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Die Wahrheit · 1929-02-01 · Heft 5 (1.2.1929) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 5 (1.2.1929)
Date
1929-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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iiflinijfflfHinHHaBffliffifflHWfflfflraMi Seite $ üü CENTRALKINO Sl Wien II., Taborstraße 8 - Tal. R 42-3-41 |l| UR- UND^ALLEINAUFFÜHRUNG U JOISON I in dem Warner Mondialfilm IN, der ihhuweb I TO NEB NL AG El KANTOR JOSEF ROSENBLATT || Beginn der Vorstellungen: VA 6. 7,8 *"»d 9 Uhr 1 J55aBBBHnBBnMnHHaHMHBHBHHMBHMMiMBHBMMMBaaMMHaMMMMM(l Vorsitzende, Direktor Georg Kareski, zum Vorsitzenden gewählt worden. Direktor Kareski gehört der Jüdischen Volkspartei an. Die Liberalen stimmten gegen diese Wahl. Kommerzienrat Georg S im o n wurde zum Zweiten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, Erster stellvertretender Vorsitzender bleibt Herr Kammergerichtsrat Leo W o 1 f f, der der liberalen Partei angehört. Wie es zu dieser Aufsehen erregenden Wahl kam, darüber verrät die Berliner „J ü d i s c h - L iberale Zeitung" einige interessante Einzelheiten, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen, da sich leicht die Nutzanwendung auf die derzeitigen kritischen Wiener Verhältnisse ziehen läßt. Es heißt in diesem Artikel unter anderem: „Die Wahl des zionistischen Führers zum Vorsitzenden der Berliner jüdischen Gemeinde kommt den Eingeweihten nicht überraschend. Sie bildet einen Teil eines Abkommens, das Mittelpartei, Konservative und Volkspartei beschlossen haben, die ja gegenwärtig, wenn es in der Oefientlichkeit auch gern abgestritten wird, einen Block in der Berliner Gemeinde bilden. Durch dieses Abkommen haben sich die nichtliberalen Parteien der Berliner jüdischen Gemeinde darauf geeinigt, den Gemeindevorsitzenden nicht für die gesamte Legislaturperiode zu wählen, wie es im Gemeindestatut vorgesehen ist, sondern es wurde bestimmt, daß bis zum 31. Dezember 1928 der zur Mittelpartei gehörige Kommerzienrat Gerson Simon den Vorsitz führen, und daß vom 1. Jänner 1929 dieses Amt zum erstenmal in der Berliner Gemeinde einem zionistischen Vorstandsmitgliede zufallen sollte. Programmgemäß hat Herr Kommerzienrat Simon mit dem Jahreswechsel sein Amt niedergelegt, so daß die Wahl des zionistischen Herrn Kareski zum Gemeindevorsitzenden möglich wurde. Diese Tatsache zeigt erneut, daß die von Herrn Kommerzienrat Simon bei Beginn seiner Tätigkeit im Gemeindevorstand abgegebene Erklärung, er sei keinerlei Abmachungen mit Zionisten eingegangen, wie hier schon mehrfach behauptet wurde, nicht den Tatsachen entspricht. Die Wahl des Herrn Kareski wird weit über den Rahmen der Berliner Gemeinde hinaus Beachtung finden. Nicht nur, weil sich hier wiederum das unseres Erachtens unnatürliche Bündnis religiöser Gruppen mit Zionisten in der Gemeindestube dokumentiert, sondern vornehmlich auch, weil damit zum erstenmal in einer jüdischen Großgemeinde Deutschlands ein Zionist an die Spitze berufen worden ist. Ganz abgesehen von den Bedenken, die in der Persönlichkeit des Herrn Kareski und seiner Tätigkeit im Michael-Konzern ihre Ursachen haben, abgesehen auch von seinem eigenartigen Verhalten als Wahlkommissar der Berliner jüdischen Gemeinde während der letzten Repräsentantenwahlen, das in einem Fall ja sogar vom Berliner Polizeipräsidenten als „eine starke Verletzung des Statutes der Berliner jüdischen Gemeinde" bezeichnet wurde, kommt seiner Wahl symptomatische Bedeutung zu. Wenn die Gefahren, die die Wahl eines Zionisten zum Gemeindevorsitzenden mit sich bringt, nicht voll zur Auswirkung gelangen werden, so dürfte das in erster Linie einem Abkommen zu danken sein, das vor kurzem die