Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1929-02-01 · Heft 5 (1.2.1929) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 5 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3062972-3064197-3064202--16906-3086986
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 8 BjiiiuuiiiiiiiiuiuiniiHiiuiiniiiimninnuiumniiJiiiiiiiiiJiiiiuiiiiiuiiiniiiiiiiiiii DIE WAHÄHfeif daß den ganzen Weg der Erziehung des Menschengeschlechtes jeder Einzelne noch einmal durchlaufen muß. Am Schluß der geistigen Entwicklung erhofft er sich eine Vernunftsreligion. Diese so wenig beachtete Schrift ist sein religiöses Testament gewesen. Sie zeigt auch zugleich die Grenze, bis zu der wir ihm in seiner Gedankenwelt folgen können. Hier muß mit einem Wort sein „Nathan" gestreift werden. Jene berühmte Erzählung von den drei Ringen, die die drei Religionen verkörpern, will ja letzten Endes auch die historischen Religionen überflüssig machen. So dankbar wir dem Dichter für die Gestalt des Nathan sein müssen, der der Welt zeigte, daß das Judentum auch andere Typen hervorbrachte, als die man in der Regel in ihm vermutete, so werden wir doch auch die Trennungslinie gegen seine Auffassung zeigen müssen. Für Lessing konnte der in seinem Glauben gebundene Mensch niemals der beste Mensch sein. Mit Lessing sehen wir gewiß edle Menschlichkeit und Reinheit als ein hohes und höchstes Ziel an. Aber wir Juden glauben doch, daß wir diesem am nächsten kommen, wenn wir es im Rahmen des Glaubens erfüllen, in den wir hineingeboren sind. Wir sehen zwischen Menschen- und Judentum heute keine Grenzen mehr. Wir glauben, die besten Menschen zu sein, wenn wir auch die besten Juden sind. Trotz dieser Einschränkung können wir doch einen weiten Weg mit Lessing gemeinsam gehen. Wer, wie er, so von höchster Liebe zur Menschheit erfüllt ist, der hat auch dann noch einen Anspruch, gehört zu werden, wenn man der Meinung ist, daß man ihm nicht in allem zustimmen kann. Und daß unsere Zeit besonders einen Tropfen Lessingscher Humanität notwendig hätte, das bedarf keiner besonderen Begründung. Aphorismen über Juden und Judentum. Zitate aus Lessings „Erziehung des Menschengeschlechts". „Da Gott aber einem jeden einzelnen Menschen sich nicht mehr offenbaren konnte noch wollte, so wählte er sich ein einzelnes Volk zu seiner besonderen Erziehung; und eben das ungeschliffenste, das verwildertste, um mit ihm ganz von vorne anfangen zu können." * „Auch hier also treffen Erziehung und Offenbarung zusammen. Noch konnte Gott seinem Volke keine andere Religion, kein anderes Gesetz geben als eines, durch dessen Beobachtung oder Nichtbeobachtung es hier auf Erden glücklich oder unglücklich zu werden hoffte oder fürchtete. Denn weiter als auf dieses Leben gingen noch seine Blicke nicht..." „Allein wozu, wird man fragen, diese Erziehung eines so rohen Volkes, eines Volkes, mit welchem KleiderkreditZahlbar &£Salb ***** i Sämtliche Herren- und Damenkleider ■ Nur Qualitätsware! cach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise I J KLEIDERHAUS WERTER, WIEN XVI., ■ Te1»phon A 1-501 Ottakring-erstrafie 17 Telephon A 1-50] 2 E«fzte Nactiricfitem friede im 3£uttusvo*stan& Wie wir nach Redaktionsschluß erfahren, sind in letzter Stunde die eifrigen Bemühungen der ,.Union(tt eine Arbeitsmöglichkeit im Kultusvorstand zu erzielen, von Erfolg gekrönt worden. Näheres in unserer nächsten Nummer. Gott so ganz von vorne anfangen mußte? Ich antworte: um in der Folge der Zeit einzelne Glieder desselben so viel sicherer zu Erziehern aller übrigen Völker brauchen zu können. Er erzog in ihm die künftigen Erzieher des Menschengeschlechts. Das wurden Juden, das konnten nur Juden werden, nur Männer aus einem so erzogenem Volke." * „Denn weiter. Als das Kind unter Schlägen und Liebkosungen aufgewachsen und nun zu Jahren des Verstandes gekommen war, stieß es der Vater auf einmal in die Fremde; und hier erkannte es auf einmal das Gute, das es in seines Vaters Hause gehabt und nicht erkannt hatte." * „. . . . Die Wunder, die Gott für die Juden tat, die Prophezeiungen, die er durch sie aufzeichnen ließ, waren ja nicht bloß für die wenigen sterblichen Juden, zu deren Zeiten sie geschahen und aufgezeichnet wurden: er hatte seine Absichten damit auf das ganze jüdische Volk, auf das ganze Menschengeschlecht, die hier auf Erden vielleicht ewig dauern sollen, wenn schon jeder einzelne Jude, jeder einzelne Mensch auf immer dahin stirbt." * „Laßt uns auch bekennen, daß es ein heroischer Gehorsam ist, die Gesetze Gottes beobachten, bloß weil es Gottes Gesetze sind, und nicht, weil er die Beobachter derselben hier und dort zu belohnen verheißen hat; sie beobachten, ob man schon an der künftigen Belohnung ganz verzweifelt, und der zeitlichen auch nicht so ganz gewiß ist." * „Ein Volk, in diesem heroischen Gehorsam gegen Gott erzogen, sollte es nicht bestimmt, sollte es nicht vor allen anderen fähig sein, ganz besondere göttliche Absichten auszuführen? — Laßt den Soldaten, der seinem Führer blinden Gehorsam leistet, nun auch von der Klugheit seines Führers überzeugt werden und sagt, was dieser Führer mit ihm auszuführen sich nicht unterstehen darf?" # „Erleuchtet über ihre eigenen unerkannten Schätze, kamen sie (die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft) zurück und wurden ein ganz anderes Volk, dessen erste Sorge es war, diese Erleuchtung unter sich dauerhaft zu machen. Bald war an Abfall und Abgötterei unter ihnen nicht mehr zu denken. Denn man kann einem Nationalgott wohl untreu werden, aber nie Gott, sobald man ihn einmal erkannt hat."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.