Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 6 (8.2.1929)
- Date
- 1929-02-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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abgelehnt wurde. Bezeichnend und für uns entscheidend ist, daß Sie in Ihrem Briefe vom 22. Jänner 1929 zugeben müssen, daß Ihr Obmann von der Möglichkeit gesprochen hat, daß sich Ihre Partei mit allen anderen nicht unionistfschen Parteien zu einem Zweckverband vereinigen könne, was im Briefe Ihres Obmannes vom 1< Jänner 1929 gleichfalls nicht enthalten war. 2. Wie Sie selbst über die Anwendung des Proporzes denken, haben Sie nicht.nur in der Obmännerkonferenz gezeigt, in welcher Sie plötzlich mit dem Verlangen hervortraten, daß die Kommissionen aus nur zehn statt wie bisher elf Mitgliedern bestehen sollten, damit die Union der Majorität in den Kommissionen verlustig werde, welche, ihr nach der bisherigen Uebung und nach der bisher angewandten Berechnung zweifellos zugekommen wäre. Sie haben dies auch schon in einem früheren für alle f olgenden Ereignisse entscheidenden Zeitpunkte dadurch gezeigt, daß Sie bei der ersten äußeren Betätigung Ihres Mandates sofort Ihre Stimmen* als es zur Wahl des Präsidenten kam, für Ihren Klubobmann und nicht für Ifeprtt Prof. Dr. Pick abgaben, obwohlSie^ifon -yernhsr ein - wissen mußten, daß uns hierdurch die Möglichkeit,"Ihre'Kandidaten zu wählen, geradezu benommen wurde. Selbst die Vereinigung der werktätigen Juden hat Herrn Prof. Pick einhellig gewählt und nur Sie und Herr Dr. Landau haben für die Wahl Ihres Obmannes zum Präsidenten gestimmt. Sie haben weiters auch bei der Wahl des Vizepräsidenten nicht etwa leere Stimmzettel abgegeben, was die Partei der werktätigen Juden tat, sondern Sie haben auch jetzt Herrn Dr. Löwenherz zum Vizepräsidenten gewählt, obwohl es Ihnen doch klar sein mußte, daß es uns* nach diesem zweiten Affront einfach schon ganz unmöglich gemacht wurde, bei der Wahl des zweiten Vizepräsidenten unsere Stimmen Ihrem Kandidaten zu geben, oder auch nur leere Stimmzettel zur Abgabe zu bringen. S i e haben es also herbeigeführt, daß der Proporz nicht sofort zur Anwendung gelangte; durch die von Ihrem Obmanne in der I. Plenarversammlung unmittelbar nach der Wahl abgegebene Erklärung, daß Sie aus politischen Gründen den Präsidenten nicht wählen konnten, haben Sie den neuerlichen Beweis dafür erbracht, daß Sie parteipolitische Erwägungen höher stellen als das Interesse der Gesamtheit. Es kam dann zur Wahl des Vertreterkollegiums, bei welcher bereits der von Ihnen bestrittene Zweckverband „zufällig" durch eine gemeinsame Liste in die Erscheinung trat. Als nun durch das Los vier Mitglieder Ihrer gemeinsamen Liste gewählt wurden, Sie also die Hälfte der Vertreteranzahl des Kollegiums inne hatten, haben Sie es trotzdem für gut befunden, die Annahme dieser Wahl abzulehnen und sich dadurch selbst jeder Teilnahme an der Verwaltung zu begeben. Sie haben sich selbst vom Präsidium ausgeschlossen, indem Sie die für das Präsidium bestimmten Mitglieder der Union nicht gewählt haben, sondern nur Kandidaten Ihrer Partei und Sie haben sich selbst vom Vertreterkollegium ausgeschlossen, indem Sie die durch das Los auf Sie gefallene Wahl ablehnten. Daß die Wahlen vollkommen rechtmäßig waren, ist Ihnen ebenso bekannt wie uns. Es genügt nicht, einfach von rabulistischer und gewaltsamer Auslegung zu sprechen, ohne auch nur andeutungsweise eine Bestimmung anzuführen, welche bei Vornahme dieser Wahl verletzt worden wäre. Gerade aber Ihr Verhalten bei der Konstituierung, aus dem Ihre Ansicht hervorgeht, daß es Ihnen offenbar freistehen soll, zu wählen, wen Sie wollen, daß Sie aber dabei doch verlangen dürfen, daß wir trotzdem den zu wählen haben, den Sie wollen, zeigt zur Evidenz, an wen die Aufforderung Ihres Briefes vom 22. Jänner 1929 zu