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Die Wahrheit · 1929-02-08 · Heft 6 (8.2.1929) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 6 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 iiuinuuninMMMinmuMum DIE WAHRHEIT Graf Kuno Klebelsberg über den Numerus clausus. Der ungarische Unterrichtsminister Graf Klebeisberg hat unseren B.-S.-Mitarbeiter in einer längeren Audienz empfangen und hat unter anderem auch folgende Erklärung über den Numerus clausus gemacht: „Meine politischen Anfänge reichen noch in die Zeit der Arbeitspartei zurück, die sicherlich keine der Intoleranz gewesen ist. Ich habe meine politische Karriere als Staatssekretär neben Stefan Tisza begonnen, der kein Mann der Reaktion war. Dies alles hat mein politisches Denken beeinflußt. Der Krieg, die Katastrophe des Zusammenbruches Ungarns, besonders aber das bolschewistische Regime hierzulande haben manches geändert. Die Tatsache, ist ja unleugbar, daß ein großer Teil der bolschewistischen Führer Juden gewesen sind, deren Tätigkeit besonders in der Provinz geeignet war, die Antipathie der Massen zu erregen. Wir, die wir die Loyalität der führenden jüdischen Gesellschaft gekannt haben, waren davon unberührt, aber die Instinkte der großen Masse waren einmal anders eingestellt, und so manche haben nach Maßregeln geschrien, welche die Ueberproduktion des geistigen Proletariats, der man teilweise die Entstehung des Kommunismus in Ungarn zugeschrieben hat, einschränken sollen. So entstand der Numerus clausus. Ich war vom Anfangan gegen die politische Konzeption, wie ich überhaupt das Unterrichtsministerium vollständig entpolitisieren will. Als es zur Abstimmung über den Numerus clausus kam, habe ich den Saal verlassen. Wir mußten aber im Interesse der Konsolidation des völlig zusammengebrochenen Staates alle Parteien zusammenfassen, um das Land zu retten und wir mußten mancher Stimmung Rechnung tragen. Ich habe aber von vornherein erklärt,daßmeinProgrammdieRevision desNumerusclausus, ein allmählicher, stufenweiser Abbau desselben sei. Ein plötzlicher Umschwung in dieser Frage kann nicht herbeigeführt werden, ohne die Leidenschaften wieder anzufachen. Man schadet der Sache mehr als man ihr nützt, wenn man wie die Opposition diese Sache in radikaler Weise zur Lösung bringen will. Ich habe vor allem darauf gedrängt, daß diesem Gesetze die konfessionelle Spitze genommen wird. Das ist ja geschehen und man weiß nicht, welche Kämpfe das erfordert hat. Ich habe ja auch den Beschluß der Stadtversammlung, die zurückgewiesenen vorzüglichen Schüler wieder aufnehmen zu lassen, gerne aufgegriffen, um das Kontingent der jüdischen Schüler zu erhöhen, und das wäre auch wohl glatt I----------------------.----------------------------------------------------i { Herren- und Damenkleider j nacb Hafi sowie fertig lagernd, nar Qualitätsware, billigste Preise. 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Diese Erklärung des Unterrichtsministers ist um so bemerkenswerter, als bekanntlich Colonel Wedgewood im englischen Parlament an die Regierung die Frage gerichtet hat, ob es wahr wäre, daß die ungarische Regierung wieder die frühere direkt gegen die Juden gerichtete Form des Numerus clausus einführen wolle. B. S. * * * Die hier wiedergegebenen Aeßerungen des ungarischen Unterrichtsministers Grafen Kuno Klebelsberg über den Numerus clausus werden sicherlich das größte Aufsehen erregen, wenn sie auch von unserem Standpunkte aus nicht restlos unwidersprochen bleiben dürfen. Zunächst ist es wohl anerkennenswert, daß Graf Klebelsberg sich unumwunden für eine Revision des Numerus clausus erklärt hat. In seiner Forderung nach einem allmählichen, stufenweisen Abbau dieses Schandgesetzes liegt wohl eine Abschwächung dieses Programms und es ist der Opposition durchaus nicht gar so sehr zu verübeln, wenn sie die berechtigte Forderung nach sofortiger gänzlicher Aufhebung des Numerus clausus erhebt, da ja dieses Gesetz letzten Endes ein Schandmal für die gesamte ungarische Kultur darstellt. Die Opposition beharrt auf diesem Standpunkte, weil sie im Gegensatz zu der Meinung des Unterrichtsministers der Ansicht ist, daß „diesem Gesetze die konfessionelle Spitze" noch immer nicht genommen ist. Es geht auch nicht gut an, die Entstehung des unrühmlichen Numerus clausus nur auf die Bolschewikenherrschaft zurückzuführen. Die traurige Tatsache ist sicher unleugbar, daß zur Zeit des ungarischen Kommunismus Juden in führender Stellung an der Schreckensherrschaft mittätig waren. Diese ihre Tätigkeit wurde jedoch von der überwiegenden Mehrzahl nicht nur der ungarischen, sondern der Judenheit ganz Europas entschieden abgelehnt und in den meisten Fällen handelte es sich um Abtrünnige, die mit dem Judentum schon lange nichts mehr gemein hatten, ihm vielmehr vollkommen ferne standen.

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