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Die Wahrheit · 1929-02-01 · Heft 5 (1.2.1929) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 5 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT ^J'^J»J^itJifllJ^J»»»HiiiUlHnituiiitHitiiiiiiiiHmiiiflifititmittanHiuMii Seite 7 des Agency-Planes vermindert erscheint. In Polen kann eine solche Repräsentanz nur geschaffen werden durch eine allgemeine Pro-Palästina-Konferenz, deren Delegierte von allen polnischen Juden, die an dem Aufbau des Nationalheims interessiert sind, gewählt werden. Auch ich halte die Vereinigung aller polnischen Zionisten für eine Notwendigkeit, ich bin aber dagegen, daß die Idee der Vereinigung seitens der zionistischen Exekutive in Ostgalizien als Instrument zur Bekämpfung des einen oder des anderen Kurses in der Landespolitik ausgenutzt werde. Auf die Frage, ob man vor einer Spaltung der Zionistischen Organisation in Polen steht, erwiderte Grünbaum: Wir wollen nicht die Organisation spalten, werden dies auch in Zukunft nicht wollen; wir wollen die Aktivität der Zionisten durch Schaffung der notwendigen Organe steigern. Will das Zionistische Komitee unserer Forderung auf Verbreiterung der Basis der Wahl zur Landeskonferenz nicht nachkommen, so werden wir an die breiten zionistischen Massen appellieren und sie auffordern, das Schicksal der Zionistischen Organisation in die eigenen Hände zu nehmen. Ich hoffe, daß die zionistischen Massen unseren Standpunkt einnehmen werden. KAUF UND VERKAUF VON REALITÄTEN JEDER ART SOWIE ÜBERNAHME VON HAUSVERWALTUNGEN DURCH ARCHITEKT MERH/INN EBENSPflNQER WIEN IX., LATSCHKAGASSE 4 / TEL. A16-5-15 Lessing in seiner Stellung zur Menschheit. Von Dr. Willy Cohn, Breslau. Aus einer Zeit, die im Nationalismus das Letzte und Höchste sieht, tut es anläßlich des 200. Geburtstages Gotthold Ephraim Lessings not, sich für ein paar kurze Augenblicke in eine Zeit zu flüchten, der der Mensch das Letzte und Höchste war. Wenn wir in der Zukunft über den Haß der Völker zu einer wirklichen Einheit der Menschheit kommen wollen, so bleibt kein anderer Weg, als die nationalen Ideale unserer Tage weiter zu entwickeln, indem wir sie mit den humanen Ideen jener Epoche verbinden. Den meisten schwebt, wenn sie an Lessing denken, dabei lediglich Lessings „Nathan" vor, in dem der Dichter in so vollendeter Form seinen humanen Gedanken Ausdruck gegeben hat. Aber wenn man tiefer in sein Schaffen eindringt, so enthüllen uns auch seine anderen Werke eine Reihe von Gedanken, die seine große Liebe zur Menschheit zeigen. „Emilia Galotti", jene flammende Anklage gegen den Egoismus der Fürsten, bleibt zweifellos die beste Darstellung jener Uebergangszeit vor der französischen Revolution. Lessings Stellung zur Todesstrafe, die ja auch heute noch leider ein durchaus ungelöstes Problem darstellt, wird aus dem Drama klar ersichtlich. Der Prinz von Guastalla, in dessen Denken nur noch die Frau eine Rolle spielt, bekommt von seinem Rate Camillo Rota ein Todesurteil zur Unterfertigung vorgelegt. Von dem Wunsche beseelt, sich nur mit der Frage zu befassen, wie er am raschesten in den Besitz Emilias kommen soll, ist er bereit, das Urteil zu unterschreiben, ohne einen Blick hineinzutun. Nur zwei Worte findet er, als ihm sein Rat das Aktenstück geben will. Diese beiden Worte „recht gern" kennzeichnen die Art und Weise, mit der man so oftmals über ein Menschenleben hinweggegangen ist und — noch hinweggeht. Lessing zeichnet im Gegensatz dazu Camillo Rota als einen Edelmenschen, der, um eine übereilte Unterzeichnung des Todesurteils zu verhindern, im letzten Augenblick den Vorwand gebraucht, daß er doch lieber das Todesurteil an einem anderen Tage vorlegen möchte. Bekanntlich ist Lessings äußeres Leben wenig erfolgreich gewesen. Vielleicht wäre dies anders gekommen, wenn er stärkere Konzessionen an seine Umwelt zu machen verstanden hätte. Aber niemals hat er, um eine Brotstelle „zu halten", irgendwie seine Feder verkauft. In einer Zeit wie der unseren, in der der Mammonismus die Seelen verdirbt, dürfte auch hier die Beschäftigung mit Lessing vielleicht manchen noch auf den Weg wahren Menschentums führen. So ist es verständlich, daß Lessing Freimaurer wurde; verkörperte ja damals die Freimaurerei eine Stufe der Menschenliebe, die Lessing anziehen mußte. Aus jenem Geiste heraus hat er seine Schrift „Ernst und Falk" geschrieben. Die beiden jungen Freunde gehen an einem erquickenden Morgen spazieren und sprechen über die Gedanken, die sie bewegen. Bemerkenswert ist auch, was er in diesem Zusammenhang über den Staat sagt. Sie kommen auf diese Frage, als sie die Ameisen in ihrer geschäftigen Zusammenarbeit betrachten. „Die Staaten," so sagen sie, „vereinigen die Menschen, damit durch diese und in dieser Vereinigung jeder einzelne Mensch seinen Teil von Glückseligkeit desto besser und sicherer genießen könne." Seine weltbürgerlichen Ideen baute er weiter aus in seiner Abhandlung: „Die Erziehung des Menschengeschlechts". Er geht durchaus nicht von den historischen Religionen aus, sie sind für ihn alle nur ein Durchgangsstadium. Er träumt von einem Reiche der Zukunft. Was für den einzelnen Menschen die Erziehung bedeutet, das ist die Offenbarung bei dem ganzen Menschengeschlecht. „Erziehung gibt dem Menschen nichts, was er nicht aus sich selbst haben könnte: sie gibt ihm das, was er aus sich selbst haben könnte, nur geschwinder und leichter. Also gibt auch die Offenbarung dem Menschengeschlechte nichts, worauf die menschliche Vernunft, sich selbst überlassen, nicht auch kommen würde: sondern sie gab und gibt ihm die wichtigsten dieser Dinge nur früher. Wenn auch der erste Mensch mit einem Begriff von einem Einigen Gott sofort ausgestattet wurde: so konnte doch dieser mitgeteilte und nicht erworbene Begriff unmöglich lange in seiner Lauterkeit bestehen. Sobald ihn die sich selbst überlassene menschliche Vernunft zu bearbeiten anfing, zerlegte sie den einzigen Unermeßlichen in mehrere Ermeßlichere und gab jedem dieser Teile ein Merkzeichen." Lessing schildert dann, wie gerade das israelitische Volk von Gott zu seiner Aufgabe auserwählt wurde. „Ein Volk, in diesem heroischen Gehorsam gegen Gott erzogen, sollte es nicht bestimmt, sollte es nicht vor allen anderen befähigt sein, ganz besonders göttliche Absichten auszuführen; als es zu Jahren des Verstandes gekommen war, stieß es der Vater auf einmal in die Fremde, damit es erkenne, wie wohl ihm zu Hause gewesen, und wie wenig es sich dessen bewußt war." Wir müssen es uns versagen, an dieser Stelle Lessing im einzelnen weiter in seinen Gedankengängen zu folgen. Seine Auffassung läuft darauf hinaus»

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