Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 5 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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fttHflfMMlHMW^^ 0|£ WAHRHEIT Man sieht, die Csongrader Ermordeten sind noch immer nicht vergessen. v ~** * Bei der Konkurrenz für die größte Weltschönheit hat in Budapest unter 300 Mädchen, deren Namen der Jury erst nach der Preiserteilung bekannt wurden, eine siebzehnjährige Jüdin den zweiten Preis erhalten. Die Gefahr war groß, daß die Jury, unter deren Mitgliedern namhafte Rassenschützler sich befanden, der Jüdin den ersten Preis zuerkannt hätten! Gerechte Richter mußten in diesem Falle wirklich — nach Ansehen der Person urteilen. Ego. Vom Bundestag der Vereinigungen jüdischer Akademiker. In der Woche vom 23. bis 26. Dezember 1928 fand in Berlin, unter Teilnahme zahlreicher Delegierter aus dem In- und Auslande, der 12. Bundestag der Vereinigung jüdischer Akademiker statt. Der Bund jüdischer Akademiker stellt die organisatorische Zusammenfassung all jener jüdischer Studenten dar, die sich unbeschadet ihrer jüdisch-politischen Einstellung zu den Prinzipien des gesetzestreuen Judentums bekennen und die im Sinne des alten Mischnah-Wortes die Forderung nach harmonischer Durchdringung moderner Weltanschauung mit wahrhaft religiösem Empfinden auf ihre Fahne geschrieben haben. Dank der in den letzten Dezennien von tiefstrebigem Tatwillen getragenen und intensiv betriebenen Aufklärungsarbeit hat dieser Qedanke einer modernen und zugleich doch auch tief jüdisch verinnerlichten Lebensgestaltung in weiten Kreisen des gesetzestreuen Judentums in Deutschland und auch darüber hinaus feste Wurzel geschlagen und auf die heranreifenden Akademiker bei der Formung ihres Weltbildes derart entscheidend eingewirkt, daß man die Tätigkeit der Vereinigung jüdischer Akademiker als einen bedeutungsvollen kulturellen Faktor aus der geistesgeschichtlichen Struktur des gesetzestreuen Judentums von heute nicht missen möchte. So begegnete denn auch der letzte Bundestag im Hinblick auf seinen wissenschaftlichen Charakter und die besondere Aktualität der zur Diskussion gestellten Referate in der breiten jüdischen Oeffentlichkeit weitestgehendem Interesse. Stand doch der öffentliche Begrüßungsabend geradezu im Zeichen eines hohen gesellschaftlichen Ereignisses, das Delegierte und ein distinguiertes Publikum zu Stunden erlesensten geistigen Genusses vereinte. Der festlich geschmückte Sitzungssaal des ehemaligen preußischen Herrenhauses war bis auf das letzte Plätzchen dicht gefüllt. Vertreter der verschiedensten jüdisch-kulturellen Körperschaften waren erschienen, um ihr Interesse für die Bestrebungen des Bundes zu bekunden. Nach einleitenden Begrüßungsworten des Bundesvorsitzenden Josef Stern, ergriff Dozent Dr. J. Wohlgemuth das Wort zu einem großangelegten Referate, um in tiefschürfenden, meisterhaften Ausführungen die Problematik der „Erwählung Israels" vom Standpunkte des modernen jüdischen Menschen aus zu beleuchten. Ebenso bewegten sich auch die sonstigen Referate, die einschneidende Fragen der jüdischen Lebensauffassung in ihrem Verhältnis zur Moderne zum Gegenstand hatten, auf hohem Niveau und mögen manchen Tagungsteilnehmer wertvolle Anregungen für den Ausbau der eigenen Persönlichkeit vermittelt haben, wie auch für die zukünftige Arbeit im Rahmen der Gemeinschaft. In diesem Zusammenhange sei darauf hingewiesen, daß auch in Wien seit mehreren Jahren eine Vereinigung jüdischer Akademiker besteht, deren Wirken aber bisher in der jüdischen Oeffentlichkeit nicht in gebührendem Ausmaße gewürdigt worden ist. Die V. J.A. in Wien, die die Herren Kurt Stern und Rafael Jakobovits als Delegierte zum Bundestag entsandt hatte, veranstaltet in jedem Semester eine Reihe öffentlicher, jeweils