Liberalen der Berliner Gemeinde mit der jüdischen Volkspartei getroffen haben. Wir glauben, zutreffend unterrichtet zu sein, wenn wir sagen, daß als wesentlichstes festgesetzt worden ist, daß die Legislaturperiode der jetzigen Repräsentantenversammlung bereits im nächsten Jahre, also 1930, abläuft, und daß dann durch eine völlig neue Wahl die Möglichkeit gegeben werden wird, die Wähler über die zukünftigen Geschicke der Berliner jüdischen Gemeinde entscheiden zu lassen. In dem Abkommen haben unseres Wissens ferner d i e Zionisten für die Zeit bis zum Ablauf der jetzigen Periode auf s ä m 11 i c h e F o r d e r u n g e n für Palästina sowie auf die Durchführung ihres Schulprogramms verzichtet, wobei ihnen die Liberalen die Bewilligung der Kosten für einen Lehrstuhl für deutsche Literatur an der Jerusalemer Universität und die Uebernahme einer in der Rykestraße in Berlin bereits bestehenden privaten jüdischen Volksschule konzedierten, die alsdann selbstverständlich der Kontrolle und Aufsicht der zuständigen Gemeindeinstanzen unterstellt wird. Es ist ferner in dem Abkommen geregelt worden, daß die Besetzung wichtiger Beamtenposten usw. nur in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt. Durch dieses Abkommen dürfte also erreicht sein, daß trotz der Wahl des Herrn Kareski zum Gemeindevorsitzenden die zionistischen Sonderwünsche in der Gemeinde zur Zeit nicht verwirklicht werden können. Selbstverständlich wird durch diese Abmachung die Tatsache nicht beeinträchtigt, daß die Liberalen auch in Zukunft zu dem gegenwärtigen Regime in der Berliner Gemeinde in Opposition verbleiben." Die hier auszugsweise wiedergegebenen Mitteilungen der „Jüdisch-Liberalen Zeitung" haben natürlich „wie eine Handgranate gewirkt". Diese Charakterisierung gab ein zionistischer Redner in der letzten Sitzung der Berliner Repräsentantenversammlung, bei deren Beratungen die Veröffentlichung der liberalen Zeitung den Ausgangspunkt bildete. Zunächst erbrachte die Sitzung den Beweis für die Richtigkeit der bisher von allen Beteiligten bestrittenen Tatsache, daß Mittelpartei, Konservative und jüdische Volkspartei durch ein schriftliches Abkommen gebunden seien. Denn wenn von der konservativen Partei und der Mittelpartei dem zionistischen Fraktionsführer Dr. Klee gesagt wurde, daß seine jetzigen Abmachungen mit den Liberalen nicht im Einklang mit den Verträgen stehen, die die Volkspartei mit ihnen geschlossen habe, so wurde dadurch aufgezeigt, daß solche Verträge bestanden und die Volkspartei jetzt merkwürdigerweise nach zwei Seiten Bindungen einzugehen vermag. Herr Dr. Klee hat in der unangenehmen Situation, in der er sich befand, die Veröffentlichung des liberalen Blattes mehrfach als falsch und irreführend bezeichnet. Seine Beweisführung hierfür entbehrt wahrlich nicht einer gewissen Komik. Auf Grund der Ausführungen des Herrn Dr. Klee ist das Abkommen mit den Liberalen kein Abkommen, sondern ein gentlemen agreement, eine feine Unterscheidung! Es ist ferner schwer klarzustellen, inwiefern die Mitteilungen über die Palästinaforderungen und das Schulprogramm falsch sind; der Unterschied zwischen dem, was in der liberalen Zeitung stand, und dem, was er selbst zugab, ist nicht ganz klar geworden. Es wäre höchstens festzustellen, daß nach seiner Aeußerung zwar ein Lehrstuhl für deutsche Literatur an der Jerusalemer Universität angeregt worden ist, und daß nun bloß die Art des an sich in dem Abkommen unter Verzicht auf jede andere Palästina-Forderung vereinbarten Lehrstuhls nochnichtdefinitiv bestimmt worden ist. Eine ebenso welterschütternde Berichtigung wie die, daß die Besetzung wichtiger Beamtenposten usw. nicht unbedingt, sondern

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