Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 5 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT muMiummmiMiiimi^^ Seite 13 an dessen Spitze der Präsident der Kultusgemeinde Universitätsprofessor Dr. A. P i c k stand und dessen Arbeiten von Erfolg gekrönt waren. Am. 8. Dezember 1925 fand die feierliche Enthüllung des Grabdenkmals Karl Goldmarks, des Meisterwerkes des Bildhauers Hegenbarth. statt. Es stellt einen Löwen dar, der einen gewaltigen Quader trägt, auf welchem der Name „G o 1 d m a r k" in goldenen Lettern prangt. Der Stein ist mit einem bronzenen Lorbeerzweig geschmückt. Der Erfinder des Autos ein Jude. Im Jahre 1864 brachte der in Wien lebende Jude Siegfried Marcus ein Motorfahrzeug heraus, das das erste gewesen sein dürfte, das überhaupt in Betrieb gesetzt wurde, da Gottfried Daimler seinen Kraftwagen erst 1885 konstruierte. Um das Andenken Marcus' zu ehren, wird in der Nähe der Technischen Hochschule ein D e n k m a 1 für ihn enthüllt werden. Louis Marshall über die jüdische Erziehung in Amerika. In der Jahresversammlung der Gesellschaft für jüdische Erziehung führte Louis M a r s h a 11, der Präsident der American Jewish Comittee, in einer Ansprache aus, die Jüdische Erziehung in den Vereinigten Staaten leide unter dem Mangel an Zusammenarbeit und werde auch nicht genügend gefördert. Von den etwa 350.000 im Schulalter stehenden jüdischen Kindern New Yorks, einer Stadt, die 1.800.000 Juden beherbergt, ist nicht einmal die Hälfte irgendeines jüdischen Unterrichtes teilhaftig. Die amerikanischen Juden geben vier bis fünf Mill. Dollar jährlich für jüdischen Unterricht aus, davon entfallen auf die New Yorker Gesellschaft für jüdische Erziehung im ganzen 250.000 Dollar. Man müsse die Mutter für das Erziehungswerk interessieren, da der Vater in der Regel geschäftlich überbürdet ist. Marshall forderte die Juden New Yorks auf, das Erziehungswerk zu fördern und die beschämende Tatsache aus der Welt zu schaffen, daß eine so große Gemeinschaft so wenig für die Erhaltung des Judentums unter ihren Kindern tut. Israelitischer Tempel- und Schulverein Stumpergasse. Die 32. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines findet Sonntag, den 3. Februar, um K10 Uhr vormittags, im Vereinslokale VI., Stumpergasse 42J statt. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien II., Ferdinandstraße 23/8. Montag, den 4. Februar 1929, findet im Klubsaale der „Hakoah", Wiprjlingerstraße 24—26 (Cafe Altes Rathaus, Eingang durchs Haustor), ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Albert Schweiger (Mödling): „Eine Studie über Elischa ben Abuja (genannt Acher)", statt. Beginn lA% Uhr abends. Eintritt frei. Gäste willkommen. Maimonldes-Institut Wien. Universitäts-Vorträge über hebräische Literatur und Geschichte des Judentums, im Hörsaal 34 der phil. Fakultät vom Dozenten am Institut Herrn Dr. A. Kaminka: Mittwoch, den 6. Februar, Hl Uhr abends, ,.Saadja über das Weltall und die Menschenseele." Gegen eine unjüdische Kalenderreform. Im Namen des Synagogenrates der Synagogenverbände Amerikas erklärte Rabbi David de Sola Pool vor der Kalenderkommission des Komitees für auswärtige Angelegenheiten der Regierung in Washington, daß alle religiösen Richtungen des amerikanischen Judentums, Orthodoxie, Reformer und Konservative, vereint gegen jede Kalenderreform kämpfen werden, die die Haltung des Sabbath irgendwie erschweren könnte. Auch der Vertreter der Baptisten-Gemeinden Amerikas sprach sich im Namen seiner Gemeinden mit größter Entschiedenheit gegen eine Kalenderreform aus, die den Sabbath verdrängen könnte. Die Wiener Rezitatorin Margarete Bach, Tochter des Herrn Rabbiner Professor Dr. J. M. Bach, über deren große Erfolge in Prag und Budapest die dortigen Blätter ausführlich berichteten, und die jetzt in der Schweiz bei Publikum und Presse allgemeinen Anklang