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Die Wahrheit · 1929-02-01 · Heft 5 (1.2.1929) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 5 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 ■■■ fSBiwauoi DIE WAHRHElt 'kund und Literatur VmWoAezaWoAe A. Wesselski. Märchen des Mittelalters, Berlin 1925, Herb. Stubenrauch, Mk. 12.—. Leistungen, wie die vorliegende, werden nicht ad hoc unternommen, sondern fallen als reife Früchte vom Baume einer Lebensarbeit. Da dem Verfasser die jüdische Literatur nur in Uebersetzungen zugänglich war, entging ihm manches. Zum „Weib in der Kiste" (S. 187) vgl. Sarahs Einzug in Aegypten. „Die verschenkten Lebensjahre" (S. 188) sind Gegenstand einer Prager Qhettosage, in der ein Mädchen ihre Jahre dem kranken Rabbi schenkt „Das kluge Bauernmädchen" (S. 197) kehrt in Zabaras „Schaaschuim" wieder, wo Davidsohn weitere Literatur anführt. Die Verkleidung durch die Judenhaut (S. 189) erinnert an Esau- Jakob und einen ganzen Märchenkreis mit ähnlichem Motiv, das Sich-tot-stellen an die Geschichte von Jochanan Sakkai, „Vor der Hinrichtung noch blasen dürfen" (S. 199) an das Martyrium der Nordhausener Juden, „Der dankbare Tote" (S. 201) an Mose, der den Sarg Josefs aus Aegypten mitnimmt und dadurch an Josef lohnt, was dieser an Jakob getan (Tanchuma Beschallach), Bestrafung des Neides, Belauschen von Dämonen usw. (S. 205) an Aesops Fabel von Hermes und dem Zimmermann. Hadrian und dem Feigengeschenk des Alten (demnächst im „Wörterbuch des deutschen Märchens") u. a. m. Das Buch ist jedem Märchenforscher unentbehrlich. Dr. Grunwald. Claufi L. F„ Von Seele und Antlitz der Rassen und Völker, München 1928. I. T. Lehmann. Mk. 10.—. Das mit 231 Abbildungen glänzend ausgestattete Buch hat ins Schwarze getroffen. Auf diesem Wege pürscht man sich an das Mysterium heran, das wir Seele nennen. Schädelmessungen und all der rasselnde Apparat der bisherigen Ethnographie und „Rassenforschung" wird ins alte Eisen geworfen. Das prophetische Wort Nietzsches, daß aus der zuckenden Miene Rasse spricht, findet hier auf breiter Basis Bestätigung. Mit Blitzlicht und Büchse auf Tierbeobachtung ausgehen, ist nicht schwerer, als mit Kodak und Ueberredungskunst diese menschlichen Geheimnisse auf die Platte zu bringen. Ihre Verwertung ist, das muß besonders betont werden, frei von jeder Tendenz, streng wissenschaftlich, objektiv und darum überzeugend. Ein zweijähriger Aufenthalt in Jerusalem hat den wichtigsten Teil des Materials geliefert. Wieviel könnte die jüdische Folklore dort sammeln! Für das Ergebnis bezeichnend ist die Bemerkung des Verfassers über einen hochanständigen Beamten: „An dem ist eigentlich ein Schweinehund verloren gegangen" (S. 98), ein Seitenstück zu dem Könige, der Mose nach einem Bilde dieses unseres Größten für einen Räuberhauptmann hielt. So vermag Selbstzucht natürliche Anlage umzustellen. Alles in allem ein prachtvolles Buch. G. Moses Reich, Thorath Jecheskel. Wer für geistvolle Erklärungen und Deutungen von Bibelworten und Aussprüchen unserer nachbiblischen Größen Sinn und Verständnis hat. dem wird die Lektüre dieser Sammlung von Predigten und Kommentaren einen hohen Genuß bereiten. Es genügt der Hinweis, daß uns hier eine Autorität wie Koppel Charit als Darschan begegnet daß von seinem Sohne, dem Herausgeber des vorliegenden Bandes, der sich in der Hauptsache auf Auslegungen des ersten Buches Mose beschränkt, eine Fülle originellen und durchaus glücklichen Gedanken dargeboten wird, und — last not least — endlich einmal sein Bruder, unser Badener Oberrabbiner, eine Probe seines köstlichen Maggidus liefert. Gerade nach diesem Meisterstück erheben wir auch an dieser Stelle gegen ihn den Vorwurf, daß er sein Licht nur seinen Zuhörern leuchten läßt und es weiteren Kreisen, die für eine Veröffentlichung seiner Kanzelreden ihm so dankbar wären, aus falsch angebrachter Bescheidenheit entzieht Dem Familienforscher und Kulturhistoriker wird auch das Vorwort willkommen sein, das uns mit den Persönlichkeiten