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Die Wahrheit · 1929-02-01 · Heft 5 (1.2.1929) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 5 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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gflinmqpimnHHimiim^^ DIE WAHRHEIT nur möglichst in beiderseitigem Einvernehmen erfolgen soll. Was Herr Dr. Klee sich sonst an diesem Abend noch geleistet hat, indem er den Verfasser des Artikels in der „Jüdisch-Liberalen Zeitung", der als Journalist im Saale anwesend war, sich aber nicht verteidigen konnte, persönlich verunglimpfte, wird wohl noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Im übrigen war seine Verteidigungsrede für die Zwei- Bündnis-Politik seiner Fraktion zwar dialektisch sehr geschickt, konnte aber vor allem seine verratenen bisherigen Bundesgenossen nicht überzeugen, die nun sehr böse auf die Zionisten sind. Betrachten wir aber bloß die neuen Abmachungen zwischen den beiden großen Parteien, die für uns in Wien bei der Aehnlichkeit der Verhältnisse von besonderem Interesse sind. Was wollen die Berliner Liberalen: Beendigung der Legislaturperiode im Jahre 1930. Was wollen die Berliner Zionisten: Bis zu diesen Neuwahlen regieren. Zu diesem Zwecke stellen sie bis auf die durchaus anerkennenswerte Forderung nach dem Jerusalemer Lehrstuhl selbst alle ihre Palästinawünsche zurück. Es ist ja im übrigen bekannt, daß die Berliner Gemeinde aus Ersparungsgründen auch bisher keine Subvention für Palästina budgetiert hatte. So großzügig verfahren die Zionisten in der Berliner Gemeinde. Und in Wien? Hier wollen sie die Herrscher sein, ohne selbst in Kleinigkeiten sich nachgiebig zu zeigen. Auf der anderen Seite werfen sie aber in tendenziöser Absicht den Unionisten Gewaltmethoden vor. Die Berliner Wilden sind doch bessere Menschen. Krise der zionistischen Organisation in Polen. Oder: Ganz wie in Oesterreich. Die seit langer Zeit latente Krise in der polnischen Zionistischen Organisation, die ihren Ausgangspunkt in den innerpolitischen wie innerzionistischen Gegensätzen zwischen der von Leon L e v i t e geführten gemäßigten Gruppe „Eth Livnoth", die die Mehrheit im Zentral-Komitee besitzt, und der von I. Grünbaum geführten radikalen Gruppe „AI Hamischmar" hat, ist in der letzten Zeit wieder akut geworden. Um eine Klärung der Lage herbeizuführen, wandte sich der Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur an den Präsidenten des Zentralkomitees der Zionistischen Organisation, Leon Levite, und an den Führer der radikalen Gruppe und Präsidenten des jüdischen Parlamentsklubs. I. Grünbaum, mit der Bitte, ihre Stellung zu den kritischen Problemen zu konkretisieren. Leon Levite beantworte die an ihn gestellten Frage wie folgt: Die Methoden und Formen des Kampfes, den die Opposition gegen das Zentralkomitee führt, überschreiten alle erlaubten Grenzen und liefert den Gegnern des Zionismus die Waffen. Aus ganz nichtssagender Ursache (die Mehrheit des Parteirates lehnte den Vorschlag der Opposition, den Wahlkommissär für die Landeskonferenz durch den Parteirat und nicht durch das Zionistische Komitee zu wählen, ab) verließ die Opposition mit Grünbaum an der Spitze den Parteirat und erneuerte seine erbitterte Kampagne gegen das Zionistische Komitee und ihre Mitglieder. Die prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten, die uns von „AI Hamischmar" trennen, sind folgende: 1. Im Gegensatz zu „AI Hamischmar" sind wir der Ansicht, daß nicht alle Probleme des Zionismus und des Palästina-Aufbaues vom Standpunkt der Landespolitik und der Gegenwartsarbeit im Galuth betrachtet werden dürfen. Die rein zionistische und die Palästina-Arbeit muß unbedingt den ersten Platz einnehmen. 2. Die Arbeit für die Jewish Agency ist in diesem Augenblick die RICHARD HERZOG, Wien I., Adlersasse 5 Telephon R 23-4-90 II., Kl. 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Wir sind für den Zusammenschluß aller zionistischen Verbände in allen Teilen der Republik, ohne daß irgendwelche Personen oder Gruppen oder irgendwelche Punkte des zionistischen Arbeitsprogramms ausgeschlossen bleiben dürfen. 5. Die öffentliche Bekämpfung von Beschlüssen, die vom Kongreß und dem Aktionskomitee mit überwiegender Mehrheit angenommen wurden, untergräbt die Autorität und das Prestige der Zionistischen Organisaton. Levite kündigte die baldige Einberufung einer allgemeinen Konferenz der polnischen Zionisten an, die ein definitives Programm ausarbeiten soll, das für alle Mitglieder der Organisation verpflichtend sein soll. Auf die Frage, ob man in Wirklichkeit vor einer Spaltung der Zionistischen Organisation in Polen steht, erwiderte Levite: Formell ist uns über den Austritt der Gruppe „AI Hamischmar" aus der allgemeinen Zionistischen Organisation nichts bekannt, wenn auch verschiedene Handlungen dieser Gruppe einen solchen Eindruck hervorrufen. Ich habe Vertrauen zu dem gesunden Instinkt und das Verantwortlichkeitsgefühl der zionistischen Massen, die sich vom Wege der Disziplin und der positiven Arbeit nicht werden ablenken lassen. Der Führer von „AI Hamischmar", Abg. Grünbaum, sagte dem JTA.-Vertreter: Der Konflikt zwischen „AI Hamischmar" und der Mehrheit des Zionistischen Zentralkomitees hat sich dadurch verschärft, daß das Zionistische Komitee alle Vorschläge der Minderheit, die eine Garantie gegen eine Einseitigkeit bei den bevorstehenden Wahlen zur neunten Zionistischen Landeskonferenz usw. schaffen sollen, abgelehnt hat. Das Zionistische Komitee hat zahlreiche Schekelzahler entrechtet, indem nur solchen das Wahlrecht zugebilligt wurde, die die sogenannten Mitgliedsbeiträge entrichten. Solcher gibt es bloß 4250, während es Schekelzahler in der drei- bis vierfachen Zahl gibt. Wir dürfen nicht zulassen, daß das Zionistische Komitee, gestützt auf eine künstliche Mehrheit, die bisherige Richtung in der Landespolitik ändert, da die jüdischen Massen ihre Meinung seit den letzten Wahlen nicht geändert haben, nachdem alle Hoffnungen, daß die jetzige Regierung in der jüdischen Frage etwas wesentliches unternehmen wird, sich nicht erfüllt haben. Wir, fuhr Grünbaum fort, bekämpfen den Agency-Plan In der Form, wie er in der letzten Session des Aktionskomitees angenommen worden ist. Wir werden auf dem Kongreß gegen die Ratifizierung des Agency-Abkommens stimmen. Für den Fall, daß der Agency-Plan zur Durchführung gelangt, wollen wir dahin wirken, daß der nichtzionistische Teil der Agency sich in einer Weise zusammensetzt, daß die negative Bedeutung

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