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Die Wahrheit · 1929-02-08 · Heft 6 (8.2.1929) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 6 (8.2.1929)
Date
1929-02-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 iiiqni)i|iiiiiHniinmimi^miimmnrenHmniinnmnnmmmniiimiiiiitiiin DIE WAHRHEIT bei der Wahl verletzt worden wäre. Die Zionisten erhoben einen lauten, aber inhaltsleeren Protest, welcher natürlich wirkungslos blieb. Bei der Wahl des Vertreterkollegiums traten zum erstenmal alle anderen Parteien geschlossen gegen die „Union" auf. Die „Zionisten", die „Werktätigen" und Herr Dr. Landau fanden sich in Eintracht in einer gemeinsamen Liste vereinigt, welche 18 Stimmen erhielt, und auch die Vertreterliste der Union erhielt 18 Stimmen. Es kam zur Entscheidung durch das Los, durch welches schließlich vier Mitglieder der „Union", drei Mitglieder des zionistischen Klubs und Herr Dr. Landau ins Vertreterkollegium berufen wurden. Jetzt erklärten plötzlich die Zionisten und der stets mit ihnen gehende Herr Dr. Landau, daß sie die auf sie gefallene Wahl in das Vertreterkollegium ablehnen. Sie hatten nämlich ursprünglich geglaubt und auch unsinnigerweise verlangt, daß ihre Liste, enthaltend alle acht Mitglieder des Vertreterkollegiums, gegen die Liste der „Union" zur Auslosung gelangen werde, und hatten offenbar gemeint, daß, wenn das Los ihre Liste berufen werde, ein Arbeiten des Präsidiums mit einem aus lauter Gegnern zusammengesetzten Vertreterkollegium nicht möglich sein werde. Als aber die Auslosung, wie selbstverständlich, einzeln erfolgte, lehnten sie die Wahl ab, weil sie mit vier Mitgliedern nicht ins Vertreterkollegium gehen wollten und ihre offenbare Absicht, eine Geschäftsführung unmöglich zu machen, vereitelt war. Nach erfolgter Konstituierung sahen die Zionisten ein, daß ihr Verhalten bei der Wahl ein schwerer Fehler war, weil sie hierdurch bewirkt hatten, daß die Union alle Stellen im Präsidium und im Vertreterkollegium besetzt hatte, was niemals in der Absicht des Klubs der unionistischen Kultusvorsteher gelegen war. Herr Dr. Friedmann versuchte nun, diese schwere Entgleisung seiner Partei zu „entschuldigen", und erklärte, daß seine Partei nur „aus politischen Gründen" Herrn Professor Dr. Pick nicht zum Präsidenten gewählt hat. Herr Dr. Friedmann fand es auch für richtig, diese Rede mit der Ankündigung zu schließen, „daß es nun vier Jahre keinen Frieden geben werde". Auch diese „Entschuldigung" bestätigt die Richtigkeit des von den Unionisten wider die Zionisten erhobenen Vorwurfes, daß die Zionisten bei allen Angelegenheiten sich vor allem und in erster Linie von parteipolitischen Erwägungen leiten lassen, während für den Klub der unionistischen Klubvorsteher das Wohl der Gemeinde einzig und allein das Entscheidende ist und bleiben wird. Daher ist auch der Grundsatz der Union: Entpolitisierung der Kultusgemeindeverwaltung der einzig richtige und im Interesse der Gemeinde gelegene. In Fortsetzung der Tagesordnung vom 3. Jänner 1929 kam es sodann zur Verhandlung eines ganz unpolitischen, harmlosen Gegenstandes, nämlich zu der vom Statut vorgeschriebenen Wahl von Obmännern der Schiedsgerichte, was bisher stets ohne jede Debatte zur Erledigung gelangte. Man konnte auch jetzt auf eine rasche Erledigung rechnen, weil eben dieselben Schiedsgerichtsobmänner, wie sie schon früher mit Zustimmung der Jüdischnationalen bestellt waren, vorgeschlagen wurden. Der Obmann der zionistischen Partei leistete sich Seuilletoti Aus derJüdischen Sagen- und Märchenwelt Von Benjamin Segel. Wie der Vater seine Tochter fand. Es war einmal ein großer gelehrter Rabbi* der schrieb ein gelehrtes Buch und von den Anfangsbuchstaben des Titels