gefunden hat, gibt Mittwoch den 13. Februar im Kleinen Konzerthaussaale einen eigenen Vortragsabend unter Mitwirkung von Professor Hugo Gottesmann. Bündnis Hugenberg—Hitler? Wie die „Münchener Post" mitteilt, hat der deutschnatiouale Abgeordnete und Zeitungskönig Hugenberg ein geschäftliches und politisches Bündnis mit Hit- 1 e r abgeschlossen. Sie gründeten gemeinsam den „Deutschen Volksverlag, eine Arbeitsgemeinschaft zur praktischen Volksaufklärung", die durch Flugschriften in neutralem Gewand den Bolllnger-Elskasteit sind seit 1870 di« besten Fabrik: Wien XV., Staglgasse Nr. 10, Telephon R 30-5-38 Filiale: VII., Burggasse Nr. 17, Telephon B 32-3-80 Marxismus bekämpfen sollen. Der Ankündigungsprospekt enthält den folgenden Satz: „Das Wort .Jude' wird im allgemeinen vermieden, der Leser soll vielmehr am Ende der Schrift von selbst zu den richtigen Schlüssen kommen." Eröffnung einer Beth-Jakob-Schule. Die Bemühungen, die jungen jüdischen Mädchen zu einer vertieften Erkenntnis der Religion und ihrer Quellen zu führen, werden in der allweltlichen Beth Jakob-Organisation gefördert; diese Organisation hat auch in Wien Wurzel gefaßt und es ist ihr gelungen, in der Oberen Donaustraße 12, Brigittenauerlände 2 ein eigenes Heim zu schaffen. Die Einweihung dieses Heimes fand am Sonntag, den 13. Jänner statt, wobei das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde, die Israelitische Allianz, die allweltliche Beth Jakob-Zentrale und die Agudas Jisroel vertreten waren. Im Mittelpunkt der Eröffnungsfeier standen die ausgezeichneten pädagogischen Darlegungen des Herrn Dr. Deutschländer. Mit dieser Feier wurde eine Ehrung des Herrn Wolf Pappenheim verbunden, dem eine künstlerisch ausgeführte Adresse überreicht wurde. Die Adresse bekundet, daß der Beschluß zur Gründung dieses Heimes aus Anlaß des 80. Geburtstages von Wolf Pappenheim gefaßt wurde. Die Friedhofsschändungen und die Deutschnationalen. Es hatte anfangs den Anschein, als verschaffte das wahre Gesicht des Antisemitismus, wie es aus den geschändeten jüdischen Friedhöfen zu uns starrt, den halbwegs Anständigen auf der deutschnationalen Seite einiges Unbehagen. Als gar Walter von Molo und andere rechtsgerichtete Männer der geistigen Führung das geharnischte Wort gegen diese Schande aller Schanden ergriffen, war man gar geneigt, darin die Meinung und das Wort aller bis zum rechten Flügel zu sehen, die sich noch einiges Gefühl für Ehre und Anstand erhalten haben. Eine der letzten Nummern der „Deutschen Tageszeitung", des Hauptorganes der Deutschnationalen, belehrt leider eines anderen. Wie wir schon mitgeteilt, haben, nahmen Minister und Parlamentarier auf einer Versammlung des Centraivereines Veranlassung, ihrer Entrüstung über diesen schändlichen Vandalismus, wie ihn nicht dnmil die Geschichte des Mittelalters kennt, Ausdruck zu geben. Das genannte deutschnationale Blatt nennt diese Protestkundgebung eine ..zweckhafte Uebertreibung". Sie stellt die Schändung als „Ausnahmefälle" dahin und hält das Ganze für eine echt „jüdische Aufbauschung", der Juden würdig. Die Zahl der Friedhofsschändungen ist bereits auf 70 angestiegen. Und diese .„siebzig Ausnahmen" vermögen die „Deutsche Tageszeitung" nicht so sehr aufzuregen, als aer Versuch des Centraivereins, dagegen öffentlich zu protestieren. So schlimm die Friedhofsschändungen und Synagogenbesudelungen sind, diese Haltung eines Blattes, des führenden Organs einer großeji, lange Zeit an der deutschen Regierung mitbe- «»■■■■«■■■■■■■■■..».....»...„..„.3 ■ In der ■ Kultusgemeinde Klaseitfurt ■ ist die Stelle eines KA1TORS ■ der gleichzeitig Möbel, Schocket Webodek 2 sein muß, zu besetzen. ■ Derselbe muß von orthodoxen Rabbinern ■ Aiitorisationen haben. 5 Offerte mit Zeugnisabschriften, Alter, Familien- ■ stand, Gehaltsansprüchen sind zu richten 5 an den Präses ■ Max Stössl 5m——■ I I ■ i i