besonders angekündigter Vorträge, bei denen prominente Vertreter der jüdischen Geistigkeit am Pult erscheinen, ferner regelmäßig interne Vortrags- und Diskussionsabende sowie auch gesellige Zusammenkünfte und sucht dadurch jene Bestrebungen zu fördern, die in der Schaffung des Milieus für den jüdisch-gesetzestreuen Akademiker gipfeln. cand. phll. Emil Sprinzeles. WMdim vea^rn Hermann Bahr, der Hitler-Enthusiast. Der Wiener Korrespondent der „Vossischen Zeitung", Karl Lahm, befaßt sich mit dem Wiener konservativen Blatt „Schönere Zukunft", welches der christlichsozialen Partei einreden will, daß ihr eine schärfere Betonung des Antisemitismus nur von Nutzen sein könnte. Diese scharf antisemitische Zeitschrift hat auch Hermann Bahr, den einstigen enthusiastischen Judenfreund, zum fleißigen Mitarbeiter. Der jetzt in München lebende, als Katholik sich hervortuende Bahr schreibt der antisemitischen Zeitung: „. . . Ich bin oft dem Schicksal dankbar, als Oesterreicher in München zu Wahlen kein Recht und jedenfalls keine Pflicht zu haben. Ich käme sonst in arge Verlegenheit ... Ich müßte hier in München, zu wählen gezwungen, nach meinem Gefühl eigentlich für den von Hitler genannten Bewerber stimmen, weil in Hitlers Reihen doch zur Zeit die beste Kraft reinster Jugend Deutschlands steht. Gerade die darf ich aber wieder als Katholik nicht wählen, weil sie sich doch, vielleicht bloß aus einem Mißverständnis (!), gegen die katholische Kirche stellt." — Der Korrespondent fügt hinzu: „Zu solchen Verwirrungen kann selbst ein schöner Kopf mit weißem Bart, wie der Hermann Bahrs, kommen!" Die Jewish Agency. Es ist bedauerlich, daß immer wieder in zionistischen Kreisen gleichzeitig mit dem Wunsche nach Mitarbeit der Nichtzionisten an der Jewish Agency der Auffassung Raum gegeben wird, als ob es sich hierbei um eine Mitarbeit am Zionismus handeln könne. Besonders eigenartig berührt es, was nach einer Mitteilung der Jüdischen Telegraphen-Agentur das offizielle Organ der zionistischen Weltorganisation „New Judäa" in diesem Zusammenhange schreibt: „Nach der Beseitigung aller Differenzen, die sich noch zwischen der Auffassung des Aktionskomitees und dem Berichte der Joint Survey Commission ergeben haben mögen, ist der Beginn der Funktion der erweiterten Jewish Agency definitiv in Sicht. Ueber dieses Ergebnis herrscht in weitesten Kreisen der Zionisten Befriedigung; diese Befriedigung wird mit der Zeit sogar von denjenigen Zionisten geteilt werden, die der Politik der Einbeziehung von Nichtzionisten in die Agency am heftigsten widerstrebt haben und noch heute widerstreben. Was immer die Verdienste der Agency-Pojitik sein mögen, fraglos ist, daß die langdauernde Kontroverse über dieses Thema innerhalb der zionistischen Reihen eine Ursache der Schwäche für die zionistische Bewegung gewesen ist. Indem wir diese Frage von der Tagesordnung absetzen, gewinnen wir alle Zeit und Energie für die Lösung der drängenden Probleme. Ein erfolgreiches Arbeiten in der erweiterten Agency setzt eine starke und geeinte zionistische Organisation voraus, und es ist nicht zuviel, wenn man von denjenigen, die sich bisher dem Agency-Plan widersetzt haben, nunmehr fordert, daß sie sich dem Beschluß der Mehrheit loyal unterordnen und das Ihre darzutun, daß sich die Reihen schließen und unsere inneren Probleme der Lösung zugeführt werden. Das stetige Wachstum der jüdischen Siedlung in Palästina ist das beste Instrument zionistischer Propaganda, und insofern nicht zionistische Elemente dieses Wachstum fördern helfen, trägt dies zur Au s- ■BHHBBBHBBHBKOBBSBfflBBUUH| S. Grüners 323 Restaurant II., Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1-60 VorzOgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend Menü nach Wahl. Erstklassige Getränke.