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Die Wahrheit · 1929-02-08 · Heft 6 (8.2.1929) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 6 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite l9 tw®01^^ m TJcnWockezulDoekc Zionistische „Siege". Die „Stimme" hat in ihrer Nummer vom 24. Jänner von dem gewaltigen Wahlsieg der Zionisten bei dem am 20. Jänner stattgefundenen Wahlen in den Groß-Enzersdorfer Kultusausschuß berichtet. Dazu erfahren wir von informierter Seite, daß dieser gewaltige Wahlsieg derjenigen Herren, welche sich in diesem Falle unter der zionistischen Flagge zusammengefunden haben, so beschaffen ist, daß die Bezirkshauptmannschaft Floridsdorf-Umgebung auf die Meldung des Kultusvorstehers von den in Oesterreich bisher wohl unerhörten Vorgängen bei dieser Wahl angeordnet hat, daß die Konstituierung dieses neuen Kultusausschusses nicht stattfinden darf. Es muß einstweilen das Ergebnis eines wegen Verletzung des Wahlschutzgesetzes eingeleiteten Strafgerichtsverfahrens abgewartet werden. Außerdem wird die politische Behörde wohl auch die sonstigen Vorkommnisse einer näheren Untersuchung unterziehen, deren Ergebnis vielleicht allein zu einer Anullierung der Wahl hinreichen wird. Was sich da alles ereignet hat, ist derzeit für eine Veröffentlichung noch nicht reif. Ein Ergebnis steht schon fest, nämlich das, daß die von Zionisten oder den sich so Nennenden entfaltete umfangreiche Agitation mittels ganz unbegründeter Tratschereien Zwistigkeiten bis in die engsten Familienkreise gebracht hat. Die erwarteten nochmaligen Neuwahlen versucht man sogar durch wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen gegenüber jüdischen Handwerkern und Geschäftsleuten vorzubereiten. Schönerer und Schneider unseligen Angedenkens hätten's nicht schöner machen können. Es steht aber zu erwarten, daß in der allernächsten Zeit die wünschenswerte Klarheit über die Qualität der „Sieger" und über die wirklichen Machtverhältnisse eintreten wird. Dann wird es auch an der Zeit sein, über die angedeuteten Vorkommnisse näher zu berichten. Objektiv falsch in dem Bericht der „Stimme" ist es jedenfalls, daß 80 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben haben, denn es waren nur 45^ Prozent der Wähler an der Urne erschienen. Ehrung Karl Goldmarks. Zu der unter diesem Titel in der vorigen Nummer unseres Blattes erschienenen Notiz erfahren wir von gut informierter Seite, daß die Initiative für die Durchführung des Planes, Karl Goldm a r k durch Aufstellung eines würdigen Grabdenkmales zu ehren, dem unvergeßlichen Wohltäter Bernhard Goldstein zu verdanken war, der in seiner bekannt bescheidenen Art wohl im Hintergrunde blieb, jedoch ungemein viel für die Verwirklichung dieser schönen Aktion geleistet hat. i)imiiimimii»miHuiiüJimiHiiiHiii(nn«iiiHiBii«imniuiHnujmiiiiHmiii WAHRHEIT Der israelitische Tempelverein für die Bezirke Wieden—Margareten versendet an die Mitglieder des Tempelvereines folgenden Aufruf: Geehrtes Mitglied! Der Vorstand des Vereines fühlt sich verpflichtet, die Mitteilung zu machen, daß der Tempelverein nach fast 54jährigem Bestände — falls nicht in zwölfter Stunde Hilfe kommt — aufgelöst werden muß, da dem Vereine jede Mittel zur Fortführung des Tempels fehlen und dieKultusgemeinde, die den Kultus zu erhalten in erster Linie verpflichtet ist, durch Parteihader gelähmt, ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen ist. Der Vorstand ist sich seiner Verantwortung bewußt und will das Schicksal des Tempels und der Angestellten nicht weiter in das Ungewisse setzen und beruft für den 10. Februar 1929, um ^10 Uhr vorm. im Tempelgebäude eine außerordentliche Generalversammlung ein, bei welcher über die bisherigen jahrelangen, aufreibenden Kämpfe des Vorstandes für die Aufrechterhaltung des Kultus und der Talmud-Thora-Schule ausführlich Bericht erstattet wird. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu dieser Generalversammlung, wo das weitere Schicksal unserer Andachtsstätte entschieden und über die zu unternehmenden Maßnahmen Beschluß gefaßt wird, unbedingt zu erscheinen. Für den Vorstand: Desider W o 11 n e r, Adolf Hofmann, Schriftführer. Obmann. * Dieser Aufruf, von dem Tempelverein zweier wichtiger Wiener Bezirke verbreitet, ist nach mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Er dokumentiert zur Genüge, wohin der Parteihader in der Kultusgemeinde führen kann, zur Vernachlässigung des wichtigsten Zweiges dieser ehrwürdigen Institution, des Kultus. Man sieht in allen Tempelvereinen dieser Generalversammlung mit größtem Interesse entgegen, zumal der Aufruf zu einer Zeit versendet wurde, da noch die nunmehr beigelegte Krise in der Kultusgemeinde vorherrschte. ......■^^■■■■■■■■■■k Um^nm^aMa^m^rü^ sind in der Großtrafik Lloydhof, Wien II., Praterstraße 11, erhältlich. l1fli!l;li1i!i:ililiil;llil!BB Oberkautor Immanuel Abrahamsohn vom Budapester Tabak-Tempel, der von seinen ausgezeichneten Probevorträgen im großem Leopoldstädter Tempel auch den Wienern bestbekannt ist, wurde vor kurzem vom Vorstand der Berliner Kultusgemeinde zu einem Gastvortrage eingeladen. Wie wir nun vernehmen, ist der Vorstand der Bertaer Kultusgemeinde mit Oberkantor I. Abrahamsohn nach seinem überaus glänzenden Erfolge sofort in ernste Verhandlungen getreten und soll derselbe die mit 17.000 Mark und freier Wohnung dotierte hervorragende Stelle im Fasanen- und Friedenstempel bereits zu den Pessachfaiertagen antreten. Die Frauensektion des Bethausvereines „Emunas Awes" (XIV., Storchengasse 21), veranstaltete Mittwoch, den 30. Jänner in den Mariensälen eine WoKltätigkeitsakademie, um Mittel für ihre humanitären Zwecke zu erhalten. Die Akademie, für die erstklassige Kräfte gewonnen waren, waT glänzend besucht und brachte einen großen künstlerischen wie. auch materiellen Erfolg. Flüir die gelungene Veranstaltung gebührt den Vorstandsdamen, mit Frau Präsidentin Schulz an der Spitze, vollste Anerkennung.

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