wohltätigkeitssinn und seine hervorragenden Leistungen im Bethausvorstande sich allgemeiner Wertschätzung erfreut. Zum Schlüsse seiner vorzüglichen Rede ermahnte Rabbiner Dr. Bach das Brautpaar, das neue Haus auf dem festen Grund echt jüdischer Tugenden aufzurichten. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Rudolf K o g a n in ausgezeichneter Weise. Amtsjubiläum. Am 2. Februar feierte Herr Moritz Glückselig sein 35jährig,es Amtsjubiläum im Lehrlingsheim Zukunft. Der Jubilar, der sich durch seinen Fleiß, seine Treue und Ehrlichkeit und auch durch sein bescheidenes Auftreten die Zuneigung aller, die ihm nahe standen, erworben hat, wurde anläßlich seines Jubiläums in der letzten Kuratoriumssitzung des Vereines Zukunft vom Präsidenten des Vereines Herrn Kommerzialrat Paul Karpeles im Namen des Vereines, vom Herrn Direktor Eduard Rozsa im Namen aller Mitarbeiter und der Zöglinge warm begrüßt und ihm eine Ehrengabe bewilligt. _ Todesfall. Herr Josef An t scher 1, ein verdienstvolkr Lehrer an den Wiener städtischen Schulen, der durch vier Jahrzehnte als mustergültiger Pädagoge tätig war und fast ebenso lange dien israel. Religionsunterricht mit Begeisterung an den öffentlichen Schulen erteilte, wurde am 27. Jänner in seinem 73. Lebensjahre zur ewigen Ruhe gebracht. Seine Heimatsgiemeinde war B a 11 e 1 a u bei l g 1 a u in Mähren; die Studien im das Lehramt absolvierte er an der Wiener staatlichen Lehrerbildungsanstalt, trieb mit Eifer Hebräisch bei seinem gelehrten frommen Vater und war auch Schüler Rabbiners Dr. I. 1. U n g e r. Er war ein anerkannter Pädagoge, tüchtig und bescheiden, daher bei Eltern, Schülern und Kollegen sehr beliebt. Blinden und schwachsinnigen Kindern gab er in uneigennützigster Weise Separatunterricht und holte sich oft beim verdienstvollen Direktor Heller s. A. des Wiener israel. Blindeninstutes Rat über den Unterricht der unglücklichen Blinden. Im Tempelbau-Komitee des prachtvollen J u b iläums-Gotteshauses II., Pazmanitengasse wirkte er bis zu dessen Vollendung mit. sein Name steht auch auf der Gedenktafel dieses herrlichen Tempels. Der Sarg des Verewigten wurde vor dem Tempel vorbeigeführt, dessen Außenlampen ihr Licht zum Abschiede erstrahlen ließen. Herr Amtsdirektor Reg.-Rat Dr. Emil Adler in Vertretung der Kultusgemeinde, viele Freunde, Kollegen und gewesene Schüler waren bei der würdigen Trauerfeier in der neuen großen Zeremonienhalle anwesend.. Dort sprachen S. Ehrw. Herr Rabb. Dr. J. T a g 1 i c h t, Herr Reiig.-Inspektor Professor Dr. R edisch und der Neffe des Verewigten, Rel'igionsfchrer Oskar Antscherl; alle gaben dem Schmerze bewegten Ausdruck. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor J. Mülle r, mit Chorassistenz, in »überaus würdiger Weise, Ehre dem Andenken des Verewigten! M. A.