nannte man ihn kurz „Schach". Dieser Schach hatte eine einzigte* Tochter, ein Kind von sechs Jahrein. Einmal sollten durch die Stadt die Tataren kommen, Die Tataren durften töten, wen sie wollten, und man konnte ihoetn nichts tun. Der Schach fürchtete für das Leben seiner Tochter, seine Frau war schon längst tot Da ging er in einen riefen Wald, erbaute steh eine Hütete, und gedachte dort mit seiner Tochter" zu bleiben, bis die Gefahr vorüber sei Einmal ging der Rabbi in die Stadt, um Nahnuuigsmitteln für Samstag einzukaufen, und ließ seine kleine Tochter allein in der Hütte zurück. Da fuhr ein Penatz (Herr) vorbei, machte vor der Hütte Halt, trat hinein, ergriff das Kind und trabte davon. Der Rabbi kehrte bald heim und fand seine Tochter nicht. Er durchstöberte den Wald, suchte in jedem Winkel, hinter jedem Busch, rief ihren Namen laut, daß es von Baum zu Baum wiederhallte, altes umsonst Sobald der Samtag vorüber war, sagt der Rabbi zu sich: „Ich werde gehen von Wald zu Wald, von Stadt zu Stadt, und von Dorf zu Dorf, und werde nicht ruhen, bis ich meine Tochter wieder habe." Er schnörte sein Bündel, legte einige Hemden hinein, n*mmt Talith und Tiphilin (Gebetmantel und Gebetriemen) und einige Seforim (Bücher), und macht sich auf den Weg. — Was war inzwischen aus der Tüchten geworden? Der Herr, der sie geraubt, hatte seine Tochter im gleichen Alter. Er hielt nun das kleine Judenmädchen mit seiner Tochter in einem besonderen Zimmer; und er hielt sie gut. eben wie ein großer Herr. Später gedachte er sie schmadden (taufen) zu lassen. So oft man ihr zu essen gab, kam eine alte Frau, die von nietmanden als von dem Judenkinde gesehen werden konnte, und vertauschte ihr die Speisen mit anderen, welche sie mit sich brachte. Denkt sich das Kind: das muß meine tote Mutter sein; denn sie wußte ganz gut, daß sife die Tochter dies Schach war; die Mutter bringt mir Speisen, damit ich nicht Trefoth (unritueäle, verbotene Speisen) esse. So blieb sie am Hofe des Herrn bis zum zehnten Jahn Wie sie 10 Jahre alt war, wollte sie der Herr in eine Kirche bringen, um sie schmadden zu lassen. Alles war schon vorbereitet, aber das Mädchen hatte keine Furcht Da kam einmai um Mitternacht die Mutter zu ihr, weckte sie und sagte: „Komm mit m2r". Sie nahm die Tochter auf die Schultern und trug sie weit, weit fort; dann ließ sie sie: nieder, vor der Tiiir eines Hauses, und verschwand. Das Mädchen begann sehr zu weinen, .und man hörte es drinnen. Sagt die Frau zu ihrem Manne: „Steh nur auf und sieh zu, wer da so laut weint" Den aber zagte: „Ich habe Furcht". Das Weib aber sagte: „Wenn ich nicht krank wänei, würde ich selber hinausgehen." Da ging der Mann und brachte das Mädchen hinein. Und es war ein sehr schönes Mädchen, ihr Gesicht war blaß, und die Augen leuchteten. Man gab ihr Erfrischung und' brachte sie zu Bett Am Morgen sagte die Wirtin zu ihr: „Kind, ich weiß nicht, wer du bist, und woher du bist wer dein Vatier ist und wer deine Mutter ist, aber ein jüdisch Kind bist du, bleibe bei mir, ich. werde dach halten wie ein eigen Kind." Das Mädchen blieb bei der Wirtin. Diese war krank, und starb bald darauf. Vor dem Tode rief sie den Mann zum Lager und sagte ihm: „Du bist noch jung, heirate deshalb das fremde Mädchen; ich habe an ihr gut gehandelt, so. wird sie auch an melinen Kindern gut handeln." Nach dem Schloschim (30 Trauertage) heiratete der Witwer das Mädchen. Unterdessen zog des Mädchens Vater, der Schach, von Wald zu Wald, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf und suchte überall seine Tochter. Er bhtöib an keiner Stadt länger als einen Tag, en hat mir immer gesucht und gehorcht: er

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