richten ist, sich von einer „überheblichen Ansicht" loszusagen. Sie sind nicht überheblich, wenn Sie unseren Präsidenten und Vizepräsidenten nicht wählen, und dann darüber irritiert sind, daß wir nicht Ihren Kandidaten wählen; Sie sind nicht überheblich, wenn Sie durch Obstruktionsreden etc. eine förmliche Sabotage der Gemeindeverwaltung herbeiführen und uns solcherart die Erkenntnis aufzwingen, daß eine gedeihliche Zusammenarbeit unmöglich ist. Diesfalls genügt wohl der Hinweis darauf, daß Ihr Obmann bei dem in keiner Weise bestrittenen Gegenstande (Wahl der Schiedsrichter) eine lange Rede über die vorgeschlagenen Schiedsrichter, z. B. Notar Bermann und Dr. Kantor hielt und die Gründe dariegte, aus welchen diese zu Schiedsrichtern nicht gewählt werden sollen, nur um hierdurch den Schluß der Sitzung herbeizuführen, und dann in der nächsten Sitzung ohne weiters für dieselben vorgeschlagenen Herren stimmte, gegen welche eine Einwendung von . vornherein selbstverständlich von keiner Seite zu erheben war. Desgleichen muß nochmals betont werden, daß Sie sofort eine Reihe von An- KAUF UND VERKAUF VON REALITÄTEN JEDER ART SOWIE ÜBERNAHME VON HAUSVERWALTUNGEN DURCH ARCHITEKT HERn/INN EBENSP/INQER WIEN IX., LATSCHKAGASSE 4 / TEL. A16-5-15 trägen betreffend Geschäftsordnungsänderungen, Statutenänderungen einbrachten, auf welche im Schreiben unseres Obmannes vom 22. Jänner 1929 bereits hingewiesen wurde. Daß diese Anträge im gegen war ti gen Zeitpunkte nicht die Herbeiführung einer Zusammenarbeit ermöglichen, sondern nur das Gegenteil bezwecken, wird jeder Einsichtige erkennen. Wenn Sie schließlich Ihre Forderung betreffend Wahlreform nicht zurückstellen wollen, obwohl diese nach unserer Ueberzeugung für die Gemeinde in höchstem Grade abträglich wäre und zu der wir uns durch gewaltsame Mittel nicht zwingen lassen wollen, so bleibt uns nichts anderes übrig, als die letzte Konsequenz zu ziehen, unsere Mandate niederzulegen und der jüdischen Bevölkerung durch Neuwahlen die Möglichkeit zu geben, sich endgültig für die eine oder die andere Richtung zu entscheiden. Jeder objektive Beurteiler wird dann restlos erkennen, daß für Sie immer „politische Gründe" maßgebend sind, während wir ganz objektiv und nur im Interesse der Gemeinde handeln, für uns das Interesse der Gemeinde nicht nur das oberste, sondern stets das einzige Gesetz ist. Wenn wir daher die Ansicht haben, daß wir auch durch diesen äußersten Schritt die Interessen der Gemeinde objektiv und zu derem höchsten Wohle vertreten, so ist.diese Ansicht durch Ihr bisheriges Verhalten vollkommen gerechtfertigt. Für den Klub der unionistischen Vertreter: Emil Engel, i. V. Dr. O p p e n h e i m, Schriftführer. Obmannstellvertreter. Ueber den weiteren Verlauf und über den Abschluß der Verhandlungen, sowie deren Ergebnis werden wir in der nächsten Nummer berichten, außerdem wird aui dem nächsten Sprechabend der „Uniont; am 9. d. M. referiert werden. Union deutschösterreichischer Juden Wien IX., Berggasse 4 Tel. A 19-2-77 Der 4. SpreMend der „Union" findet Samstag, den «. Februar 1029, 8 Mir abends, im Souterrainlokale des Arkaden-Cafe, l., Vnlversltats- Straße 3, statt, wozu hiemit die höfliche Einladung an alle Freunde der „Union", sowie an die Mitglieder, insbesondere auch an die Damen ihres Familien- und Bekanntenkreises ergeht. Auf diesem Sprechabend erfolgen äußerst wichtige Mitteilungen Ober die Situation im Hultusvorstand. Auf der Tagesordnung steht ferner der Abschluß der Debatte fiber das Referat des Herrn nofrai mg. Josel Löwo: DAS PROBIEN DES WIENER JUDENTUMS. Zum Worte gemeldet haben sich die Herren Dr. Ernst Feldsberg, Hofrat Dr. Emil Riesenfeld und Komm.-Rat Alexius Salzer. Das Schlußwort hat Herr Hofrat Ing. Josef Löwy. Für die .UNION DEUTSCHÖSTERREICHISCHER JUDEN* Der Präsident: Dr. Jakob.JOrnstein m. p.