und Schicksalen der Gelehrtenfamilie, die in den vorliegenden Leistungen vertreten ist, bekannt macht. Das Buch kann allen, die sich gern ein Stückchen Thauro zu Gemüte führen, warm empfohlen werden. Dr. Grunwald. BETTFEDERN En gros SPEZIALHAUS en detail Leo Schotten, Wien XIV., Braunhlnehengasse Nr. 21 Telephon R 38-3-83 — Provinzversand — Samstag geschlossen Zentrale: Mattersbarg, Bargentand, Der dritte Sprechabend der „Union", der Samstag, den 26. Jänner im Arkaden-Cafe stattfand, wurde durch Mitteilungen des Präsidenten Herrn Doktor J. 0 r n s t e i n über die kritische Situation im Kultusvorstand eingeleitet. An seine interessanten Ausführungen knüpfte sich eine längere Debatte, an der sich die Herren A. Taub, Komm.-Rat A. Salzer, Dr. J. T i c h o, der sich unter Zustimmung der Anwesenden entschieden gegen die Störung der Parteienverhandlungen durch die „Stimm e" wandte, beteiligten. Hierauf sprach in persönlicher Sache Herr Ing. Hugo Koditschek über seine Intervention bei der Redaktion der „Stimme", die auch ihn gleich anderen Herren der „Union" in dem oft erwähnten Artikel „Gespenster" angegriffen und seine Rede auf dem zweiten Sprechabend der „Union" vollkommen entstellt wiedergegeben hatte. Der verantwortliche Redakteur des Blattes Doktor Schmitz hat Herrn Ing. Koditschek Genugtuung durch Veröffentlichung einer entsprechenden Richtigstellung in der dieswöchentlichen Nummer der „Stimme" zugesagt. Es folgte sodann die Fortsetzung der Debatte über das Thema „Problem des Wienerjudentum s", an der die Herren Alfred Stroh, Komm.-Rat A. Salz er, Hofrat Dr. Emil Riesenfeld, Med.-Rat Dr. H. H a a s e und Reg.- Rat Dr. Max Lenk teilnahmen. Besonderen Beifall lösten die temperamentvollen Ausführungen der Frau Dozent Sophie G r ü n f e 1 d über die Pflichten der Wiener jüdischen Frau in sozialer und politischer Hinsicht aus. Ehrung Karl Goldmarks. Wie aus Budapest gemeldet wird, hat der Sekretär der Ungarischen Landesmusikhochschule, Dr. Robert MeszUnyi, Verhandlungen mit der Familie und den Erben Karl Go 1 dmar ks eingeleitet, um den Handschriftennachlaß des Tondichters zu erwerben. Die Verhandlungen waren von Erfolg begleitet und führten zu dem Ergebnis, daß sämtliche Originalpartiturmanuskripte der - Opern Goldmarks, darunter der „Königin von Saba", in den Besitz der Musikhochschule übergehen. Ferner überließ die Familie der Hochschule das Klavier des Meisters und zahlreiche Reliquien, Dokumente und Bilder. Aus dem außerordentlich interessanten Nachlaß wird der Direktor der Musikhochschule Eugen v. Hubay ein Goldmark-Zimmer einrichten. G o 1 d m a r k wurde bekanntlich am 30. Mai 1830 in Keszthely am Plattensee geboren. Die Zentenarfeier soll in Ungarn festlich begangen werden. Auch die Wiener Judenschaft wird hoffentlich die Zentenarfeier zum Anlaß nahmen, um dem Jüdischen Meister die wohlverdiente Ehrung zu erweisen, dessen Grabmal bekanntlich auf dem Zentralfriedhof (I. Tor) sich befindet. Es ist wohl noch erinnerlich, wie es zu der Errichtung dieses Denkmales gekommen ist. Als im Jahre 1924 das 50jährige Jubiläum der Wiener Uraufführung der „Königin von Saba" gefeiert wurde, da erinnerte „Die Wahrheit" daran, daß sich auf der jüdischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes das unscheinbare Grab des großen Künstlers befindet und daß die Wiener Judenschaft eine Dankes- und Ehrenschuld gegenüber dem unvergeßlichen Meister der Töne zu erfüllen habe, indem sie seiner Ruhestätte eine würdige Ausgestaltung schaffe. Dieser Empfindung gab auch Hejr Rabbiner Dr. Max Grunwald von der Kanzel herab Ausdruck und seine Worte sowie die Ermahnungen unseres Blattes fanden in den Herzen der Wiener Judenschaft Widerhall. Der unvergeßliche Meister Alfred G r ü n f e I d. der ein Freund Goldmarks war. veranstaltete auf Anregung des Kommerzialrates Alfred Landesberg e r einen Konzertabend zum Zwecke der Schaffung eines Grabmalfonds; es bildete sich schließlich ein Denkmalkomitee,

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